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Anke Rees


Thema: Widerspenstige Gebäude


Volkskunde & Kulturgeschichte | Prof. Dr. Thomas Hengartner

Universität Hamburg, Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie
Edmund-Siemers-Allee 1 (Westflügel), 20146 Hamburg
E-Mail: anke.rees@tu-harburg.de


Es gibt Gebäude, die sind anders als andere. Die Zeit hat sie in Kontexte versetzt, in die sie nicht (mehr) zu passen scheinen und aus denen heraus sich keine Nutzung aufdrängt. Solche Gebäude sind Symbol von Vergangenem, bieten Orientierung im öffentlichen Raum und sind manchmal zu Metaphern fehlgeleiteter Stadt(teil)planung geworden. Einige dieser modernen Ruinen lassen sich nicht einfach umnutzen, umbauen oder abreißen – solche Gebäude sind widerspenstig.

Was macht die Widerspenstigkeit moderner Ruinen aus? Der Frage widmet sich diese interdisziplinär angelegte Forschungsarbeit am Beispiel der so genannten Schiller-Oper in Hamburg, einem Stahlskelettbau aus dem Fin-de-Siècle. Sie ist das letzte erhaltene Zirkusgebäude aus jener Zeit in Deutschland, das in dieser Art errichtet wurde, und damit ein seltenes Zeugnis der Ingenieurbaukunst des 19. Jahrhunderts. Sie ist außerdem ein Denkmal für die Unterhaltungskultur der Hansestadt um die vorvorige Jahrhundertwende. Trotz immer wieder aufkommenden Abrissdiskussionen, einer langen Umnutzungs- und Leerstandsgeschichte steht das Gebäude heute im Prinzip da wie bei seinem Bau vor über 120 Jahren. Wie ist das möglich geworden, noch dazu in so prominenter Lage in der Innenstadt?

Im Sinne der Akteur-Netzwerk-Theorie und unter Hinzunahme von Atmosphärenkonzepten sollen archivalische Quellen und Zeitzeugenberichte über die Schiller-Oper daraufhin analysiert werden, welche Konstellationen ihr Überleben gesichert haben. Zugrunde gelegt wird dabei die These, dass Materialitäten, Verbündete und Atmosphären im Zusammenspiel Architekturen stabilisieren können und so ihr Überdauern ermöglichen. Die Arbeit fragt danach, welche handlungsermöglichenden und -begrenzenden Impulse und Bedingungen von Akteuren ausgehen oder durch sie geschaffen werden. Und letztlich: Wie können Architekturen bzw. wie kann der dynamische Prozess 'Stadt’ begriffen und operationalisiert werden?

Forschungsschwerpunkte


  • Kulturwissenschaftliche Technikforschung
  • Kulturgeschichte der Metropolen im 19. und 20. Jahrhundert
    (speziell Hamburgs Geschichte nach 1848)
  • Stadtanthropologie
  • Sachkulturforschung



Lebenslauf



seit 2011Stipendiatin des DFG-Graduiertenkollegs 'Kunst und Technik', Technische Universität Hamburg-Harburg
seit 2010Doktorandin bei Prof. Dr. Thomas Hengartner, Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie, Universität Hamburg
Zweitbetreuer Prof. Dr. Franklin Kopitzsch, Historisches Seminar, Schwerpunkt Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Universität Hamburg
2009-2011Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang 'Kultur der Metropole', HafenCity Universität Hamburg
2009Magistra Artium. Thema der Magisterarbeit: 'Widerspenstige Gebäude. Eine Untersuchung am Beispiel der Schiller-Oper in Hamburg'
seit 2004Mitglied im Forschungskolleg 'Kulturwissenschaftliche Technikforschung', Institut für Populäre Kulturen, Universität Zürich – Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie, Universität Hamburg
1996-2008Studium der Volkskunde/Kulturanthropologie sowie der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Universität Hamburg
1989-2007freie Autorin für Presseagenturen und Magazine, angestellte Redakteurin bei verschiedenen Tageszeitungen
1987-1989Ausbildung zur Redakteurin beim 'Göttinger Tagesblatt'




Publikationen



2011Widerspenstige Gebäude. Eine Untersuchung von Materialität, Kontroversen und Atmosphären. In: Conradi, Tobias/Muhle, Florian/Derwanz, Heike (Hg.): Strukturentstehung durch Verflechtung. Standpunkte der Akteur-Netzwerk-Theorie(n). Schriftenreihe des Graduiertenkollegs „Automatismen“, Bd. 4. München, S. 93-111.

Die Schiller-Oper (1889-1933). Ein vergessenes Zeugnis der Hamburger Unterhaltungskultur und der deutschen Zirkusarchitektur des 19. Jahrhunderts. In: Hempel, Dirk (Hg.): Andocken. Hamburgs Kulturgeschichte 1848-1933. Beiträge zur hamburgischen Geschichte, Bd. 4. Hamburg (im Druck)
2010Die Schiller-Oper in Hamburg. Der letzte Zirkusbau des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Unter Mitarbeit von Gunhild Ohl-Hinz. Hg. vom St. Pauli-Archiv e.V. Beiträge zur Sozial- und Kulturgeschichte St. Paulis, Nr. 5. Hamburg.

Nicht menschliches Technik-Handeln. In: Hengartner, Thomas (Hg.): Kulturwissenschaftliche Technikforschung. Eine Bestandaufnahme. Schriftenreihe ‚Kulturwissenschaftliche Technikforschung’, Bd. 3. Zürich (im Druck)

Widerspenstige Gebäude. Das Beispiel der Schiller-Oper in Hamburg. In: Hengartner (Hg.): Kulturwissenschaftliche Technikforschung. Bd. 3. Zürich (im Druck)
2003Tutorium Wintersemester 2003/04 oder: Was machen die Erstsemester auf der Autobahnraststätte? In: VOKUS. Volkskundlich-kulturwissenschaftliche Schriften. Hamburg, Heft 2, 13/2003, S. 87-91.
1999Aufsätze zu den Bereichen der Dauerausstellung des Museums für Kommunikation in Bern/Schweiz für dessen Internetauftritt (www.mfk.ch, Stand 11/1999).

Alma lernt laufen. Sie können sehen, fühlen, denken – die Roboter aus dem verrücktesten Versuchslabor Europas. Eine Expedition in Reich von morgen. In: Online Today. Oktober 1999, S. 64-68 (publ. unter Meyer-Hartmann).
1998Vernetzt, verliebt, verheiratet. Von realen und fiktiven digitalen Liebesbeziehungen. In: Museum für Kommunikation (Hg.): Die Liebesdiener. Mittler auf den Baustellen Amors. Bern. S. 103-113 (publ. unter Meyer-Hartmann).
1992Eindrücke: Februar 1990 bis November 1991. In: Telekom (Hg.) Ost 89, 90, 91. Momentaufnahmen aus den neuen Bundesländern. Katalog zur Ausstellung der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Postmuseum Berlin. Bonn 1992, S. 108-112. (publ. unter Meyer-Hartmann).




Vorträge



2011Die Schiller-Oper (1889-1933). Ein vergessenes Zeugnis der Hamburger Unterhaltungskultur und der deutschen Zirkusarchitektur. Ringvorlesung: Andocken - Hamburg und seine Kulturen 1848-1933, Teil V. Allgemeines Vorlesungswesen, Universität Hamburg.
2010Widerspenstige Gebäude. Ein Plädoyer zur Erweiterung der ANT um Materialitäts- und Atmosphärenkonzepte. Workshop des Graduiertenkollegs Automatismen. Institut für Soziologie, Universität Paderborn.




Lehrveranstaltungen



Wintersemester 2010/2011Stadt kommunizieren - Einführung in die theoretischen und praktischen Grundlagen von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Beispiel eines aktuellen städtischen Phänomens. Seminar (mit Annette Hillebrand), Studiengang ‚Kultur der Metropole’, HafenCity Universität Hamburg
Sommersemester 2010Wissenschaftlich Schreiben – eine Schreibwerkstatt. Workshop, Studiengang ‚Kultur der Metropole’, HafenCity Universität Hamburg
Sommersemester 2009Städte denken – Städte planen – Städte bauen – Städte leben. Methodenvertiefungsseminar (mit Prof. Dr. Thomas Hengartner), Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie, Universität Hamburg
Sommersemester 2004Einführung in die Volkskunde am Beispiel Sicherheit. Tutorium inkl. Exkursion, Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie, Universität Hamburg
Wintersemester 2003/04Einführung in die Volkskunde am Beispiel Mobilität. Tutorium inkl. Exkursion, Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie, Universität Hamburg