Das Hauptstudium eines wissenschaftlichen Studienganges sollte allgemein geprägt sein von einem hohen Grad an selbstbestimmter Themen- und Methodenwahl. Hier können nun die im Grundstudium erworbenen Kenntnisse in einer in zunehmendem Maße selbständigen wissenschaftlichen Arbeit angewandt werden. Gerade in diesem Studienabschnitt bekommt die Formel der ,,Einheit von Forschung und Lehre,,große Bedeutung. Studierende sollten durch die punktuelle Mitarbeit an Forschungsprojekten und Arbeitsgruppen aktiv in die Praxis wissenschaftlicher Arbeit eingeführt werden (dies ist in einigen Naturwissenschaften bereits der Fall) oder in Projektgruppen eigene Themen erarbeiten. In diesem Zusammenhang können insbesondere Auslandsaufenthalte und Praktika sinnvoll im Studium integriert werden. Hierdurch werden fachübergreifende Kompetenzen wie die Fähigkeit zur Teamarbeit, Kommunikationsvermögen und Organisationserfahrung erworben. In dieser Phase ist die Möglichkeit interdisziplinärer Arbeit stärker zu betonen. Der Abschluß eines Universitätsstudiums soll eine eigene, dem Studienfach angemessene wissenschaftliche Arbeit sein, welche die im Studium erworbenen Kenntnisse in jedem Fall besser widerspiegelt als die termingerechte Wiederholung auswendiggelernten Faktenwissens. Auf diese Weise läßt sich ein Freiraum schaffen für kreative Leistungen der Studierenden, den es in vielen Studiengängen zur Zeit nicht gibt.
Das Hauptstudium muß der Studienabschnitt sein, in dem der Hochschulzugang von außen stärker möglich ist. Das bezieht sich einerseits auf Studierende, die von Fachhochschulen oder Berufsakademien kommen und eine wissenschaftliche Weiterbildung anstreben, andererseits auf Personen, die vor längerer Zeit eine akademische Ausbildung erhalten haben und nun zur Aktualisierung ihres Wissens zeitlich begrenzt an die Universitäten zurückkehren wollen. Beide Personenkreise stellen für die Universität die Chance dar, sich durch personellen Austausch stärker in der Gesellschaft zu verankern.