Maritime Systeme
Editorial
Die Technische Universität Hamburg-Harburg wurde 1978 mit der Verpflichtung gegründet, durch Forschung zur Stärkung der technologischen Entwicklung des norddeutschen Raumes beizutragen. Ein besonderer Schwerpunkt dieser Region ist die maritime Wirtschaft. Hierzu zählen die Werften, die Meerestechnik, eine große Anzahl von hoch spezialisierten Zulieferbetrieben, die Reedereien, Schifffahrtsunternehmen, die Klassifikationsgesellschaften, die Schiffbauversuchsanstalten, die Häfen und der Hafenbau sowie die zahlreichen mit dem Seeverkehr verbundenen Logistikunternehmen. Die Technische Universität Hamburg-Harburg hat ihren Gründungsauftrag dahingehend erweitert, dass sie über die Forschung hinaus den akademischen Nachwuchs im Schiffbau ausbildet. Sie wird auch nach der Umstellung auf das Bachelor-/Mastersystem Schiffbau als grundständigen Studiengang anbieten. Seit 1998 ist der Schiffbau im Hamburger Hochschulsystem an der TUHH konzentriert.
In der Vorbereitung auf eine neue Forschungsschwerpunktstruktur an der TUHH wurde eine Bestandsaufnahme über die maritimen Aktivitäten in unterschiedlichen Instituten durchgeführt. Es war selbst für die Universität eine Überraschung, wie viele Professoren und Mitarbeiter an maritimen Projekten arbeiten.
Unternimmt man den Versuch einer Systematisierung, so lassen sich die Themen unter der Überschrift „Maritime Systeme” fassen. Eine weitere Unterteilung führt zu den Schwerpunkten „Schiffbau und maritime Systemtechnik” und „Maritime Infrastruktur und Logistik”. An der Gründung eines derartigen Forschungsschwerpunkts wird derzeit gearbeitet.
Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Christian Nedeß
Maritimer Koordinator der TUHH
Maritime Technik - Zukunft durch Forschung und Ausbildung
Research and Development are most important for the German Maritime Industry and its competiveness. Key element of being competitive is the ability to create product- and process innovations permanently. To achieve this goal an interdisciplinary cooperation of the engineering disciplines in R&D is fundamental. The cooperation is also of utmost importance for the education of young engineers serving the needs of the Maritime Industry. TUHH ranks the Maritime Industry as an essential part of High Technology. For this reason Maritime Technology is a core element of the universities strategic plan.
Forschung und Entwicklung haben für die Zukunftsfähigkeit der deutschen maritimen Industrie eine große Bedeutung. Die Konkurrenzfähigkeit der Industrie und des Standortes auf dem Weltmarkt hängt in hohem Maße von der Fähigkeit ab, beständig Produkt- und Prozessinnovationen hervorzubringen. Das Zusammenwirken unterschiedlicher ingenieurwissenschaftlicher Disziplinen in der Forschung ist hierfür Grundvoraussetzung ebenso wie für die Ausbildung junger Ingenieurinnen und Ingenieure für die Bedarfe der schiffs- und meerestechnischen Industrie. Die TUHH sieht die Maritime Industrie als einen Bereich der Hochtechnologie. Sie hat diesem Bereich in ihren strategischen Planungen besondere Bedeutung zugemessen. Schiff- und Hafenbau ist eines der strategischen Felder, in denen die TUHH wichtige Kompetenzen entwickelt hat und das sie weiter ausbauen will. Erst jüngst hat das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Graduiertenkolleg „Seehäfen für Containerschiffe zukünftiger Generationen” seine Arbeit aufgenommen.
Deutschland verfügt unter anderem durch den Neuaufbau der Werften in Mecklenburg-Vorpommern über die größte und modernste Werftindustrie in Europa. Daher besteht, als einzigem Land in Europa, in Deutschland eine komplette Produktionslandschaft für Schiffe einschließlich einer umfangreichen Zuliefer- und leistungsfähigen Dienstleistungsindustrie. Zu letzteren gehören unter anderem die Klassifikationsgesellschaften.
Hamburg gilt in Deutschland als das Zentrum der maritimen Dienstleistungen. Nur hier werden die technischen Fragen der Schifffahrt und des Schiffbaus in Deutschland in geforderter Breite und Tiefe wissenschaftlich-technisch behandelt; hinzu kommen die Forschungsaktivitäten des Schiffsmaschinenbaus und der Schiffselektrotechnik der TUHH. Bei letzteren werden neue maschinenbauliche Konzepte und Ansätze in den Bereichen Schiffsantriebstechnik und Bordnetzen von Schiffen verfolgt.
Maritime Industrie als Hochtechnologie
Der Bau von Schiffen ist durch die Komplexität moderner Schiffe ein Zusammenspiel der unterschiedlichsten Disziplinen. Die Forschungsfelder im Schiffbau umfassen den Entwurf, die Konstruktion und die Theorie des Schiffes. So ist z. B. das Forschungsfeld Verhalten der Schiffskonstruktionen unter Extremzuständen sehr eng mit dem Forschungsfeld hydrodynamische Belastungen auf Schiffsstrukturen und Anbauten verbunden. Ähnliches gilt für den Schiffsentwurf, bei dem die Fragen der Bewertung gefährlicher Situationen auch im hoheitlichen Interesse eine zentrale Rolle spielen. Insgesamt sind IuK-basierte Forschungsfelder in allen Instituten des Schiffbaus zentrale Arbeitsgebiete mit erheblicher gegenseitiger Verknüpfung. Die Zusammenarbeit in der Forschung ist durch ein hohes Maß an Interdisziplinarität gekennzeichnet. Werkstoffforscher arbeiten hier z.B. mit den Produktionstechnikern zusammen.
Die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) versteht sich als Motor der Innovation und kooperiert intensiv mit den Unternehmen des Schiffbaus und der maritimen Industrie sowie Forschungseinrichtungen wie der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA). Einen guten Überblick über die vielfältigen Vorhaben geben die nachfolgenden Artikel.
Synergien in der Forschung
Um im Bereich der Forschung Synergien zu schaffen und die Interdisziplinarität zu erhöhen, hat die TUHH eine AG Maritime Systeme gegründet, in der 22 Professoren in der Forschung zu den Themen Schiffbau und maritime Systemtechnik sowie Maritime Infrastruktur und Logistik zusammenarbeiten (siehe Abbildung). Über diese Vernetzung werden neue Forschungsschwerpunkte entwickelt.

Von dieser Schwerpunktsetzung profitieren auch die Studiengänge Schiffbau und Schiffsmaschinenbau, in denen die von der Industrie händeringend gesuchten Diplom-Ingenieurinnen und Ingenieure ausgebildet werden. Die TUHH bietet als einzige Universität in Deutschland den Studiengang Schiffbau an. Ca. 60 Studienanfänger nehmen pro Jahr ein Studium auf. Aufbauend auf einem maschinenbaulich geprägten Grundstudium werden im Hauptstudium die Kernfächer des Schiffbaus vermittelt. Hier wird zum einen Grundwissen in Richtung schiffbaulicher Anwendungen vertieft, zum anderen werden spezielle schiffbauspezifische Themen behandelt, deren Beherrschung für die Praxis unerlässlich ist. Die Studierenden haben dann die Wahl zwischen sechs Studienschwerpunkten und müssen zwei davon auswählen:
- Schiffssystemtechnik (Schiffsentwurf)
- Festigkeit und Konstruktion
- Schiffsdynamik
- Planung und Fertigung
- Meerestechnik
- Schiffsmaschinenbau.
Neue Bachelor-, Masterausbildung

Ab dem Wintersemester 2007/2008 wird die TUHH ihr Studienangebot auf das Bachelor-Master-System umstellen. Es wird ein sechssemestriges Bachelorprogramm und eine viersemestriges Masterprogramm „Schiffs- und Meerestechnik” angeboten. Der Masterabschluss ist für die TUHH der Regelabschluss. Bei der Konzeption der neuen Studienangebote wird sehr darauf geachtet, dass die vermittelten Inhalte mindestens dem Niveau der bisherigen Ausbildung entsprechen. Qualitätseinbußen wird es nicht geben.
Die Absolventen des Studiums treffen auf einen exzellenten Arbeitsmarkt mit vielfältigen Chancen. Junge Ingenieurinnen und Ingenieure können wählen aus Angeboten der Industrie und Forschungseinrichtungen. Ihnen steht auch offen, eine Promotion, die mit der Bearbeitung eines mehrjährigen Forschungsprojektes verbunden ist, an das Studium anzuschließen.
Die Maritime Industrie und die Technische Universität Hamburg-Harburg arbeiten in vielfältiger Weise intensiv und zukunftsorientiert zusammen. Das Zusammenspiel von Forschung, Entwicklung und Ausbildung an der TUHH ist in Deutschland einzigartig.
Texte:
Schiffbau und maritime Systemtechnik
- Christian Nedeß
Schiffbau mit Zukunft: Innovative Prozesse für innovative Produkte (1,5 MB) - Wolfgang Fricke und Eike Lehmann
Konstruktion und Festigkeit von Schiffen (4,8 MB) - Stefan Krüger
Schiffsdesign und Schiffssicherheit (2 MB) - Thomas Rung
Dynamische Analyse maritimer Systeme: Untersuchungen zur Fluiddynamik (3,3 MB) - Mária Lukácová
Mathematische Modellierung und Numerische Simulation in der Strömungsmechanik (1,7 MB) - Wolfgang Kersten
Komplexitätsmanagement im Schiffbau (0,4 MB) - Claus Emmelmann
Six Sigma: Analyse eines Laser-Hybridschweißprozesses im Schiffbau (1,2 MB) - Horst Rulfs
Forschungsarbeiten an Schiffsmaschinen (0,7 MB) - Gerhard Schmitz
Lüftungs- und Klimatechnik auf Schiffen (1,2 MB) - Günter Ackermann und Karl-Heinz Hochhaus
Elektrische Schiffsbordnetze und Transport gekühlter Ladung (4 MB) - Jan Luiken ter Haseborg
Elektromagnetische Verträglichkeit von Bordfunknetzen (3,8 MB) - Edwin Kreuzer
Rolling Home – Wie kommen Passagiere und Produkte sicher ans Ziel? (1,8 MB) - Edwin Kreuzer
Auf Tauchstation: Entwicklung von Unterwasserfahrzeugen (5 MB) - Otto von Estorff
Akustik/Hydroakustik: Lärmreduzierung im Schiffbau (1,1 MB) - Heinrich Voss
Vibrationen und Schall an Bord von Schiffen (1,8 MB) - Giselher Gust
Forschungsfeld Meerestechnik (2,6 MB) - Arsalan Minhas, Friedrich H. Vogt und Vitor Plath
Service-Orientierung in der Informationsverwaltung (1,1 MB)
Maritime Infrastruktur und Logistik
- Jürgen Grabe
Marine Geotechnik (0,9 MB) - Edwin Kreuzer
Marine Pfahlgründungen: Solides Fundament (5,4 MB) - Jens Froese
Maritime Logistik (2,8 MB) - Heike Flämig und Carsten Gertz
Verkehrsplanung und Logistik (1,9 MB) - Volker Turau
Drahtlose Containerüberwachung (3,8 MB) - Heike Vogeley, Frank Laue und Ulrich Killat
Stauplanung für Containerschiffe (2 MB)
