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Lernaktivierung durch Online-Vortests

Vortest - was ist das und was nicht

Fachdidaktische Untersuchungen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften belegen, dass Studierende häufig auch nach Abschluss einer Lehrveranstaltung Verständnisschwierigkeiten haben, die besonders beim Bearbeiten qualitativer Aufgaben deutlich werden.

Mit dem Ansatz der Internet-gestützten Vortests wird versucht, dem Ziel von aktivem Lernen auch in Lehrveranstaltungen mit großen Teilnehmerzahlen näher zu kommen.
Es geht nicht um ein Abfragen des Wissenstandes im Sinne einer Online-Prüfung (Test), sondern um die Aktivierung des Vorverständnisses zu bestimmten Fragestellungen, z.B. im Zusammenhang mit dem Schwerpunkt eines Körpers. Die Studierenden sollen nachdenken, warum etwas so ist wie es ist und versuchen, selbst Erklärungen zu entwickeln.

Erfahrungen - Pretest in den USA

An einigen amerikanischen Hochschulen werden die dort Pretests genannten Vortests schon seit über 10 Jahren in der universitären Ausbildung sehr erfolgreich eingesetzt. Ein Beispiel sind die Tutorials in Introductory Physics der University of Washington. Gerade in Veranstaltungen mit sehr großer Teilnehmerzahl, bei denen das Eingehen auf Zwischenfragen schwer handhabbar ist, bietet die Methode Pretest eine Alternative, auf vorab aufkommende Fragen während der Vorlesung gezielt eingehen zu können. Prof. Christian Kautz vom Institut für Meerestechnik hat dort selbst mit dem Konzept der Internet-gestützten Vortests gearbeitet und es im WS 2004/5 an der TUHH implementiert.

Aktives Lernen in Vorlesungen

Im Studiengang AIW und GES der TUHH werden seitdem in der Lehrveranstaltung Physics for Engineers den Studierenden von Prof. Kautz wöchentlich zwischen den Vorlesungen in Vortests überwiegend qualitative Fragen gestellt. Damit sollen Maßnahmen zur Förderung des konzeptionellen Verständnisses unterstützt und neue Möglichkeiten für den Einsatz von eLearning erprobt werden.
Konkret sollen die Vortests folgenden Zwecken dienen:

  • der Selbstkontrolle der Studierenden über den bereits behandelten Lehrstoff
  • als Anregung zu regelmäßiger Vor- und Nachbereitung der Vorlesung sowie zur Vorbereitung auf die nachfolgenden Übungen
  • zur Erhebung von Verständnisschwierigkeiten für die Dozenten und Mitarbeiter, um entsprechende Fragen in Vorlesungen und Übungen vertiefen zu können
  • als Grundlage für weitere fachdidaktische Forschungen
Um typische Verständnisschwierigkeiten zu erkennen und überwinden zu helfen, wird nach jeder Multiple-Choice-Frage anschließend mit einer Freitextfrage um eine kurze verbale Begründung gebeten:

Für den Dozenten oder die Dozentin ergibt sich über die einzelne Antwort hinaus aus der Summe der Antworten ein Überblick über den Kenntnisstand der Studierenden und eventuell vorhandene Verständnisschwierigkeiten. Diese können dann in der darauffolgenden Vorlesung in größerer oder geringerer Ausführlichkeit als geplant behandelt und bestimmte Themen gezielt wiederholt oder vertieft werden.

Evaluation - was die Studierenden sagen

Die Vortest-Reihen wurden mehrfach am Ende der Veranstaltung evaluiert. Es wurde sowohl nach dem Sinn der Vortests und den Erfahrungen damit gefragt als auch nach der Meinung zu dem Einsatz von eLearning an der TUHH allgemein.
Ausnahmslos alle Befragten gaben an, von der Teilnahme an den Tests profitiert zu haben. Die Studierenden sehen in den Pretests mehrere Vorteile:

  • die qualitativen Fragen geben Anstoß zum Nachdenken über den Stoff und mögliche Probleme
  • Vortests bieten eine gute Vorbereitung auf die Vorlesung
  • es entstehen Fragen, die in der Vorlesung behandelt werden können
  • eigene Stärken und Schwächen werden sichtbar
  • es wird keine Vorlesungszeit verschwendet
  • die Tests können zu beliebiger Zeit und ortsunabhängig bearbeitet werden
Zum Thema eLearning wird geäußert, dass sich die Studierenden mehr Animationen und Visualisierungen wünschen, "mehr Online-Material, eben das, was man nicht in Büchern finden kann."

Wie es geht

Die Erstellung der Online-Tests geschieht in der Lernplattform ILIAS. Vielfältige Fragetypen sind möglich, neben Multiple-Choice auch Drag-and-Drop-Fragen sowie Freitextfragen und mehr. Bei der Erstellung des Tests wird ein Fragenpool angelegt, der für spätere Veranstaltungen weiter zur Verfügung steht.

Einfache Auswertung – online

Eine Auswertung der Ergebnisse ist ebenfalls einfach online möglich. Neben einer Export – und Druckfunktion bietet das Programm auch eine Statistik, die einen übersichtlichen Vergleich der Ergebnisse darstellt.

Gezieltes Eingehen auf Verständnisschwierigkeiten möglich


Sie haben es sicher gewusst, aber trotzdem hier die richtige Lösung auf die Frage nach dem Vergleich der Teilmassen rechts und links vom Massenmittelpunkt. Während ca. 95% der Studierenden die vorhergehende Frage nach der Lage des Massenschwerpunktes des Baseball-Schlägers insgesamt (s. Abb. ganz oben) richtig beantworteten, wurde obige Frage (Masse links u. rechts davon) nur von etwa 20% richtig beantwortet. In den meisten Antworten wurden die beiden Massen als gleich groß angesehen.
Der Vorteil der Methode Vortest liegt nun darin, dass anhand der Antworten der anschließenden Freitextfrage zur Begründung, ersichtlich wird, in welche Richtung die Studierenden bei der Lösung der Aufgabe denken. Mit dem Wissen um diese Denkweisen kann der Dozent oder die Dozentin die Problematik nun ganz gezielt in der Vorlesung thematisieren.

Weitere Informationen / Ansprechpartner

Hier finden Sie unseren Flyer zu diesem Thema als PDF-Datei.
Wenn Sie die Methode der Vortests auch einsetzen wollen oder auch nur mal wissen wollen, wie dies geht, wenden Sie sich gerne einfach an das eLearning-Kompetenzzentrum der TU:
    eLearning@tu-harburg.de
oder direkt an:
    Detlev Bieler, TUB
    bieler@tu-harburg.de, 040-42878-3288