Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG

Sonderforschungsbereich SFB 188


7. Kurzfassungen der Teilprojekte

7.4 Projektbereich D: Naturwissenschaftliche Grundlagen zur Verfahrensentwicklung


Teilprojekt D4 (Prof. Matz)

Schnelle vor-Ort Analyse von kontaminierten Böden

Keywords: mobile GC/MS, schnelle Probenaufbereitung und Gaschromatographie

Mit dem Einsatz mobiler Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC/MS) eröffnet sich erstmals die Möglichkeit Hochleistungsanalytik im Feld bzw. an der Schadstoffquelle durchzuführen. Voraussetzung sind hierfür einfache leistungsfähige Analysentechniken, die bei geringem Aufwand und kurzer Analysenzeit ein Analysenergebnis innerhalb weniger Minuten verfügbar machen. Die Arbeiten innerhalb des SFB dienten der Entwicklung:

Zur Bestimmung des biologischen Abbauverhaltens von polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) auf bakteriellen Medien (Agar-Platten) sind Mikrothermodesorptionssysteme zur Injektion entwickelt worden. Dabei werden die in der biologischen Matrix gespikt vorhandenen Stoffe gemeinsam mit ihren Abbauprodukten wahlweise durch einen energiereichen Laserpuls oder durch Kontakt mit einem kleinflächigen geheizten Desorber von einem mm2 verdampft und in die GC-Kapillare des GC/MS gesaugt. Vorteil ist hier die punktgenaue Probenahme, die eine präzise Charakterisierung biologischer Abläufe (z.B. am Fraßsaum der Bakterienkultur) ermöglicht.

Da es sich bei bakteriellen Abbauprodukten häufig um sehr polare Komponenten handelt, die in einigen Fällen schlechte Chromatographieergebnisse zur Folge haben, wurde zusätzlich eine Schnellderivatsierung zur Alkylierung von Hydroxyverbindungen und freien Carbonsäuren entwickelt und untersucht. Dazu wurden kleine Portionen des Agarmediums mit Tetramethylammonium-Hydroxid durch Coinjektion im heißen Injetor zum alkylierten Produkt umgesetzt. Es ist so Hydroxynaphthoesäure, ein PAK-Abbauprodukt, nachgewiesen worden.

Der Einsatz besonders einfacher Probenahmesonden zur Bestimmung leichtflüchtiger Stoffe im Boden ist an einer biologischen Bodensanierungsmiete erprobt worden. Handelsübliche Glasrohre und mit Luft-Ansaugschlitzen versehene Edelstahlrohre erweisen sich als optimal geeignet, um gasförmige Schadstoffe abzusaugen. Mit dieser Methode, einer häufigen Beprobung und der GC/MSAnalytik im Feld wurde der Sanierungsverlauf in einer Bodenreinigungsmiete bezüglich der leichtflüchtigen Stoffe dokumentiert.

Treten leichtflüchtige Stoffe in niedrigen Konzentrationen im Boden auf, ist eine Probenaufbereitung mit hoher Anreicherung erforderlich. Das entwickelte Großvolumen-Headspaceverfahren, mit dem Probengas aus dem Gasraum einer 1kg Bodenprobe in 6 Liter Probeneimern entnommen wird, ist dafür besonders geeignet. Neben der Senkung der Nachweisgrenze auf wenige µg/kg hat sich der integrierende Effekt der großen Probenmenge im Vergleich zur Analyse weniger stichprobenartiger Kleinproben als aussagestärker erwiesen.

Der Nachweis leichtflüchtiger Stoffe in Wasser gelingt mit einer neuartigen Permeation-Silikonschlauchsonde, die nach einer Anreicherungsphase die gesammelten Stoffe durch Thermodesorption in die GC-Kapillare injiziert und so schnell aufeinander folgende Kurz-GC/MS-Analysen bei hoher Anreicherung und niedriger Nachweisgrenze ermöglicht. Durch Praxistests an einem Bioreaktor ist die Leistungsfähigkeit des Systems bewiesen worden.

Eine weitere Verkürzung der Analysenzeit bei gleichzeitiger Verminderung von Fehlerquellen läßt sich durch automatische Probenaufbereitung ermöglichen. Es ist ein Laborroboter entwickelt worden, der die Extraktion incl. Lösungsmitteldosierung und Wiegen der Probe von insgesamt 30 Proben durchführt. Zur Injektion dient ein vollautomatisches Pipettiergerät, das unter Verwendung von Einmal-Glaskapillarpipetten eine deutlich höhere Dosiergenauigkeit als die manuelle Injektion ermöglicht.

Die durchgeführten Verfahrensoptimierungen haben zu einer deutlichen Verbesserung der mobilen GC/MS-Technik geführt. Forschungsziele der laufenden Phase sind:

Teilprojekt D5 (Prof. Francke, Prof. Voß)

Mikroanalytische Untersuchungen an kontaminierten Böden: Behandlungsabhängige Veränderungen des Schadstoffmusters
Elektrochemische Dechlorierung von Xenobiotika

Keywords: organisch chemische Analytik, Strukturaufklärung, Synthese, Isotopenmarkierung, elektrochemische Dehalogenierung, Chloraromaten

Eingebunden in das Konzept des SFB und in enger Kooperation mit anderen Teilprojekten werden einerseits Themenkreise der organischchemischen Analytik und Synthese sowie andererseits der organischen Elektrochemie bearbeitet. Diese Schwerpunkte sind wie folgt zu spezifizieren:

Analytik: Extrahierbare sekundäre Umwandlungsprodukte, die im Verlauf der Behandlung von kontaminiertem Material im Zusammenhang mit chemischen oder mikrobiellen Reaktionen entstehen können und sich in der löslichen Bodenfraktion befinden, werden identifiziert und in ihrer chemischen Struktur aufgeklärt. Diese Untersuchungen schließen im Zusammenhang mit Ansätzen zur Effizienzkontrolle der in den entsprechenden Vorhaben entwickelten Verfahren die Quantifizierung spezifischer Verbindungen in kontaminierten Substraten vor und nach der Behandlung sowie die Verfolgung von Remobilisierungsvorgängen ein.

Synthese: Die Darstellung nicht kommerziell erhältlicher Substanzen, die zur Strukturabsicherung notwendig sind oder anderen Teilprojekten als Ausgangsmaterial dienen, ist eine wichtige Komponente im Kontext des SFB. Eingeschlossen ist hier auch die Synthese von 13C-markierten Verbindungen, die als Substrate zur Verfolgung von Festlegungsmechanismen in der Bodenmatrix (bound residue Problematik) insbesondere im Teilprojekt D6 benötigt werden. Im Mittelpunkt steht hier die Darstellung aromatischer Kohlenwasserstoffe, insbesondere von Naphthalin, Phenanthren und Fluoranthen, die in derjenigen Position eine Isotopenmarkierung tragen, die beim Abbau im Verlauf von Ringspaltungsreaktionen in Carbonyl oder Carboxylgruppen umgewandelt werden und mit der Humusmatrix reagieren können. Eine Verfolgung dieser Bindungsbildungen soll in Teilprojekt B4 mit Hilfe 13C-NMRspektroskopischer Untersuchungen in Angriff genommen werden.

Elektrochemie: Im Rahmen elektrochemischer Untersuchungen werden die Bedingungen zur Dechlorierung von chlorierten Biphenylen (PCB), Polychlornaphthalinen (PCN), Polychlordiphenylethern (PCE) und Chlorphenolen sowie ausgewählten Insektiziden optimiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Umsetzung bereits erzielter Ergebnisse, die Ausdehnung der elektrolytischen Reduktion auf wäßrige Systeme und das Scaleup. Verfahrenstechnisch kommen Batch-Reaktoren, diskontinuierliche Kaskaden oder Durchflußreaktoren in Frage. Diese Arbeiten werden in enger Kooperation mit dem Teilprojekt A1 durchgeführt.

Teilprojekt D6 (Priv. Doz. Dr. Michaelis)

Chemische Wechselwirkung von Erdölkontaminationen und deren Abbauprodukten mit der Humusfraktion von Böden

Keywords: Wechselwirkung Kontamination/Humusfraktion

Das Ziel des Forschungsvorhabens ist die qualitative und quantitative Erfassung von Rückständen organischer Schadstoffe, die chemisch an Bodenbestandteile gebunden sind. Es werden analytische und methodische Maßnahmen erarbeitet, mit denen in Zukunft technische Sanierungen unter Einbeziehung der gebundenen Schadstoffe auf ihre Effizienz beurteilt werden müssen. Es konnte zeigt werden, daß kovalente chemische Bindungen zwischen Rückständen und der Huminstoffmatrix existieren. Der Nachweis solcher Bindungen, die nicht hydrolysierbar und daher sehr stabil sind, bildet den zukünftigen Schwerpunkt. In diesem Bereich der Ether und KohlenstoffKohlenstoff-Bindungen ist die quantitativ bedeutsamste Menge der humusgebundenen Schadstoffe zu erwarten.

Chemische und pyrolytische Methoden werden zur Charakterisierung der gebundenen Schadstoffe in unterschiedlichen Probenmaterialien genutzt. Der Umfang freigesetzter Schadstoffe wird mit Gaschromatographie-Massenspektrometrie bestimmt. Die Kenntnis der Bindungsformen erlaubt Rückschlüsse auf die Bindungsmechanismen, wie z.B. biokatalysierte Kopplung. Die Grundlagen zur Bindung von Schadstoffmetaboliten an Huminsubstanzen werden anhand von Modellsubstanzen erarbeitet und auf ihre Relevanz in natürlichen Systemen überprüft. Darüber hinaus werden die Mobilität und die Freisetzung gebundener Rückstände während diagenetischer Alterungsprozesse der Huminstoffe untersucht. Ziel ist die Abschätzung des Transportes huminstoffgebundener Schadstoffe aus der Humusschicht in die Grundwasserbereiche.

Teilprojekt D7 (Dr. Goetz)

Einfluß von Ölkontaminationen auf bodenmechanische Eigenschaften sowie die Mobilisierbarkeit von Öl im Boden

Keywords: Mobilität, Auslaugapparatur

Im Vordergrund dieses Teilprojektes stand die Entwicklung einer Auslaugapparatur, mit der das Mobilitätsverhalten von unpolaren organischen Schadstoffen bestimmt werden kann. Bisher angewandte Auslaugverfahren für organische Schadstoffe haben keine befriedigenden Ergebnisse geliefert, da bei den Versuchen wesentliche Faktoren, die das Mobilitätsverhalten bestimmen, wie Bodenstruktur, Porengrößenverteilung, Bodenart usw. unberücksichtigt blieben.

Mit dem entwickelten Verfahren ist es möglich, ungestörtes Material, entsprechend der Feldsituation, oder gestörtes, auf vorgegebene Lagerungsbedingungen verdichtetes Material, zu testen. Ferner können durch Variation der Einbau und Versuchsbedingungen die einzelnen Faktoren des Schadstofftransportes untersucht werden. Bei diesem Testverfahren wird das kontaminierte Bodenmaterial von Wasser im ungesättigten Fluß durchströmt. Die mit dem Sickerwasserstrom transportierten Schadstoffe werden in einer Quarzschluffschicht angereichert, die am Versuchsende auf den Gehalt an Kohlenwasserstoffen untersucht wird. Mit dieser Methode werden die wesentlichen Randbedingungen, die eine Mobilisierung von unpolaren organischen Kontaminanten in Böden bestimmen, eingehalten.

Zum Vergleich mit realen Auslaugbedingungen werden Feldversuche an Bodensäulen in Unterflurlysimetern mit unterschiedlichen Bodenarten und Ölkontaminationen zwischen 0.2 und 7.5 Gewichtsprozent durchgeführt. Mit Hilfe der Lysimeter konnten Einflüsse von Bodenart und Kontaminationshöhe auf die Sickerwassermenge und den Mineralölaustrag unter natürlichen Witterungsbedingungen untersucht werden.

Die Ergebnisse der Lysimeter als auch der Laborversuche zeigen, daß in Böden mit Ölkontaminationen, bei denen die Kohlenwasserstoffe sich nicht in Phase bewegen, das Mobilitätsverhalten von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. Zunächst ist festzustellen, daß der Kohlenwasserstoffgehalt im Sickerwasser häufig höher ist als dessen Löslichkeit, ohne daß es in den Sammelflaschen zu einer aufschwimmenden Ölphase kommt. Der Transport des Öles muß daher in gelöster und emulgierter Form erfolgen.

Der Austrag von Kohlenwasserstoffen pro Liter Sickerwasser nimmt bei niedrigen Temperaturen ab. Da bei niedrigen Temperaturen die Viskosität des Öles zunimmt, kann das Öl von dem perkolierenden Wasser nur in geringerem Maße von den Bodenaggregaten abgelöst und mit dem Sickerwasserstrom transportiert werden.

Die Konzentration der Kohlenwasserstoffe pro Liter Sickerwasser nimmt mit der Kontaminationshöhe zu. Für eine Beurteilung der von einer Altlast ausgehenden Gefahren sind jedoch die Schadstofffrachten entscheidend. Diese werden bestimmt vom Kohlenwasserstoffgehalt und der Menge des Sickerwassers. Die Sickerwassermenge variiert in Abhängigkeit von Bodenart und Kontaminationshöhe in einem weiten Rahmen. Nicht in jedem Falle steigen die Frachten mit der Kontaminationshöhe. Die Hydrophobierung sowie veränderte Wasserbindekapazitäten des Bodenmaterials durch Öl bestimmen die Sickerwassermenge. Die Hydrophobierung des Bodenmaterials führt zu einer Verminderung der Sickerwassermenge. Bei den Geländelysimetern äußert sich dieses in einem Überstau und seitlichem Abfließen des Regenwassers, bei der Laborperkolation in einer verringerten Wasserleitfähigkeit. Bei tonigem, mit Diesel kontaminiertem Material steigt die Wasserbindekapazität und verringert daher die Sickerwassermenge.

Betrachtet man den Kohlenwasserstoffaustrag über den Verlauf eines Jahres, d.h. unter Vernachlässigung der Temperatur, so ist der Mobilisierungsgrad der Kohlenwasserstoffe in erster Linie von der Bodenart abhängig. In tonigem Bodenmaterial ist die Auslaugung gegenüber sandigen Substraten herabgesetzt. Die Viskosität des Öles spielt eine geringere Rolle. Modifikationen des Schadstoffaustrages finden durch Veränderung des Porenvolumens und der ungesättigten Wasserleitfähigkeit statt.

In dem Neuprojekt D7 wird die Frage nach der Auslaugbarkeit und Remobilisierung von Schadstoffen nach einer biologischen Reinigung von kontaminierten Böden bearbeitet. Bei der biologischen Bodenreinigung wird schnell umsetzbare organische Substanz zugesetzt und organische Schadstoffe abgebaut. Dadurch wird die organische Bodensubstanz qualitativ und quantitativ stark verändert. Bei einem Wiedereinbau des sanierten Materials werden sich die natürlichen, dem Standort angepaßten Verhältnisse, einstellen. Dies führt zu einem Abbau der organischen Substanz, verbunden mit Stoffverlagerung und einer Remobilisierung gebundener Kontaminanten oder Metaboliten (bound residues).

In einem Unterflurlysimeter sollen die Verschiebungen der Humuspools und die Mobilisierung unterschiedlich gebundener Restkontaminanten beim Abbau der organischen Bodensubstanz untersucht werden. Außerdem werden die Einflüsse gelöster organischer Verbindungen auf die Löslichkeit von Schwermetallen bestimmt.

In Laborversuchen sollen die Abbau und Auslaugbarkeit der Schadstoffe simuliert und mit den Ergebnissen aus den Lysimeterversuchen verglichen werden. Die Untersuchungen zur Bodenbildung umfassen die Beschreibung der organischen Bodensubstanz, Stoffverlagerung im Bodenprofil, Bodenstruktur und bodenchemische Eigenschaften. Die Sickerwässer werden auf gelöste organische Substanz, freigesetzte Restkontaminanten und Metaboliten sowie anorganische Lösungsinhalte analysiert.


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