Im Teilprojekt C1 wurde ein ökotoxikologisches Bewertungskonzept für
Altlasten entwickelt, das sich aus drei Gruppen von Testmethoden zusammensetzt:
Einer direkten überprüfung des Bodens mit Biotests, Eluatuntersuchungen
mit aquatischen Biotests zur Erfassung der Grundwassergefährdung und einer
Beschreibung der Bodenbiozönose. Das wissenschaftlich begründete
Testschema soll in einer Anwendungsphase auf Praktikabilität geprüft
werden. Nach einer fortgesetzten Anwendung bei verschiedenen Sanierungen, kann
eine begründete Empfehlung für die Praxis angeboten werden. Einige der
von anderen Teilprojekten bislang identifizierten Metabolite werden auf Toxizität
und Gentoxizität in Bodenfraktionen charakterisiert. Zum einen wird so die
ökotoxikologische Bedeutung der Intermediärprodukte in den
Sanierungsverfahren beurteilt, zum anderen dienen die Stoffe zur Feststellung der
Sensitivität von neuentwickelten Biotestmethoden.
Durch die Entwicklung eines mikrobiellen Kontakttests für die integrierte
Erfassung gelöster und gebundener Schadstoffe konnte gezeigt werden,
daß eine Eluatuntersuchung zu einer Unterschätzung des toxischen
Potentials einer Bodenprobe führen kann. Die Konzipierung und
überprüfung von ScreeningBiotests zur Reihenuntersuchung von
Bodenmaterialien wird fortgeführt. Die Methode des mikrobiellen Kontakttests
soll auf einen neuen Test zur direkten Bestimmung der Gentoxizität über-
tragen werden. Diese KontaktBiotests, mit dem die biologische Antwort in einem mehr
den natürlichen Verhältnissen angenäherten, komplexen System
untersucht wird, können auch als ökologisch relevant gelten.
Die Wirkung von Schadstoffen in Böden zu verstehen, ist eine notwendige
Voraussetzung, um Effekte in der Natur vorhersagen zu können. Das Projekt hat
sich dieser Aufgabe bereits von Beginn an gewidmet und untersucht, ob
Sensitivität und Indikatorfunktion von Testorganismen im Labor eine
Stellvertreterfunktion für Biozönosen des Bodens besitzen. Ein Vergleich
von mikrobiologischen Summenparametern in kontaminiertem Bodenmaterial mit
Biotests zeigte eine relativ gute übereinstimmung zwischen beiden
Methodengruppen, so daß Bakterientoxizitätstests geeignet scheinen,
wesentliche Effekte wasserlöslicher Schadstoffe auf die autochthone
Bodenmikroflora zu repräsentieren. Die Indikatorfunktion der ScreeningBiotests,
mit Hilfe bakterieller Testsysteme die Veränderung ökologisch wichtiger
Funktionen in einem kontaminierten Boden vorauszusagen, wird in
Bodenmesokosmen evaluiert. Zu diesem Zweck wird Material aus ungestörten,
kontaminierten Bodensäulen mit Biotests und bezüglich der
Substratumsätze der Bodenmikroflora (Stickstoffkreislauf) untersucht. Eine
Korrelation der beiden Untersuchungsmethoden würde die Interpretation einer
Bodenkontamination mit schnellen Labortests, nicht nur nach toxikologischen, sondern
auch nach ökologischen Gesichtspunkten erlauben.
Wie sich in den vorangegangenen Untersuchungen gezeigt hat, können ionare
und polare Spurenstoffe als Modellsubstanzen für mikrobiell umgewandelte
unlpolare Schadstoffe dienen und werden selbst in mineralölkontaminierten
Bodenhorizonten aus der Ölphase an die Oberflächen der Bodenpartikel
und hier speziell der mineralischen sorbiert. Folgende Phänomene wurden
hierbei beobachtet und näher untersucht:
Hohe Affinität zu mineralischen Oberflächen haben Substanzen, die
benachbarte funktionelle Gruppen besitzen, sowie organische Kationen. Im Vergleich
zu einem Unterboden zeigen mineralische Modellkomponenten höhere
Sorptionskapazitäten. In diesen Matrices sind sie die eigentlichen Adsorbentien,
Sand fungiert als Verdünnungsmedium. Eine Abhängigkeit der Beladung
vom Kohlenstoffgehalt der untersuchten Feststoffe kann nicht bestätigt
werden.
Eine negative Abhängigkeit der Beladung vom pHWert insbesondere bei den
Sesquioxiden steht im Zusammenhang mit protonierten Oberflächen und der
damit verbundenen erhöhten Wechselwirkung mit Anionen. Die Sorption
organischer Anionen kann mit der Reduktion positiver Ladungen auf oxidischen
Oberflächen bzw. der Zunahme negativer Ladungen auf Tonmineralen mit
permanent negativer Ladung gekoppelt sein. Calciumionen reduzieren in der Regel die
Sorption, da sie und positive Ladungen auf Oberflächen um Anionen miteinander
konkurrieren.
Gleichgewichte stellen sich bei Partikeln kolloidaler Größe in der Regel in
wenigen Stunden ein. Größere Strukturen befinden sich allerdings
wesentlich länger im Ungleichgewicht. Diese Kinetik kann mit einem
Diffiusionsmodel beschrieben werden. Als Modell für die Isothermen kann das
nach Langmuir herangezogen werden.
Die Ergebnisse zeigen, daß auch in Böden mit geringen Gehalten an
organischer Substanz mit merkbaren Sorptionseffekten für polare Substanzen zu
rechnen ist.
Der Umgang mit kontaminierten, gereinigten und auch unbelasteten Böden
erfordert in der Raum und Umweltplanung die Integration von Wissensbereichen sehr
unterschiedlicher Fachdisziplinen, sowie die interdisziplinäre Entwicklung neuer
Methoden, um eine bodenschonende, standort und nutzungsgerechte Planung zu
gewährleisten. Das TP C6 hat zur Unterstützung der Planung in diesem
Handlungsfeld Methoden erarbeitet und Wissen aus verschiedenen Fachdisziplinen
für den Einsatz in der planerischen Praxis akquiriert:
Das entwickelte Modell zur Verfolgung von Stoff- und Substratströmen
baut ebenfalls auf den Parametern und Inhalten des Bodenverwendungskatalogs auf.
Es ermöglicht die Kalkulation von Substratbilanzen bezogen auf
Flächen und Nutzungstyp in Abhängigkeit von Substrateigenschaften. Die
konkrete Umsetzung des Modells in eine Art "Monitoring für
Substratströme" ist eines der wichtigsten Ziele des
Forschungsprojektes in zukünftigen Antragsphasen.
Die Ergebnisse der vorigen Förderphasen des Teilprojekts stellen wichtige
Handwerkszeuge zur Optimierung des Umgangs mit (de)kontaminierten Böden
und Standorten dar, die z.Zt. auch in Praxistests Verwendung finden. Zur Nutzung der
Ergebnisse in der Raum und Umweltplanung werden Handlungskonzepte aus der
Praxis in Form von methodischem Wissen verfügbar gemacht. Zentrale
Bedeutung kommt dabei der Weiterentwicklung von Umweltqualitätszielen zu,
die teilweise weiter entwickelt und teilweise im Einsatz in Ingenieurbüros
gemeinsam getestet werden.