In den ersten beiden Förderphasen sind eine Reihe von Vorschlägen
erarbeitet worden, wie der mineralisierende Abbau von PAK im künstlich
kontaminierten Modellboden entweder durch Aktivierung der autochthonen Mikroflora,
durch Zugabe von laborgezüchteten Spezialkulturen, Kompost oder
WeißfäulepilzStrohsubstrat stimuliert werden kann. Außerdem konnte
mit Hilfe von RadiotracerExperimenten nachgewiesen werden, daß nur ein Teil
der im Boden verbliebenen PAKMenge wieder extrahierbar ist und somit das Verschwinden von PAK im Boden zum Teil auch auf einer, zumindest mit organischen
Lösemitteln irreversiblen Festlegung im Boden beruhen muß
(PAK-Humifizierung; Abb. 1).
Ein bisher im Zuge der Untersuchungen noch ungelöst gebliebenes Problem ist
die Tatsache, daß a) PAK mit mehr als 4 anellierten Ringsystemen (hmw PAK)
ohne spezielle Behandlung im Boden vermutlich auf Grund ihrer zu geringen Wasserlöslichkeit nur unvollständig oder gar nicht abbaubar sind und daß b)
unter Umständen auch ein Teil der einer biologischen Transformation
grundsätzlich zugänglichen PAKFraktion (PAK mit 24 Ringsystemen)
über die irreversible Festlegung hinaus auch durch Sorption einem mikrobiellen
Abbau entzogen werden können. Die PAK bleiben in diesem Fall organisch
extrahierbar, sind aber für die Bakterien über die Wasserphase nicht mehr
oder nur sehr langsam verfügbar (Abb. 1). Das Problem der geringen
Bioverfügbarkeit als limitierender Faktor des mikrobiellen Abbaus von PAK im
Boden soll in der 3. Antragsphase in zwei Richtungen weiterbearbeitet werden:
1. Es soll versucht werden, die in der ersten Behandlungsstufe zurückbleibenden
sorbierten oder hmw PAK (PAKRestplateau) durch nachgeschalteten Einsatz gut abbaubarer Pflanzenöle von der Bodenmatrix zu desorbieren und so einem
biologischen Abbau zugänglich zu machen. Der Boden soll anschließend
z.B. durch Einsatz von Kompost biologisch regeneriert werden.
2. Der schon in der letzten Antragsphase begonnene Versuch im Boden sorbierte PAK
in der Huminstoffmatrix selbst ("in situ") dauerhaft zu immobilisieren und
einzubinden (kontrollierte Humifizierung) soll fortgeführt und optimiert werden.
Dazu sollen in der dritten Förderphase in Kooperation mit anderen Teilprojekten
die Grundlagen dieser Vorgänge weiter untersucht und soweit aufgeklärt
werden, daß eine noch gezieltere und effizientere Einbindung der PAK in die
Humusmatrix möglich wird.
Darüber hinaus sollen in der dritten Antragsphase nachdem in den
vorangegangenen beiden Förderphasen vor allem Untersuchungen zum Abbau
einzelner PAKModellverbindungen in künstlich kontaminierten Modellböden
im Vordergrund der Arbeit gestanden haben nun durchgängig reale
Altlastproben in die Untersuchungen einbezogen werden. Dadurch soll geklärt
werden, a) inwieweit und unter welchen Bedingungen die bisher identifizierten
biologischen Abbauwege und Abbaumechanismen auch in einer komplexen
Schadstoffmatrix wie z.B. Teeröl in einem realen Altlastboden relevant sind und
b) ob und wie die Befunde zur Optimierung biologischer Reinigungsverfahren dienen
können.
Für Untersuchungen zur Optimierung und Bilanzierung des mikrobiellen
Schadstoffumsatzes wurden unterschiedliche Testsysteme und Laborreaktoren
(statisch und dynamisch) eingesetzt. Die in der ersten Antragsphase verwendeten
Reaktorsysteme (Festbett und SchaufelmischerReaktor) zum mikrobiologischen Abbau
organischer Schadstoffe wurden sowohl bezüglich der Milieubedingungen (z.B.
Sauerstoffzufuhr, Wassergehalt des Bodens, Temperatur) als auch bzgl.
verfahrenstechnischer Parameter (Drehzahl, Mischhäufigkeit) optimiert. Somit
konnten in den Mischreaktoren die Pelletbildung vermindert, die lagPhase
verkürzt und die Abbauleistung erhöht werden. Dennoch werden
Mischreaktoren für die biologische Reinigung "trockener"
Bodenmaterialien (Wassergehalt des Bodenmaterials < maximalen
Wasserhaltekapazität des Materials) nur für spezielle Einsatzbereiche
empfohlen. Einerseits ist die Pelletbildung, die zur Senkung der mikrobiellen
Aktivität und damit der Schadstoffumsetzung führt, nur schwer vermeidbar,
andererseits sind die höheren Kosten (Investition und Betriebskosten)
gegenüber einer kontrollierten Mietenbehandlung nicht durch den zeitweise
verbesserten Schadstoffumsatz gerechtfertigt.
Die Behandlung stark bindiger kontaminierter Böden ist in Mieten nur bedingt möglich. Hier geht der Entwicklungstrend in Richtung slurryBehandlung, bei der das Bodenmaterial in Wasser suspendiert und dann biologisch behandelt wird. Diese Behandlungsart weist eine Reihe von Vorteilen auf:
Ferner soll die Wirkungsweise und Reaktionskinetik der verwendeten Komposte
näher erforscht werden.
Um die Bioverfügbarkeit der organischen Schadstoffe zu erhöhen und
damit eine Effektivitätssteigerung der biologischen Bodenbehandlung zu
erreichen, werden neue Techniken zur chemischphysikalischen und thermischen
Vorbehandlung eingesetzt.
Organische Kontaminationen unterliegen im Boden einer Vielzahl von mit
unterschiedlicher Geschwindigkeit ablaufenden Abbau und Verteilungsprozessen.
Neben der erwünschten vollständigen Mineralisierung sind weitere
mögliche Vorgänge wie die Sorption der Schadstoffe an die organische
oder die anorganische Bodenmatrix, photolytische Reaktionen und die
vorübergehende oder ggf. endgültige Akkumulation von Metaboliten des
mikrobiellen Abbaus zu berücksichtigen. Verfahren der biologischen
Bodenreinigung bedürfen daher einer eingehenden chemischanalytischen
Bewertung auf molekularer Ebene. Anschließend an die Erfassung der
Ausgangssituation, insbesondere der toxikologisch und/oder wegen ihrer
Abbauresistenz relevanten Schadstoffklassen, ist während der gesamten
technologischen Behandlung der Verbleib der Kontamination zu untersuchen.
Die bisherigen Erfahrungen zum Abbauverhalten von Mineralölbestandteilen und
zur Metabolitenbildung in Böden werden in Untersuchungen an komplexeren
Mischkontaminationen erweitert. In mit Mineralölkohlenwasserstoffen und
weiteren Schadstoffklassen (Schwermetalle, chlororganische Verbindungen,
heterocyclische aromatische Verbindungen, Nsubstituierte Aromaten) kontaminierten
Böden sollen die synergistischen und antagonistischen Wirkungen auf den
mikrobiellen Mineralölabbau aufgeklärt werden. Die Analytik der
Mineralölkontaminationen erfolgt mit den im Teilprojekt B4 entwickelten
Extraktions und Aufreinigungsmethoden und anschließender Identifizierung und
Quantifizierung mittels CGC-MSD, HRGC-ECD und HPLC-UV-DAD.
In einem zweiten Forschungsschwerpunkt werden durch regelmäßig
durchgeführte Untersuchungen an künstlichen und realen
Mischkontaminationen zeitliche Veränderungen in der Bioverfügbarkeit
organischer Schadstoffe (Alterungsvorgänge) verfolgt. Um das veränderliche Gefährdungspotential abschätzen zu können, werden die
Ergebnisse durch ökotoxikologische Tests des Teilprojektes C1
ergänzt.
Weitere Hinweise auf die mit dem organischen Kohlenstoffgehalt korrelierte
Bioverfügbarkeit werden mit kernresonanzspektroskopischen Methoden erwartet.
Zur Aufklärung von Struktur und Bindungsformen der in die Humusmatrix
eingebauten Minorkomponenten und ihrer Oxidationsprodukte wird im Teilprojekt B4
die 13C-Festkörper-NMR eingesetzt. Ergänzt um Untersuchungen zur
Wirkungsweise der Kompostmaterialien (B3), Experimente mit 13C und 14Cmarkierten
Verbindungen (B1, D6) sowie Messungen mittels Hochauflösungs-NMR (D5) soll
das System HumusSchadstoff näher beschrieben werden.
In der Literatur sind eine Reihe von Bakterien beschrieben, welche in der Lage sind
xenobiotische Stoffe in Flüssigkultur abzubauen. Diese Bakterien werden in
vielen Fällen zur Reinigung kontaminierter Böden eingesetzt. Dabei wird oft
vorausgesetzt, daß dieselben Abbauvorgänge wie in Flüssigkultur in
der gleichen Weise auch im Boden ablaufen. In dem vorliegenden Projekt wird daher
untersucht, inwieweit verschiedene Böden beziehungsweise Bodenfraktionen
einen Einfluß auf die Leistungen von Bakterien mit der Fähigkeit zum
Abbau chlorierter Verbindungen besitzen. Eine Reihe solcher Bakterien sind in
anderen Projekten isoliert und charakterisiert worden. In der ersten Phase des
Projektes wurde intensiv das Modellsystem Pseudomonas CBS 3 mit
4-Chlorbenzoesäure als Substrat untersucht.
Dazu wurden diese Bakterien in verschiedene Modellböden eingebracht und mit
Substrat versetzt. Der Einfluß verschiedener Parameter während der
Inkubation wie z.B. pH, Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoffgehalt, zusätzliche
Kohlenstoffquellen, Bodenart, Inokkulumsgröße, Bakterienspezies usw. auf
den Abbau wurde untersucht.
Der Vergleich des Abbaus im Boden mit den Ergebnissen in Flüssigkultur unter
verschiedenen Bedingungen ergab, daß in diesem System die Abbauleistung der
Organismen im Boden durch die Versuche mit Flüssigkulturen vorhergesagt
werden kann, und daß ein spezifischer Einfluß des Bodens auf die
Abbauleistung der eingesetzten Bakterien nicht gegeben war.
Im weiteren Verlauf dieses Projektes soll geklärt werden, inwieweit diese
Ergebnisse auf komplexere Systeme, wie sie in Altlasten häufig vorliegen,
übertragbar sind.
Durch dieses Projekt sollen grundlegende Erkenntnisse darüber gewonnen
werden, inwieweit Ergebnisse aus Versuchen mit Bakterien in Flüssigkulturen
auf die Verhältnisse in Boden übertragbar sind und welche
verfahrenstechnischen Bedingungen hierfür erfüllt sein müssen.
Bei höheren Temperaturen (60 - 90 Grad C) steigt die Löslichkeit und damit
die Bioverfügbarkeit von hydrophoben organischen Verbindungen in Wasser.
Eine Bodenreinigung bei höheren Temperaturen würde also schon rein
physikalisch einen Vorteil bringen. Hinzu kommt, daß verbesserte Diffusion bei
den höheren Temperaturen sowie eine geringere Viskosität und schnellerer
Stofftransport für einen Prozeß auf höherem Temperaturniveau
sprechen, wenn auch der Schadstoffabbau biologisch erfolgen soll.
In den vergangen Jahren wurden nun zunehmend Mikroorganismen bekannt, die in
dem genannten Temperaturbereich ihre optimalen Wachstumsbedingungen finden. Auf
Grund der Bedingungen, unter denen diese Mikroorganismen isoliert wurden, sind hier
interessante Abbauleistungen jedoch kaum zu finden. Daher wurde mit der eigenen
Isolierung von extrem thermophilen Mikroorganismen aus kontaminierten Standorten
begonnen. Benzoat, Phenol, Naphthalin und synthetisches Dieselöl konnten von
den Mikroorganismen als alleinige Kohlenstoff und Energiequelle genutzt werden. Das
Screening nach ölabbauenden Mikroorganismen wird fortgesetzt.
In enger Kooperation zwischen Mikrobiologen und Ingenieuren der Verfahrenstechnik
sollen nun Verfahren entwickelt werden, die extrem thermophile Mikroorganismen
für die Bodenreinigung nutzbar machen. Dabei können die innerhalb der
Gruppe bestehenden Erfahrungen mit thermophilen Mikroorganismen (Isolierung,
Suche nach speziellen Abbauleistungen, Enzymcharakterisierung),
Fermentationssystemen (hochdichte Kulturen), Abwasserreinigung (Biogasanlagen)
und auch erste Ergebnisse der Immobilisierung von thermophilen Mikroorganismen
genutzt werden. Auf dieser Basis aufbauend wird erwartet, daß die
vorgeschlagene Technik auf dem Gebiet der Bodenreinigung eine wichtige
Ergänzung zu bestehenden Techniken (Bodenwaschung) werden
könnte.