Projektskizze zur Dissertation "Geschlechterkonstruktionen im erwerbs- und reproduktionsbezogenen Handeln von ErzieherInnen"
Dipl.-Psych. Melanie Schnase
Untersuchungsziel und -gegenstand
Ziel dieser Forschungsarbeit ist das Herausarbeiten von Handlungsspielräumen in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Erst die Trennung von öffentlicher, sichtbarer Lohnarbeit und privater, unsichtbarer unentgeltlicher Arbeit erfordert deren (Wieder-)Vereinbarung. Die Handlungsspielräume in der Vereinbarkeit sollen insofern anhand der mit den Arbeitssphären verbunden Geschlechterkonstruktionen erfasst werden. Diesem Vorgehen liegt die These der wechselseitigen Herstellung von Geschlechterkonstruktionen und Arbeitssegregation zugrunde (Wetterer 2009). Demnach wäre die Trennung von Erwerbs- und Reproduktionssphäre ohne das (post)fordistisch-heteronormative Geschlechterarrangement nicht möglich (Wagenknecht 2004). Gegenstand dieser Dissertation sind daher die Geschlechterkonstruktionen im reproduktions- und erwerbsbezogenen Handeln von ErzieherInnen. Dabei sollen Handlungsspielräume anhand des Vergleichs der mit der beruflichen und privaten Kinderfürsorgearbeit jeweils verbundenen Geschlechterkonstruktionen von ErzieherInnen sichtbar werden. Dieser Herangehensweise liegt zum einen zugrunde, dass die berufliche und private Kinderfürsorge ähnliche Inhalte und Bedingungen charakterisiert. Zum anderen wird davon ausgegangen, dass die Relevanz von Geschlecht in der formalisierten beruflichen Kinderfürsorge geringer als in der nicht-formalisierten privaten Kinderfürsorge ist. Deutlich werden soll in dieser Arbeit, wie sich der Bedeutungsverlust von Geschlecht jeweils unter den Bedingungen unterschiedlicher Formalisierungsgrade im Arbeitshandeln stabilisieren kann.
Forschungsfragen
Vor diesem Hintergrund frage ich in meiner Dissertation:
1. Wie funktioniert die alltägliche Verbindung von Familie und Beruf für ErzieherInnen?
2. Wo sehen sie Probleme in der Verbindung?
3. Welche Lösungsansätze sehen sie für ihre Probleme?
4. Welche Bedeutung haben Geschlechterkonstruktionen für die Verbindung von Familie und Beruf, deren Probleme und Lösungsansätze?
Forschungsrelevanz
Die gesellschaftspolitische Forschungsrelevanz meiner Dissertation verdeutlichen folgende Problemstellungen: Die Vereinbarkeit von Reproduktions- und Erwerbsarbeit ist durch die von Erwerbstätigen geforderte Flexibilität begrenzt. Im Zuge von Entgrenzungsprozessen wird die Flexibilität heute von allen Erwerbstätigen, unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit, gefordert. Diese Flexibilität setzt biografische Dauerverfügbarkeit und die Ökonomisierung alltäglicher Lebensführung voraus. Problematisch dabei ist, dass die fordistische Trennung von Erwerbs- und Reproduktionsarbeit die berufliche Flexibilität einschränkt. Obwohl sich die fordistische Geschlechter- und Arbeitssphärentrennung in Auflösung befindet, bleiben auch in postfordistischen Geschlechterarrangements Reproduktionsarbeit und die Probleme ihrer beruflichen Vereinbarung einseitig auf Frauen zugewiesen (Winker 2007). In diesem Zusammenhang (re)produziert auch die zunehmende berufliche Integration von Frauen nach wie vor eine geschlechtshierarchische Arbeitssegregation (Gildemeister/Wetterer 2007). Allerdings ist die Zuweisung von Reproduktionsarbeit an Frauen heute weniger selbstverständlich. Insofern ist die Haus- und Familienarbeit, d.h. neben Kinderfürsorge auch die Pflege älterer oder kranker Familienmitglieder, derzeit unzureichend abgedeckt (Nierling 2009). Gleichzeitig steigt die gesellschaftliche Bedeutung reproduktiver Sorgearbeit im Zuge von gesellschaftsdemografischer Schrumpfung/Alterung (Winker 2008).
Methodologische Grundlage
Geschlechterkonstruktionen, wie z.B. die Alleinverantwortung von Müttern für die Kinderfürsorge, werden nur solange von AkteurInnen (re)produziert, wie sie sich in deren sozialen Praxen bewähren (Wetterer 2002). Daher erfordert ihre Analyse einen handlungstheoretischen Ansatz, wie den methodologischen Ausgangspunkt dieser Arbeit, die praxeologische, intersektionale Mehrebenenanalyse nach Winker und Degele (2009). Da Geschlechterkonstruktionen je nach Kontext variieren (Wetterer 2002), grenze ich die intersektionale Analyse auf den Kontext der Lebensführung der Berufsgruppe ErzieherInnen ein. Die (Re)produktion von Geschlechterkonstruktionen hängt zudem von ihrer Kompatibilität auf verschiedenen Ebenen ab (Wetterer 2002; Gildemeister 2008). Nach dem Intersektionalitätsansatz von Winker und Degele (2009) handelt es sich dabei um drei über soziale Praxen miteinander verbundene Ebenen: 1. die Identitätsebene, 2. die Repräsentations- und 3. die Strukturebene. Im Rahmen dieses Ansatzes untersuche ich anhand von Interviews ungleichheitsgenerierende Kategorien in ihrer Intersektionalität, d.h. ihrer Wechselwirkungen untereinander, auf/zwischen drei intersektionalen Ebenen. Dazu arbeite ich auf der Strukturebene mit Gabriele Winkers (2007; 2009). Forschungsergebnissen zum Zusammenhang von Geschlechterverhältnissen und den Verwertungs- und Reproduktionsbedingungen von Arbeitskraft. Auf der Repräsentationsebene beziehe ich mich auf Angelika Wetterers (2007, 2009) Konzept des Geschlechterwissens und auf der Identitätsebene auf Judith Butlers (1991, 2009) poststrukturalistischen Geschlechterbegriff.
Methodologische Grundlage
Geschlechterkonstruktionen, wie z.B. die Alleinverantwortung von Müttern für die Kinderfürsorge, werden nur solange von AkteurInnen (re)produziert, wie sie sich in deren sozialen Praxen bewähren (Wetterer 2002). Daher erfordert ihre Analyse einen handlungstheoretischen Ansatz, wie den methodologischen Ausgangspunkt dieser Arbeit, die praxeologische, intersektionale Mehrebenenanalyse nach Winker und Degele (2009). Da Geschlechterkonstruktionen je nach Kontext variieren (Wetterer 2002), grenze ich die intersektionale Analyse auf den Kontext der Lebensführung der Berufsgruppe ErzieherInnen ein. Die (Re)produktion von Geschlechterkonstruktionen hängt zudem von ihrer Kompatibilität auf verschiedenen Ebenen ab (Wetterer 2002; Gildemeister 2008). Nach dem Intersektionalitätsansatz von Winker und Degele (2009) handelt es sich dabei um drei über soziale Praxen miteinander verbundene Ebenen: 1. die Identitätsebene, 2. die Repräsentations- und 3. die Strukturebene. Im Rahmen dieses Ansatzes untersuche ich anhand von Interviews ungleichheitsgenerierende Kategorien in ihrer Intersektionalität, d.h. ihrer Wechselwirkungen untereinander, auf/zwischen drei intersektionalen Ebenen. Dazu arbeite ich auf der Strukturebene mit Gabriele Winkers (2007; 2009). Forschungsergebnissen zum Zusammenhang von Geschlechterverhältnissen und den Verwertungs- und Reproduktionsbedingungen von Arbeitskraft. Auf der Repräsentationsebene beziehe ich mich auf Angelika Wetterers (2007, 2009) Konzept des Geschlechterwissens und auf der Identitätsebene auf Judith Butlers (1991, 2009) poststrukturalistischen Geschlechterbegriff.
Es sollen leitfadengestützte narrative Interviews in den jeweiligen Kindertagesstätten durchgeführt werden. Die Analyse der Verbindung von Beruf und Familie erfolgt methodisch anhand des Analyseverfahrens zur Arbeit im Haushalt (AVAH) nach Resch (1999). In Abgrenzung zu anderen arbeitswissenschaftlichen Verfahren berücksichtigt AVAH Kooperation im Handlungsprozess, so dass die Reproduktionsarbeit/Vereinbarkeit zum Untersuchungsgegenstand wird, ohne automatisch Frauen zugerechnet zu werden (Resch 1999; 2002). Befragt werden 10 bis 15 ErzieherInnen diverser Kindertagesstätten. Es sollen ErzieherInnen im Hinblick auf Teilzeit-/Vollzeitarbeit, mit/ohne Reproduktionshilfe miteinander verglichen werden. Jede Vergleichsgruppe hat Kinder und lebt in einer Partnerschaft/Wohngemeinschaft. Gegebenenfalls werden ErzieherInnen-Paare untersucht.

