Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG

Sonderforschungsbereich SFB 188


7. Kurzfassungen der Teilprojekte

7.1 Projektbereich A: Chemisch-Physikalische Verfahrensentwicklung


Teilprojekt A1 (Prof. Brunner)

Hydrolytische und thermische Spaltung organischer Verunreinigungen kontaminierter Böden mit überkritischem Wasser zur Erzeugung biologisch abbaubarer Produkte

Keywords: Überkritisches Wasser (T > 374 Grad C, p > 22,1 MPa), Elektrolyse

Überkritisches Wasser (TC = 374 Grad C, pC = 22,1 MPa) ist ein ausgezeichnetes Lösungsmittel für organische Kontaminationen aus Böden. Hochfeinkornhaltige Bodenmaterialien mit auch zum Teil stark gealterten Kontaminationen können aufgrund der vollständigen Löslichkeit der Kohlenwasserstoffe im Wasser gereinigt werden (z.B. CND 36, T = 380 Grad C, p = 25 MPa, Extraktionsgrad: 116% bezogen auf Soxhletextraktion mit Cyclohexan/Aceton). Nach der Extraktion wird eine verbesserte biologische Abbaubarkeit festgestellt; der vollständige Abbau der Schadstoffe kann jedoch erst durch die Behandlung der Prozeßwässer mit/in überkritischem Wasser erreicht werden. Durch die Zugabe von Sauerstoff ist der Totalabbau der Kohlenwasserstoffe zu CO2 und H2O bei geeigneter Wahl der Prozeßparameter möglich (z.B. CND 36 Prozeßwasser, T = 400 Grad C, p = 25 MPa, Umsatzgrad: 99,9 %).

Bisher wurde die Trennung von Kontamination und Bodenmaterial in einem Festbettextraktor bei kontinuierlicher Wasserförderung durchgeführt. In der laufenden Antragsphase soll der Feststoff kontinuierlich mit einem Massendurchsatz von zunächst 0,1 kgTS/h als Suspension gefördert werden. Nach der Lösung verfahrenstechnischer Probleme soll basierend auf den Erkenntnissen der Festbettextraktion der Extraktionsgrad in Abhängigkeit verschiedener Einflußfaktoren wie den Zustandsbedingungen, der Feststoffmassenkonzentration und der Strömungsgeschwindigkeit untersucht werden.

In einem zweiten Arbeitsschwerpunkt soll der Sauerstoff für die Reaktion durch In-Line Elektrolyse bereitgestellt werden. Die Elektrolyse soll unter Hochdruck bei 2225 MPa durchgeführt werden und bis zu Temperaturen von 350 Grad C einsetzbar sein. Dazu soll ein Feststoffelektrolyt aus ZrO2/Y2O3 verwendet werden, der zudem die Trennung der Produktgase H2 und O2 bewirkt. Nach Erprobung der Elektrolyse ist die Integration in den Extraktions/Reaktionsprozeß vorgesehen. Dabei muß der Reaktionsmechanismus der Kohlenwasserstoffe an den Elektroden der Zelle untersucht werden.

Teilprojekt A3 (Prof. Sekoulov)

Ozonisierung abgetrennter Feinkornfraktionen sowie wäßriger Extrakte aus kontaminierten Böden

Keywords:chemische Oxidation, Ozon, Feinkornfraktion, Sprühreaktor

Bei der Wäsche (Klassierung), aber auch bei der Flotation kontaminierter Böden fallen Feinkornfraktionen an, die in der Regel sehr hoch mit Schadstoffen belastet sind. In diesem Projekt soll versucht werden, derartige aus kontaminierten Böden abgetrennte Feinkornfraktionen mit Hilfe von Ozon bzw. Ozon/Wasserstoffperoxid von organischen Kontaminanten zu befreien und somit nicht als Sondermüll zu entsorgen.

Dazu sollen aus kontaminierten Böden abgetrennte, in Wasser bzw. in einer wäßrigen Wasserstoffperoxid-Lösung suspendierte Feinkornfraktionen mittels einer Düse in eine Ozon-Atmosphäre dispergiert werden. Für diesen Sprühreaktor sollen volumetrische Stoffübergangskoeffizienten für reinen Sauerstoff und für Ozon ermittelt werden, wobei der Einfluß der Partikelkonzentration untersucht werden soll.

Der Abbau der organischen Kontamination soll durch Glühverlust-Messungen und durch Einzelstoff-Messungen in organischen Extrakten (in Anlehnung an die im SFB bisher erarbeiteten Extraktionsmethoden) der Feinkornfraktion quantifiziert werden. Außerdem soll in Sapromat-Versuchen an suspendierten Feinkornfraktionen vor und nach der Ozonisierung untersucht werden, ob die organischen Kontaminanten durch die chemische Oxidation einem biologischen Abbau zugänglich gemacht werden können.

In zusätzlichen Experimenten soll geklärt werden, ob eine biologische Vorbehandlung der Feinkornfraktion zu einem sparsameren Einsatz von Ozon bei glei- chem Reinigungsergebnis der chemischoxidativen Behandlung führt. Mit Ozon/Wasserstoffperoxid nicht vollständig oxidierte Bodenmaterialien werden an die Teilprojekte B3 und B6 weitergegeben, wo ermittelt wird, ob diese chemische Mo- difikation einen Einfluß auf die Mietensanierung bzw. auf die thermophile biologische Behandlung des Bodens hat. In Kooperationen mit dem Teilprojekt A8 wird außerdem untersucht, ob es günstiger ist, von organisch/anorganisch mischkontaminierten Feinkornfraktionen zuerst die organischen Substanzen oder zuerst die Schwermetalle zu entfernen.

Auch aus wäßrigen Phasen, die bei der Wäsche und bei der Extraktion kontaminierter Böden anfallen, werden organische Schadstoffe im Ozon-Sprühreaktor eliminiert.


Teilprojekt A5 (Prof. Werther)

Aufbereitungsverfahren für schwermetallkontaminierte Böden

Keywords: Bodenwäsche, Flotation, Schwermetalle

In der ersten Projektphase wurden die Grundlagen von Verfahren zur Wäsche mineralölkontaminierter Böden untersucht. Die verfahrenstechnische Charakterisierung dieser Böden zeigte, daß die Kontaminationen überwiegend im Feinkornbereich akkumuliert und an den Oberflächen der Bodenpartikeln angelagert sind.

In einer Laborversuchsanlage zur Wäsche kontaminierter Böden mit Hochdruckwasserstrahlen wurden die Dispergierung des Bodenmaterials, die korngrößenabhängige Reinigungswirkung sowie verschiedene Klassierverfahren (Siebung, Aufstrom- und Hydrozyklonklassierung) untersucht.

Es konnte gezeigt werden, daß sich mineralölkontaminierte Böden durch die Abtragung oberflächlich anhaftender Schadstoffschichten und durch Abtrennung der hochbelasteten Feinkornfraktion reinigen lassen.

Um das Verfahren auch für Böden mit hohem Feinkornanteil einsetzen zu können, wurde in der zweiten Projektphase die Flotation zur weitergehenden Aufbereitung der Feinkornfraktion untersucht. Dazu wurde im halbtechnischen Maßstab die Druckentspannungsflotation mit der pneumatischen Flotation verglichen. Es hat sich gezeigt, daß die pneumatische Flotation im Hinblick auf das Reinigungsergebnis wesentlich geeigneter ist und über die Schaumhöhe eine apparative Möglichkeit der Betriebseinstellung gegeben ist.

Als Schäumer erwiesen sich spezielle Fettalkohol/Kohlenwasserstoff-Gemische, als Sammler ein sulfogruppenhaltiges Produkt als geeignet. Bei höherer Belastung des Bodens kann aufgrund der hydrophobierenden Eigenschaften der Mineralöle auf die Verwendung von Sammlern verzichtet werden. Die beste Selektivität der Trennung ergab sich bei pH-Werten zwischen 2 und 4.

In der laufenden Projektphase sollen die Grundlagen für die Aufbereitung schwermetallbelasteter Böden untersucht werden. Durch die Ermittlung der Korngrößenverteilung, der Verteilung der Schadstoffe auf die Korngrößen- und Dichtefraktionen, der Vergesellschaftung mit der Organik und anderen Bodenbestandteilen sowie der chemischen Bindungsformen der Schwermetalle soll das Material verfahrenstechnisch und chemisch charakterisiert werden. Mit den dabei gewonnenen Erkenntnissen soll die Aufbereitung des Materials durch Naßaufschluß, mehrstufige Klassierung, Dichtesortierung und Flotation untersucht werden. Schwerpunkt der Arbeiten wird im Naßaufschluß und der Flotation liegen.

Teilprojekt A8 (Prof. Calmano)

Charakterisierung der Schwermetallbindungsformen und Reinigung metallkontaminierter Böden mittels Säureextraktion, Elektrolyse und Ionenflotation

Keywords: Umweltchemie, Schwermetallanalytik, Elektrochemie, Verfahrenstechnik

Im vorliegenden Teilprojekt A8 soll ein neues, ökologisch verträgliches Verfahrenskonzept zur Entfernung und Rückgewinnung von Schwermetallen aus Altlasten entwickelt werden. Bestehend aus den Verfahrensschritten der Extraktion mit organischen Säuren, der Elektrolyse und einem Schaumtrennungsverfahren wie der Ionenflotation, schließt es die Behandlung der anfallenden Abwässer/Extrakte mit ein. Grundlegend für eine verfahrenstechnischchemische Charakterisierung der Altlasten hinsichtlich ihrer Behandlung mit den oben genannten Verfahren ist die Aufklärung der Bindungsformen der vorliegenden Schwermetalle. Dazu sollen phasenspezifische sequentielle Extraktionen sowie röntgendiffraktometrische und rasterelektronenmikroskopische Analysen durchgeführt werden. Diese Untersuchungen dienen einerseits als Grundlage für die Arbeiten der Teilprojekte A1 (hydrolytische und thermische Spaltung), A3 (chemische Oxidation durch Ozonisierung), A5 (mechanischphysikalische Aufbereitung), B3 (biologische Reinigung), B4 (Wirkungen von Schadstoffen aus Mischkontaminationen auf den Mineralölabbau) und B5 (Abbau chlorierter Kohlenwasserstoffe in Böden). Andererseits geben sie, zusammen mit den Ergebnissen der Teilprojekte B4, C1 (ökotoxikologische Bewertung mittels Biotests), C6 (Richtlinien für den Umgang mit kontaminierten Standorten) und D7 (Veränderungen in Böden durch die biologische Reinigung) Hinweise für die Anwendbarkeit, Modifizierung und Kombination oben genannter Verfahren. Größter Wert wird bei der Verfahrensentwicklung auf die Verwendung umweltverträglicher Trennhilfsmittel, die Vermeidung von problematischen Reststoffen, die Entfernung der Schwermetalle aus dem ökosystem und deren Rückgewinnung sowie die Möglichkeit einer einfachen Renaturierung der gereinigten Bodenmaterialien gelegt.

Die saure Extraktion soll in Zusammenarbeit mit Teilprojekt A5 vergleichend zum einen direkt nach einer mechanischen Korngrößenfraktionierung und zum anderen nach einer vorangegangenen Bodenwäsche und Aufkonzentration durchgeführt werden. Es sollen die Grundlagen für die Auslaugbarkeit von Schwermetallen aus verschiedenen Böden durch Variation von Parametern wie z. B. Art der Säure, deren Konzentration und dem Feststoff/Flüssigkeits-Verhältnis erarbeitet werden. Die hochkonzentrierten Eluate werden im Sauren (ohne Anhebung des pH-Wertes) zur Abscheidung gelöster Schwermetalle einer Elektrolyse unterzogen und bis zu einer Grenzkonzentration abgeschieden, unterhalb derer eine weitere elektrolytische Schwermetallabreicherung ökonomisch bzw. technisch nicht mehr sinnvoll ist. Ebenfalls im sauren Milieu sollen die verbleibenden Restkonzentrationen an Schwermetallen mit Hilfe eines Schaumtrennungsverfahrens wie der Ionenflotation aufkonzentriert und abgeschieden werden. Dabei werden verschiedene Komplexbildner und oberflächenaktive Stoffe in Abhängigkeit von relevanten Betriebsparametern getestet. Vergleichend zur Schaumtrennung soll auch die Ultrafiltration eingesetzt werden, z. B. zur Abtrennung von Kolloiden oder Niederschlägen.

Der Einsatz biologisch abbaubarer, organischer Säuren anstelle von Mineralsäuren einerseits und der weitestgehende Verzicht auf eine Anhebung des pH-Wertes andererseits haben die Vermeidung des Eintrags von Neutralsalzen in den Abwasserreststrom und eine wesentliche Reduzierung der Erzeugung von Abfall-Schwermetallsalzgemischen zum Ziel.


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