Deutsche Flagge Deutsch | Union Jack English

Marlen Grohmann


Thema: Die Entwicklung der Porzellanmanufaktur Sèvres im 20. Jahrhundert. Über die Wechselwirkungen von technischen Innovationen und künstlerischen
Ambitionen.


Kunstgeschichte | Prof. Dr. Margarete Jarchow

Mobil: 0171/3523272
E-Mail: marlen-grohmann@gmx.de


Die französische Porzellanmanufaktur wurde 1738 in Vincennes gegründet undsiedelte 1756 nach Sèvres über. Sie nimmt aufgrund ihrer Geschichte im 18.Jahrhundert als königliche Manufaktur mit dem alleinigen Recht zu bunten Dekoren sowie in der Folgezeit als wichtigste nationale und repräsentative Einrichtung auf ihrem Gebiet einschließlich ihrer Forschungs- und Innovationsaspekte eine herausgehobene Stellung unter den europäischen Manufakturen ein. Nationale wie internationale Wechselwirkungen zwischen technischen Neuerungen und künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten eroberten ihr im 19. Jahrhundert und zu bBeginn des 20. Jahrhunderts vielfach eine Vorrangstellung unter den europäischen Porzellanmanufakturen.

Bisher im deutschsprachigen Raum vernachlässigt, sollen die Auswirkungen dieser Wechselwirkungen und die Geschichte der erst königlichen, dann kaiserlichen,nun nationalen Manufaktur von den Ausläufern des Historismus bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts und ihrer Einordnung in die Sozialgeschichte im Rahmen dieser Dissertation umfassend dargestellt und analysiert werden.

Die Bildung einer „Commission de perfectionnement“ 1871 in Sèvres förderte die Entwicklung neuer Fabrikationen; es wurde ein Chemielabor zur Erforschung neuer Brenn- und Dekortechniken – ähnlich denen von Berlin und Meissen – eingerichtet. Die Weltausstellung von 1900 in Paris, auf der sich die Manufaktur mit einer modernen Präsentation und neuesten Techniken, darunter die Kunstglasuren, zeigte, machte sie wieder zu einer der bedeutendsten Kunst- und Technologieanstalten Europas. Standen nach dem ersten Weltkrieg zunächst einfache Gebrauchsporzellane im Vordergrund, widmeten sich die „Goldenen Zwanziger“ des Art Déco wieder den Luxusproduktionen der begüterten Bourgeoisie. Auf der "Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes" 1925 in Paris trat Sèvres nicht nur als Hauptaussteller im Bereich Keramik, sondern als das Zentrum der französischen Luxusgüterindustrie auf. Gleichzeitig kam der strenge Funktionalismus auf, der Schöpfungen für die Serienproduktion und vor allem in den industriellen Betrieben die Rationalisierung der Arbeits- und Produktionsprozesse sowie Einsparungen bei Rohstoffen und Arbeitskräften ermöglichte. Auch wenn das Produktdesign während des 2. Weltkriegs unter deutscher Besatzung durchaus existierte, gab es dennoch wenige Bestellungen von Seiten des französischen Staates und es kam allgemein zu einer Verzögerung technischer Entwicklungen.Unter der künstlerischen Leitung namhafter Künstler schlug Sèvres nach dem Zweiten Weltkrieg einen avantgardistischen Weg mit internationalen Designern ein.

Darüber hinaus sollen folgende Betrachtungspunkte in die Arbeit einfließen:

  • Produkte in Abhängigkeit von technischen Verfahren.
  • Die Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern und Designern und deren Entwürfe in Zusammenhang mit der Materialforschung und Kommerzialisierung des Unternehmens.
  • Die Manufaktur als Innovator respektive Einflussnehmer im Vergleich mit anderen europäischen Manufakturen sowie Unterschiede zu industriell hergestelltem Porzellan des Limousin.





Forschungsschwerpunkte


  • Angewandte Kunst und Produktdesign des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere des europäischen Porzellans
  • Sammlungs- und Ausstellungsgeschichte von Kunstgewerbemuseen des 19. und 20. Jahrhunderts





Lebenslauf



seit 05/2011Promotionsstipendiatin am Graduiertenkolleg „Kunst und Technik“ an der Technischen Universität Hamburg-Harburg in der Arbeitsgruppe Humanities
03/2009-04/2011Volontariat und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Porzellanikon Selb und Hohenberg a. d. Eger/Deutsches PorzellanMuseum; Kuratorin der Ausstellung „Königstraum und Massenware. 300 Jahre europäisches Porzellan“ für den Ausstellungsbereich „Historismus“
05/2008Magistra Artium, Abschlussarbeit zum Thema: Das Grüne Gewölbe zu Dresden 1945 bis 1974 – Auslagerung 1945, Rückführung aus der ehemaligen Sowjetunion 1958, Ausstellungskonzeption zur Wiedereröffnung im Albertinum 1974.
09/2003-04/2004Studium der Kunstgeschichte an der Sorbonne – Paris IV im Rahmen des ERASMUS-Programms
10/2000-05/2008Studium der Kunstgeschichte, Romanistik/Literaturwissenschaft und Evangelischen Theologie an der Technischen Universität Dresden; während des Studiums selbstständige Gästeführerin (IHK) in Dresden, in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH und im Deutschen Hygiene-Museum Dresden
2000Abitur am Bertolt-Brecht-Gymnasium Dresden
1981geboren in Dresden





Publikationen



2011Das Grüne Gewölbe zu Dresden 1945 bis 1974. Auslagerung 1945, Rückführung aus der ehemaligen Sowjetunion 1958, Ausstellungskonzeption zur Wiedereröffnung im Albertinum 1974, Saarbrücken. (in Vorbereitung)
2010Historismus – Der Stile viele, in: Siemen, Wilhelm (Hrsg.): Von den Ursprüngen des europäischen Porzellans bis zum Art Déco, Schriften und Kataloge des Deutschen Porzellanmuseums, Band 104/1, S. 337-450.