Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH)
Arbeitsbereich Abfallwirtschaft

Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG:

Sonderforschungsbereich SFB 188

Reinigung kontaminierter Böden



1. Einleitung

1989 wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Sonderforschungsbereich (SFB) "Reinigung kontaminierter Böden" eingerichtet. Im Rahmen dieses SFB erforschen 16 Teilprojekte der TU Hamburg-Harburg (Sprecherhochschule) und der Universität Hamburg die Grundlagen für Verfahren zur Sanierung kontaminierter Böden.

Der SFB wurde in den ersten beiden Phasen für den Zeitraum vom 01.01.1989 bis zum 31.12.1994 gefördert. Die dritte Förderungsperiode wird am 31.12.1997 enden.

2. Ausgangssituation

In der Bundesrepublik gibt es eine große Anzahl kontaminierter Standorte. Es handelt sich dabei z.B. um Industriestandorte, auf denen Produktionsrückstände vergraben oder unsachgemäß gelagert wurden (z.B. ehemalige Gaswerke, Kokereien, Chemiefabriken). Daneben sind vielerorts Untergrundverunreinigungen durch Leckagen in Transportleitungen oder Tanks (Altraffinerien, Flughäfen) entstanden. Beeinträchtigungen der Bodennutzung bis zum Bewirtschaftungsverbot und Grundwasserverunreinigungen sind häufig die Folge.

Die Bundesregierung hat den Bodenschutz im März 1985 zu einer dringenden Aufgabe erklärt. Die Altlastensanierung sieht sich nach der Phase der Schadenserfassung und Schadensbeurteilung zunehmend mit konkreten Sanierungsmaßnahmen konfrontiert. Die Problematik der kontaminierten Böden hat sich durch die Wiedervereinigung deutlich verstärkt. So gibt es in den neuen Bundesländern eine Vielzahl von Flächen, deren Gefährdungspotential in bezug auf Art, Konzentration und möglichen Synergieeffekten als besonders hoch einzuschätzen ist. Neben dem Schwerpunkt Bitterfeld, der sowohl mit organischen als auch mit anorganischen Schadstoffen belastet ist, gibt es Gebiete in Sachsen-Anhalt, die besonders hohe Schwermetallbelastungen aufweisen. In den alten Bundesländern hat sich trotz einer großen Zahl von Sanierungsprojekten die Anzahl der zu sanierenden Standorte nur unwesentlich verändert, da neue Altlastenflächen als sanierungsbedürftig eingestuft werden mußten.

Im wesentlichen bieten sich vier Alternativen bei der Behandlung kontaminierter Böden an:

Die langfristig einzig sinnvolle Alternative stellt die Reinigung des Bodens dar. Sie kann eine tatsächliche Kontaminationsbeseitigung bewirken, eine lokale Problemverlagerung verhindern und eine Rekultivierung und Wiedernutzbarmachung des Bodens ermöglichen.

In der aktuellen Sanierungspraxis werden vor allem mechanische, thermische und biologische Verfahren angewandt. Der Stand der Technik ist dabei durch eine Vielzahl konkurrierender Verfahren gekennzeichnet, die im wesentlichen auf empirischer Grundlage entwickelt wurden. Aufgrund fehlender Grenzwerte sowie unterschiedlichen analytischen Aufwandes fällt die Beurteilung der Reinigungsleistung der Verfahren schwer.

Es ist die Absicht des SFB, die wissenschaftlichen Grundlagen für die verschiedenen Verfahren zu erarbeiten, um diese zu optimieren und eine zweckmäßige Auswahl von Verfahrensschritten und Apparaten für die verschiedenen Anwendungsfälle zu ermöglichen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den biologischen und deren Kombination mit chemisch-physikalischen Verfahren.

Der technische Bodenschutz entwickelt sich zu einer selbständigen wissenschaftlichen Disziplin, in der mit Hilfe der Kenntnisse und Erfahrungen verschiedener Fachdisziplinen Problemlösungen gefunden werden können. Durch die integrierte Zusammenarbeit innerhalb des Sonderforschungsbereiches von Bauingenieuren, Verfahrenstechnikern, Chemikern, Mikrobiologen, Bodenkundlern, Geologen sowie Umweltplanern soll dieses neue Arbeitsgebiet erschlossen werden.

3. Forschungsziel

Um die Ziele, die sich der SFB gestellt hat, zu erreichen, sind neben der Untersuchung, Entwicklung und Optimierung von Reinigungsverfahren vor allem die analytischen und meßtechnischen Verfahren zu optimieren, welche die schnelle und umfassende Beschreibung von Prozessen ermöglichen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Untersuchungen zur Definition von Reinigungszielen. Um diese zu erreichen, sind u.a. Schadstoffbilanzen zu erstellen, ökotoxikologische Grenzwerte zu erarbeiten und die Schadstoffverfügbarkeit für Organismen zu quantifizieren. Darüber hinaus sollen ökologisch/planerische Bewertungskriterien für Sanierungsverfahren entwickelt werden.

4. Lösungsansatz

Um grundlegende Zusammenhänge erkennen zu können, wurde zunächst mit künstlich Ölverunreinigten ausgewählten Bodentypen gearbeitet. Dieses Vorgehen bot sich an, da die Vielfalt der Bodenstrukturen und der Kontaminationen keine universell anwendbaren Behandlungsrezepte zuläßt. Die Entwicklung methodischer Ansätze in der Bodenreinigung ist auf diese Weise möglich. In der zweiten Phase wurden vermehrt andere künstlich und "natürlich" verunreinigte Böden untersucht, wobei die PAK im Vordergrund standen.

Bei der Entwicklung neuer bzw. modifizierter Verfahren zur Bodenreinigung sollen biologische Methoden eine zentrale Stellung einnehmen. Der Boden wird entweder direkt in Bioreaktoren behandelt oder nach einer chemischphysikalischen Vorbehandlung biologischen Abbauprozessen ausgesetzt.

Als chemisch-physikalisches Verfahren wird überkritisches Wasser eingesetzt, um hochmolekulare, biologisch nicht oder nur schwer abbaubare Stoffe soweit zu spalten, daß in einer nachgeschalteten biologischen Behandlung ein rascher und vollständiger Abbau möglich wird. Da dieses Verfahren vor allem bei hochkonzentrierten Kontaminationen sinnvoll erscheint, werden diese stark verunreinigten Bodenfraktionen zuvor mit mechanischen Aufbereitungsmethoden abgetrennt. Für Feinststoffe wird die Anwendung von Flotationsverfahren untersucht.

Bei all diesen Projekten geht es primär um die Aufklärung und Beschreibung der Mechanismen, die zu einem Reinigungsergebnis führen bzw. dieses einschränken. Von Interesse sind insbesondere folgende Mechanismen:


Die Untersuchung der biologischen Bodenreinigungsprozesse erfordert eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Mikroflora. Dazu sind Maßnahmen zur Verstärkung der vorhandenen biologischen Abbauprozesse sowie mikrobiologisches Screening in Verbindung mit Techniken der Stammentwicklung erforderlich.

Die verfahrenstechnischen und bewertungsorientierten Untersuchungen erfolgen in Kooperation mit den naturwissenschaftlichen Projekten zur Bodenchemie und Bodenphysik sowie der chemischen Analytik. Die Projekte bewerten die Ergebnisse und erarbeiten Entscheidungskriterien für die Planung und Durchführung der hier eingesetzten Techniken.

5. Forschungskonzept des Sonderforschungsbereiches

Im Laufe des fast sechsjährigen Bestehens des Sonderforschungsbereiches haben sich neue Arbeitsschwerpunkte ergeben. Insgesamt gesehen entwickeln sich sowohl die Teilprojekte als auch der gesamte SFB hin zu stärkerem Praxisbezug. Dieser erfolgt zum einen verfahrenstechnisch durch scaling-up, zum anderen durch die geplante interdisziplinäre Arbeit am Beispiel der realen, gemischt kontaminierten Altlast Lübeck-Herrenwyk. Hierbei handelt es sich um eine ehemalige Metallhütte, um die sich weitere Verarbeitungsbetriebe, wie z.B. eine Kokerei, gruppiert haben; darüber hinaus wurden Produktionsrückstände direkt auf der Fläche abgelagert. Neben Schwermetallkontaminationen sind organische Verunreinigungen von Boden und Grundwasser mit Mineralölen, chlorierten Kohlenwasserstoffen, PAK und Cyaniden anzutreffen. Eine Kooperation mit den zuständigen Einrichtungen (Land, Stadt, Ingenieurbüros) ist bereits vereinbart.

Zum ersten Mal sind im SFB Untersuchungen zur Reinigung von schwermetallbelasteten Böden vorgesehen (TP A5 und A8). Untersucht werden soll die Anwendbarkeit einer mechanischen Vorkonzentration der schwermetallhaltigen Fraktion durch Korngrößenklassierung und Partikelflotation. Anschließend sollen die Schwermetalle durch ein neues, ökologisch verträgliches Verfahren, bestehend aus Extraktion mit organischen Säuren sowie Elektrolyse und Schaumtrennung aus dem Boden entfernt und zurückgewonnen werden.

Die Fragestellung des Verhaltens sowie der Wiederverwertung von behandelten Böden, der bereits bei der vorhergehenden Begutachtung große Bedeutung beigemessen wurde, ist bisher ausschließlich durch die Weiterentwicklung biologischer Testverfahren bearbeitet worden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen weisen auf die Möglichkeiten und Grenzen dieser Verfahren hin. Deshalb sollen letztere in der laufenden Antragsphase um chemisch/physikalische Behandlungsschritte erweitert werden. Hierdurch wird diese Thematik zu einem Schwerpunktthema innerhalb des SFB. Eine chemischphysikalische Behandlung vor einer biologischen ist bereits Industrieabwasserbehandlung bekannt und stellt im Vergleich zu ihrer Alternative, einer thermische Behandlung, eine energiesparende und damit zukunftsweisende Verfahrensweise dar.

Als neues, vielversprechendes Verfahren im Rahmen des SFB ist die biologische Behandlung von organischen Kontaminationen unter extrem thermophilen Bedingungen (>= 65°C) anzusehen (TP B6).

Neben der Bearbeitung der geschilderten neuen Arbeitsrichtungen besteht die Notwendigkeit, bereits bestehende Fragestellungen vertiefend zu behandeln, um auf den bereits vorliegenden Zwischenergebnissen aufbauend zufriedenstellende, abschliessende Aussagen treffen zu können. Ein Schwerpunkt besteht dabei in der Aufklärung der Strukturen sowie des Verhaltens von nicht bioverfügbaren und damit nicht abbaubaren Substanzen, den "bound residues".

Die bewährte Struktur des SFB wurde im wesentlichen nicht verändert. Die neuen Teilprojekte wurden in die vorhandene Struktur des SFB integriert.

  • Struktur des SFB 188

    6. Übersicht über die einzelnen Teilprojekte

  • Übersicht über die einzelnen Teilprojekte

    7. Kurzfassungen der Teilprojekte

  • Projektbereich A - Chemisch-Physikalische Verfahrensentwicklung
  • Projektbereich B - Biologische Verfahrensentwicklung
  • Projektbereich C - Grundlagen und Bewertungskriterien für Verfahren
  • Projektbereich D - Naturwissenschaftliche Grundlagen zur Verfahrensentwicklung

    8. Verwendete Böden und Ölkontaminationen

    Es wurde zunächst mit einer geringen Zahl ausgewählter Bodentypen gearbeitet, deren Horizonte sich vor allem in der Korngrößenverteilung, im Anteil an organischer Substanz sowie im Gehalt an pedogenen Eisenoxiden unterscheiden. Im einzelnen lassen sich die verschiedenen Bodenproben wie folgt charakterisieren:

    Die Verwendung eines Modellöles als Bodenkontamination bot sich an, weil Ölkontaminationen einen in der Praxis häufig anzutreffenden Fall darstellen. Die biologische Abbaubarkeit der wichtigsten Hauptkomponenten ist gewährleistet, so daß Grundlagen für Reinigungsverfahren entwickelt werden können. Andererseits enthalten Öle Minor-Komponenten, welche schwer oder gar nicht (nach dem aktuellen Kenntnisstand) abgebaut werden, wodurch eine chemisch-physikalische Vorbehandlung bzw. die Anzucht von Spezialisten in biologischen Verfahren erforderlich wird.

    Typische Bodenbelastungen liegen zwischen 0,5 und 1,5 Gew.-% Mineralöl. Der Sonderforschungsbereich arbeitet deshalb zunächst mit 1%-igen Dieselkraftstoff- und Schmierölkontaminationen.

    Als Modellöl dient einerseits ein realer Dieselkraftstoff, ein Schmieröl und andererseits ein synthetisches Gemisch von 8 ausgewählten Ölkomponenten, welche die wichtigsten Ölinhaltsstoffe proportional repräsentieren. Letzteres Gemisch bietet Vorteile bei der detaillierten Beobachtung des Einzelstoffabbaues und der analytischen Erfassung der Abbauprodukte.

    Für einige Projekte ist die Untersuchung der problematischen Spurenstoffe im Öl von besonderem Interesse, so daß diese verstärkt mit Schmieröl arbeiten werden.

    Real kontaminierte Böden wurden bereits zu Beginn der Forschungsarbeiten von den Projekten eingesetzt, deren Forschungsinhalte die Untersuchung der Inhomogenitäten des Bodenaufbaus und das Aufbrechen von Bindungen zwischen den Schadstoffen und den Bodenpartikeln sind (Mechanische Verfahren). Für die Untersuchung der Adaption der Mikroflora in kontaminierten Standorten ist ebenfalls die Verwendung real kontaminierten Bodens notwendig. In der laufenden Antragsphase wird verstärkt mit PAK und z.T. chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) als Bodenkontaminationen gearbeitet. Aber auch Schwermetallkontaminationen wurden in das Untersuchungsprogramm mit aufgenommen.

    9. Wissenschaftliche Entwicklung des Sonderforschungsbereichs

    In der 2. Bewilligungsphase sind eine Vielzahl von Ergebnissen erzielt worden, die im folgenden Bericht beschrieben werden. Drei Bereiche sind besonders hervorzuheben:

    Dieses sind wesentliche Themenkomplexe, die interdisziplinär bearbeitet worden sind. Die Ergebnisse dieser und anderer im SFB 188 behandelten Fragestellungen haben z.T. einen direkten Bezug zur Praxis. So sind Testverfahren entwickelt worden, die vor bzw. nach jedem praktischen Sanierungsfall angewandt werden sollten. Die positive Auswirkung der Zugabe von schadstoffarmem Biokompost hat ebenfalls eine hohe Praxisrelevanz. Ähnliches gilt auch für die Entwicklung von Expertensystemen.

    Diese Beispiele verdeutlichen die überaus positive Entwicklung des SFB 188 in der zweiten Antragsphase, diese soll in der dritten fortgesetzt werden.

    10. Theoretische und methodische Zusammenhänge

    Die Projektbereiche A und B bilden den Kern des Sonderforschungsbereiches. Hier werden die Grundlagen für die verschiedenen Reinigungsverfahren erarbeitet.

    Im Projektbereich A werden Forschungsvorhaben zusammengefaßt, die sich mit konkreten Verfahrensschritten zur Sanierung stark kontaminierter Böden befassen. In den beantragten Forschungsprojekten sollen mechanische, physikochemische, biologische und biotechnische Grundlagen bearbeitet werden, die langfristig zu effektiven und kostengünstigen Verfahren für die Reinigung hochbelasteter Böden führen sollen. Gegenüber den beiden ersten Antragsphasen wird der Untersuchungsbereich hinsichtlich der bearbeiteten Böden, der Kontaminationen und der konkreten Verfahrensschritte erweitert. Die Teilprojekte des Projektbereiches A werden in vielfältiger Weise wie bisher mit den anderen Projektbereichen kooperieren. Dies gilt in erster Linie für die meßtechnisch orientierten Arbeitsgruppen, da erst durch eine angepaßte Analytik die bearbeiteten Verfahrensschritte beurteilt und die erreichten Ergebnisse quantifiziert werden können. Aber auch die Arbeitsgruppen, die sich mit den Eigenschaften der Böden vor und nach der Behandlung befassen, werden ständig in die Projektbearbeitung eingeschaltet sein.

    Die in der zweiten Antragsphase durchgeführten Untersuchungen zur direkten biologischen Bodenreinigung sowie zur Analytik der Ausgangskontaminanten und der während der biologischen Behandlung entstehenden Metaboliten werden auf komplexere Systeme mehrere nebeneinander vorliegende Schadstoffklassen, reale Mischkontaminationen ausgedehnt. Als ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt sollen die Wechselwirkungen im HumusSchadstoffKomplex näher aufgeklärt werden. Hier stehen die Wirkungsweise der häufig zur biologischen Reinigung zugeschlagenen Kompostmaterialien sowie die Mechanismen des während der Humifizierungsprozesse erfolgenden Schadstoffeinbaus im Vordergrund. Insbesondere werden wichtige Erkenntnisse aus im SFB 188 fortan durchgeführten kernresonanzspektroskopischen Untersuchungen erwartet. In dem neuen Teilprojekt B6 werden erstmals thermophile Mikroorganismen auf ihre Fähigkeit zum Abbau organischer Schadstoffe hin charakterisiert. Im folgenden sind die Vorhaben der einzelnen Teilprojekte kurz dargestellt. Wie bereits in den vorherigen Antragsphasen ergänzen sich die in Projektbereich B geplanten Arbeiten in vielen Aspekten mit denen der in den Bereichen A, C und D angesiedelten Teilprojekte. So werden u.a. Prozeßabwässer und schadstoffangereicherte Fraktionen der verfahrenstechnischen Arbeitsbereiche in Projekten des Bereichs B weiterbehandelt und in einer umfassenden Kooperation der analytischen Teilprojekte synergistische und antagonistische Wechselwirkungen nebeneinander vorliegender Schadstoffklassen beschrieben. Weiterhin kommt eine große Bedeutung der gemeinsamen Strukturaufklärung der Bindungsverhältnisse im System Humus-Schadstoff zu. Hier stehen nähere Untersuchungen zur Wirkungsweise der Kompostmaterialien (B3), Experimente mit 13C- und 14C-markierten Verbindungen (B1, D6) sowie dazu notwendige Messungen mittels Hochauflösungs- (D5) und Festkörper-NMR (B4) im Blickpunkt. Diese Gemeinschaftsvorhaben sollen nur als exemplarische Darstellung dienen, die weiteren geplanten Kooperationen sind in den Einzelanträgen der Teilprojekte aufgeführt.

    Die Teilprojekte des Bereiches C verfolgen das Ziel, Entscheidungskriterien für Verfahren zu entwerfen, Ergebnisse der Verfahren zu bewerten und Möglichkeiten und Grenzen der Bodenreinigungsverfahren abzuleiten. Arbeitsschwerpunkte im Teilprojekt C1 sind die Untersuchung der ökologischen Wirkung von Kontaminationen auf Bodenorganismen, um daraus standardisierte Bewertungen für die Praxis abzuleiten, im Teilprojekt C3 das Verhalten dieser Substanzen und ihrer Abbauprodukte in tieferliegenden Bodenschichten und im Teilprojekt C6 die Abwägung von Sanierungszielen und techniken innerhalb regionalplanerischer und städtebaulicher Konzepte.

    Die Forschungsschwerpunkte der Teilprojekte D4, D5 und D6 sind vorwiegend organischanalytisch orientiert, während in D7 die Bearbeitung bodenkundlicher Probleme im Vordergrund steht. Unabhängig davon, daß die im Bereich D zusammengefaßten Vorhaben die mit der Verfahrensentwicklung befaßten Untersuchungen aus den Bereichen A - C begleiten und mit den entsprechenden Teilprojekten eng kooperieren, liefern sie eigenständige Beiträge zur Methodenentwicklung und zur Charakterisierung sanierungsrelevanter Leitparameter. Während in D4 schnelle, zuverlässige Analysenverfahren zur Erfassung organischer Substanzen entwickelt werden, stehen in D5 mikroanalytische Ansätze und die Strukturaufklärung unbekannter Substanzen (Kontaminanten und Metabolite) im Mittelpunkt. In D6 wird die besonders wichtige Thematik der Festlegung von Schadstoffen in der Humusmatrix (bound residue Problematik) bearbeitet. Im Bereich der Analytik ist D6 mit D5 verzahnt; im Hinblick auf die Frage nach der Remobilisierung von Schadstoffen ergeben sich enge Beziehungen zu D7, wo die Untersuchung dieser Thematik im Vordergrund steht. Ferner bearbeitet D5 die elektrochemische Dehalogenierung chlorierter aromatischer Verbindungen und strebt in Kooperation mit A1 Verfahrensreife an.

    11. Entwicklung der Kooperation im Sonderforschungsbereich

    Die intensive Kooperation der projektdurchführenden Wissenschaftler hatte schon in der ersten Bewilligungsphase einen hohen Stellenwert. Diese Zusammenarbeit wurde aufgrund folgender Instrumente besonders gefördert:

    Die Arbeitsgruppen sind die Keimzellen für die intensive Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Teilprojekten; jeder Wissenschaftler war in mindestens einer Arbeitsgruppe vertreten (die meisten in mehreren), so daß häufiger Kontakt im 2-3-Monatsrhythmus stattfand. Die Ergebnisse dieser Gruppenarbeit sind dokumentiert und somit nachvollziehbar. Durch die intensiven Diskussionen ergaben sich dann die oben genannten Teilprojektkooperationen. Informationsaustausch und Auseinandersetzung mit Forschungsergebnissen erfolgte auch auf den Plenarsitzungen, an denen die Projektleiter und -bearbeiter gemeinsam teilnahmen. Darüber hinaus wurden die jeweils eigenen Forschungsergebnisse auch außerhalb des SFB diskutiert. Diese Diskussionen fanden sowohl im Rahmen der Freitagseminare als auch in größerem Rahmen auf nationalen und internationalen Tagungen statt. Neben der Kooperation innerhalb des SFB haben Teilprojekte auch mit Instituten außerhalb des SFB zusammengearbeitet. Als eine solche Kooperation ist das Graduiertenkolleg Biotechnologie zu nennen, in dem es auch um die Entsorgung von Bioprodukten mit Zellen oder Enzymen in Bioreaktoren geht.


  • Wissenschaftliche MitarbeiterInnen des SFB 188

    Veröffentlichungen des SFB 188


    Informationen:
    Prof. Dr.-Ing. R. Stegmann
    Technische Universität Hamburg-Harburg
    Arbeitsbereich Abfallwirtschaft und Stadttechnik 1-04
    Harburger Schloßstr. 37
    21079 HAMBURG
    Telefon: 040 42878 3054
    Telefax: 040 42878 2375
    E-Mail: Stegmann@tu-harburg.de