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Einsatz von Abstimmungsgeräten in Vorlesungen

Vorlesungen a la „Wer wird Ingenieur?“

Vorlesungen dienen der Vermittlung der Lehrinhalte in der Präsenzlehre. Ein bekannter Nachteil bei Vorlesungen ist jedoch die Tatsache, dass Konzentration und Aufnahmefähigkeit bei den Zuhörern in der Regel bereits nach ca. 15-20 Minuten nachlassen. Die Folge ist: Viele Studierende können dem vermittelten Stoff nur noch mit verringerter Aufmerksamkeit folgen. Eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit der Studierenden zu erhalten, ihnen die Möglichkeit zur Rückmeldung, Beteiligung und aktiven Mitarbeit zu geben, ist der Einsatz eines so genannten Personal Response Systems (PRS), auch Clicker genannt. Was vielen aus der TV-Sendung „Wer wird Millionär?“ als „Publikumsjoker“ bekannt ist, kann auch die Aufmerksamkeit und das Verständnis in einer Lehrveranstaltung erhöhen. An der TUHH hat Christian Kautz, Juniorprofessor am Institut für Mechanik und Meerestechnik, dieses Instrument eingeführt. Derzeit nutzt Gerhard Schmitz, Professor für Technische Thermodynamik, Heizungs- und Klimatechnik am Institut für Thermofluiddynamik, es für seine Veranstaltung „Thermodynamik“ – er wurde unter anderem hierfür mit dem Hamburger Lehrpreis 2010 ausgezeichnet.

„Stimmen Sie bitte jetzt ab …“

Denkbar sind verschiedene Einsatzszenarien. In allen stellt der Dozierende Multiple-Choice-Fragen, auf die die Studierenden mit den Abstimmungsgeräten per Knopfdruck antworten können. Fragen kann der Dozierende beispielsweise zu Beginn der Veranstaltung oder zum Einstieg in ein neues Themas oder auch am Schluss der Vorlesungen stellen, um den aktuellen Wissensstand abzufragen und um Vorwissen zu aktivieren. Professor Schmitz hat beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass Studierende durch Fragen zu Beginn jeder Vorlesung motiviert werden, auch morgens um 8 Uhr pünktlich zu erscheinen. Aber auch Fragen am Schluss der Vorlesung setzt er ein, um das Verständnis des gerade vermittelten Stoffes zu erfassen. Seine Vorlesungen sind über das ganze Semester hinweg gut besucht, die Studierenden wollen die Fragen nicht verpassen.

Was bewirkt die Abstimmung bei den Studierenden und Dozierenden?

Allein die Aktivität der Studierenden bei der Abstimmung durchbricht das eher passive Zuhören in einer Vorlesung und erhöht das Interesse. Aber auch die Differenzierung der Abstimmungsergebnisse kann bei der weiteren Ausgestaltung der Vorlesung wertvolle Hinweise geben.
Hier einige Beispiele:

  • Die Studierenden antworten mit überwiegender Mehrheit richtig: Das Ergebnis kann ein Indiz dafür sein, dass die Problemstellung bereits bekannt und verstanden ist und weniger ausführlich behandelt werden muss. Ebenso ist es denkbar, dass die Fragestellung oder Antwortmöglichkeiten zu trivial waren.
  • Obwohl das Thema ausführlich behandelt wurde, antworten die Studierenden mehrheitlich falsch: Gab es in der Aufgabenstellung eine Stolperfalle, die die falsche Antwort erklären kann? Lässt sich die falsche Antwort eventuell mit weit verbreiteten, aber dennoch falschen Ansätzen erklären? Oder haben die Studierenden das Thema noch nicht richtig verstanden? Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass der Dozierende ein Thema noch einmal behandeln oder Übungsaufgaben hierfür zur Verfügung stellen sollte.
  • Die Antworten verteilen sich relativ gleichmäßig auf die richtigen und falschen Möglichkeiten: Der Dozierende muss abschätzen, ob eine weitere Vertiefung des Themas notwendig ist oder ob eine kurze Erläuterung der Fragestellung ausreicht, um den Studierenden zu helfen.
Eine weitere Einsatzmöglichkeit sieht vor, dass die Studierenden über eine Frage abstimmen, danach untereinander über die Antwort diskutieren und schließlich erneut über die gleiche Frage abstimmen. Erst nach Abschluss der zweiten Abstimmung erfahren die Studierenden die korrekte Lösung. Bei dieser Form des Einsatzes stimmen häufig bei der zweiten Abstimmung deutlich mehr Studierende für das richtige Ergebnis – die Studierenden, die schon im ersten Durchgang richtig lagen, konnten die richtige Lösung ihren Kommilitonen erklären.

Wie sieht es organisatorisch und technisch aus?

Die Handgeräte werden beim Betreten des Hörsaals von den Studierenden aus bereitstehenden Koffern entnommen und am Ende der Vorlesung dort wieder zurückgegeben. Die Abstimmung erfolgt an der TUHH anonym; es ist jedoch auch möglich, jedes Handgerät über seine Gerätenummer jeweils einer Person zuzuordnen, um das System beispielsweise für Prüfungsleistungen einzusetzen.

Der Dozierende schließt einen mobilen Funkempfänger an seinen Rechner an, auf dem auch die entsprechende Software installiert ist, die die Abfragen steuert. Mit dieser Software hat er vor der Veranstaltung die Fragen und Antworten erstellt oder importiert (diverse Dateiformate werden unterstützt). Zur Darstellung der Fragen und Antworten können beliebige Medien, wie Beamer, Kreidetafel oder auch mündliche Vermittlung genutzt werden. Anschließend haben die Studierenden einige Minuten Zeit, die Aufgabenstellung zu überdenken und ihre Antwort per Knopfdruck abzugeben.

Die Handgeräte der Studierenden senden an mobile Funkempfänger oder fest installierte Infrarotempfänger – je nach Ausstattung des Raumes. Bei erfolgter Stimmabgabe erhalten die Studierenden eine visuelle Rückmeldung durch ihr Handgerät. An der TUHH wird derzeit mit Geräten des Anbieters HITT gearbeitet. Die zum System passende Software kann dort kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden.

Professor Schmitz ermutigt seine Studierenden ausdrücklich, die vorgegebene Zeit für eine fachliche Diskussion mit den Sitznachbarn zu nutzen. Gerade der Austausch mit anderen Studierenden trägt entscheidend zum Verständnis und zur Lösungsfindung bei, und hilft, sich später auch wieder daran zu erinnern. Durch Sätze wie „Hier erwarte ich, dass eine große Mehrheit von Ihnen die richtige Antwort weiß“, motiviert Professor Schmitz die Studierenden zusätzlich zum aktiven Mitdenken. Nach Ablauf der Abfragezeit wird das Ergebnis der Abstimmung automatisch als Balkendiagramm angezeigt, in dem auch die richtige Antwort hervorgehoben werden kann.

Weitere Informationen / Ansprechpartner

Haben Sie Interesse an dem Einsatz der beschriebenen Techniken in Ihrer Lehrveranstaltung?
Bei weiteren Fragen oder Anmerkungen zum Thema wenden Sie sich bitte einfach an das eLearning-Kompetenzzentrum der TUHH, wir beraten Sie gerne: eLearning@tu-harburg.de
oder direkt an:
    Corinna Peters, Institut für Telematik
    peters@tu-harburg.de, Tel.: 040-42878-3448
    Detlev Bieler, Bibliothek
    bieler@tu-harburg.de, Tel.: 040-42878-3288

Wenn Sie in Ihren Lehrveranstaltungen auch eLearning-Methoden ausprobiert und umgesetzt haben, die für andere Institute interessant sein könnten, teilen Sie es uns mit! So können wir auch andere auf Ihr Best-practice-Beispiel aufmerksam machen!