Im Folgenden sind einige Arbeiten zu meinen Interessensgebieten klickbar.
Wir versachlichen die Welt durch Abstraktion, wir normieren sie durch Ideation und wir erleben sie durch Emotion.
Ausgehend von dem Zusammenhang zwischen rituellen Opfergaben, dem Austausch von Waren und der vermuteten Umwandelbarkeit der Elemente, werden die sich in der Menschheitsgeschichte entwickelnden Verbindungen zwischen Feuer und Gold, Dampf und Geld sowie Energie und Wert nachvollzogen und in einer quantitativen Systemtheorie zusammengeführt. Die von Aristoteles erstmals systematisch ausgearbeitete Ökonomie und Physik hatte in der Handelsmetropole und Gelehrtenrepublik Alexandria reiche Früchte getragen und über Jahrhunderte hinweg Wohlstand und Bildung vermehrt. Von dem Untergang der freidenkenden griechischen Dynastien im Religionswahn der gottesfürchtigen Christen und Moslems konnte sich die westliche Zivilisation bis heute nicht erholen. Trotz aller Fortschritte durch Physik und Ökonomie in Technik und Wirtschaft mit ihrer globalisierten Nutzbarmachung von immer mehr Energie und Geld, werden Unfälle, Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen im 21. Jahrhundert aufgrund der sich zu stark vermehrenden Menschheit zunehmend verheerender unter den Erdenbewohnern wüten. Die vom Griechentum begonnene Kosmologie und Weltökonomie harrt noch nach 2500 Jahren ihrer Ausarbeitung als Grundlage eines weltumspannenden Humanismus. Krisen und Katastrophen schüren Ängste und Heilserwartungen, die den abrahamitischen Religionen weiteren Auftrieb geben werden. Gleichwohl wird der Ausblick auf eine faszinierende wissenschaftliche Weltsicht gewagt, wie sie gerade angesichts der konfliktträchtigen Weltlage aus einer Synthese von Ökonomie und Physik in einer allgemeinen quantitativen Systemtheorie in Arbeit ist.
Der 2009 uraufgeführte Film Whatever Works ist Woody Allen's komödiantisches Meisterwerk des Jahrzehnts. Mit einem Drehbuch aus den 1970er Jahren inszeniert er zugleich kurzweilig unterhaltsam und mit viel Hintersinn die wissenschaftlich aufgeklärte Zivilisierung religiös bestimmter Kulturen. Im Zentrum der Beziehungskomödie steht eine junge Schönheitskönigin und Ausreißerin aus dem hinterwäldlerischen Eden in Mississipi, die in New York ihr Glück versuchen will und dabei ausgerechnet an einen betagten Physiker und Nihilisten gerät, dem sie gehörig das Leben durcheinander bringt. Der wie Virgina Woolf zwischen Genie und Wahnsinn schwankende Physiker befindet sich permanent auf der Fahrt ins Herz der Finsternis, wird von Alpträumen heimgesucht und hat am Schluss zwei Selbsttötungsversuche überlebt. Der Pygmalion ist sich wesentlich selbst genug und kann dem Schall und Wahn seiner Umwelt nur wenig abgewinnen. Stets vermag er die ganze Situation wahrzunehmen, von der seine minder bemittelten Artgenossen nur jeweils einen kleinen Ausschnitt zu erfassen vermögen. Aber a young dame with pretty eyes and a smile can make an old man do just about everything. Nach einem Monat des Zusammenlebens kann die junge Schöne das alternde Genie sogar zur Heirat bewegen und wie in Juno and the Paycock ist es die schlicht lebenskluge Frau die dem depressiv weltfremden Mann einen Ort der Ruhe und Geborgenheit bereitet. The beauty and the brain bleiben immerhin ein gutes Jahr zusammen, bis sie einfach sein Genie nicht mehr ertragen kann. Sie hat eine komprimierte Bildungstortur hinter sich gebracht und in New York Fuß gefasst, während er einmal nicht manisch-depressiv, sondern gänzlich unbeschadet und sogar menschlich bereichert seinen Lebensalltag zu meistern lernte. Solange sie funktionieren, können auch ungewöhnliche Paarungen eine Weile glücklich machen.
Neben weiteren unorthodoxen Paarungen, die Woody Allen mit viel Witz und Humor funktionierend zu inszenieren versteht, sind es vor allem die filmästhetischen Anspielungen, literarischen Bezüge, musikalischen Einlagen, philosophischen Gedanken und physikalischen Gehalte, die mich veranlasst haben, Whatever Works einmal im gesellschaftlichen Kontext mit einigen anderen Filmen und Büchern vergleichend zu diskutieren. Innerhalb des Werkes Woody Allens ist Whatever Works sein 40er in Eigenregie gedrehter Film. Obwohl sein Drehbuch aus den 1970er Jahren stammt, ist es nach wie vor aktuell, da sich am grassierenden Religionswahn wenig geändert hat. Nach dem 11. September ist es eher noch schlimmer geworden und die vor 2500 Jahren auf den Weg gebrachte Aufklärung noch immer ein unvollendetes Projekt. Ebenfalls nicht ohne Witz und Humor ist der als Hommage an Woody Allen gedrehte Film A Serious Man der Coen-Brüder zu verstehen. Auch in ihm geht es um einen Physiker, der mit der alltäglichen Lebensbewältigung zu hadern beginnt. Ergänzend zu den beiden Filmen sind in den letzten Jahren zudem zwei lesenswerte Romane erschienen, in denen es um Physiker und ihre Aktivitäten in der Gesellschaft geht: Dirac von Dietmar Dath und Solar von Ian McEwan. Anhand dieser vier Medien in ihrem Kontext wird die intellektuelle Bildungsreise zwar im Herz der Finsternis ihren Ausgang nehmen, dann aber nicht in Verzweiflung enden, sondern die faszinierenden Perspektiven der physikalischen Kosmologie aufzuzeigen versuchen.
Seit den 1980er Jahren ist von England ausgehend eine weltweite Renaissance der Literatur Jane Austens zu beobachten. Mit Beginn der BBC-Verfilmungen für das Fernsehen und ergänzt durch die Hollywood-Filme für das große Kino, sind vor allem die lesefreudigen Frauen motiviert worden, sich wieder mit den Klassikern Jane Austens zu beschäftigen. Und den Fantasy-begeisterten Mädchen der gegenwärtigen POP-Kultur hat die Bestseller-Autorin Stephenie Meyer mit der Vampirromanze ihrer Twilights-Tetralogie einen weiteren Anlass geboten, sich den Teenager-Träumen von der großen Liebe hinzugeben. Vor 40 Jahren waren es Simone de Beauvoir und Virginia Woolf, die ihre Leserinnen mit den literarischen und gelebten Perspektiven eines selbstbestimmten Lebens jenseits der Liebesromantik und des patriarchalen Ehegefängnisses faszinierten. Der Wandel von der bewusstseinserweiternden Emanzipationsbewegung der 1960er Jahre zur phantastischen Rückwendung an die mythologischen Traditionen, ist in Verbindung mit der neokonservativen Reaktion auf die kulturellen Befreiungsbewegungen der damaligen Jugend zu sehen.
Neben der Rückwendung zur vermeintlich guten alten Zeit geht von den Romanen Jane Austens aber auch ein Impuls zur Frauenbefreiung aus, der über die Literatur Virginia Woolfs bis hin zur Fantasy Stephenie Meyers und der Liebestrilogie Zeruya Shalevs reicht. Im Fortgang der Reflexion und Rezeption ausgewählter Werke Austens und Woolfs werden Beziehungen hergestellt zur Frauenliteratur der Gegenwart. Knüpft Meyer eher unkritisch an die Mädchen-Träume von der großen Liebe an, die ihre Erfüllung nur in der gesellschaftlich sanktionierten Ehe finde, thematisiert Shalev die Probleme des Zusammenlebens zwischen Frau und Mann auch jenseits des vermeintlichen Eheglücks. Eine wie schon Virginia Woolf die Tradition und ihre Situation kritisch reflektierende Intellektuelle der Gegenwart ist Juli Zeh, die neben dem gesellschaftlichen Kontext auch wissenschaftliche Theorien in ihren Romanen verarbeitet und ihre Gedanken darüber hinaus in Essays und Reportagen präsentiert.
Nach der überblicksartigen Darstellung einiger Entwicklungslinien in der Literatur der letzten 200 Jahre, harren folgende Fragen der Beantwortung: Was veranlasste Jane Austen zum Schreiben ihrer Romane und was machte sie zu einer Klassikerin der englischsprachigen Literatur? Warum gibt es ein seit nunmehr einem viertel Jahrhundert anhaltendes, erneutes Interesse an ihren Werken? Was sind die Gründe für die erfolgreiche weltweite Popularisierung ihrer Bücher durch Filme, Sekundär- und Fantasy-Literatur? Im Vergleich Austens mit Woolf und Zeh einerseits sowie mit Meyer und Shalev andererseits zeigt sich, dass es die gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklugen sind, die ein je verschiedenes Rezeptionsmilieu schaffen, das eher ästhetisch-erkenntniskritische Literatur oder moralisch-religionskonforme Fantasy begünstigt. Inwieweit sich beide Literaturströmungen in einem crossover gleichsam zu ergänzen vermögen, wird abschließend mit Bezug zur dritten Welle der Frauenbewegung problematisiert.
Sie interessierten sich nicht für gesellschaftliche Vorgänge.
Nur für ihre Träume fühlten sie
sich verantwortlich.
Peter Schneider, Lenz, 1973.
Die Kulturkritik Friedrich Nietzsches und Woody Allens wird mit der Popkultur westlicher Zivilisation zu einer fröhlichen Philosophie verquickt. Nietzsche hatte für die nächsten 200 Jahre eine Krise des europäischen Nihilismus vorhergesagt, die sich in zahlreichen Konflikten und Kriegen äußern würde. Nachdem die Deutschnationalen im Zuge des 1. Weltkrieges ihren Machtanspruch auf eine weltpolitische Rolle eingebüßt hatten, erstarkten mit dem Sowjet-Kommunismus und dem Germano-Faschismus zwei weitere humorlose Heilsverkündigungen der Menschheit. Nach dem Untergang der nationalsozialistischen Barbarei im 2. Weltkrieg und dem ökonomischen Kollaps des Sowjet-Imperiums im folgenden kalten Krieg, haben im 2. Jahrhundert nach Nietzsche bereits die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der heiteren Popkultur westlicher Zivilisation und dem entsetzlichen islamo-faschistischen Terrorismus begonnen.
Welche Argumente waren es, die Nietzsche im 19. Jahrhundert veranlassten, eine derart bedeutende und weitreichende Prognose für die Entwicklung der westlichen Zivilisation zu wagen? Warum wurden seine Warnungen und Visionen nicht ernst genommen bzw. blieben unverstanden? Aus seiner Perspektive einer fröhlichen Wissenschaft heraus, wird am Beispiel Woody Allens in spielerischer Weise Nietzsches Kritik an Deutschtum, Nationalismus und Idealismus sowie an der Industrialisierung und nicht zuletzt am Antisemitismus zu einer fröhlichen Philosophie der Weltgesellschaft erweitert. Welche fröhliche Kunst, wenn nicht die Woody Allens, könnte dazu besser geeignet sein?
Vom Anbeginn der Zeiten haben die Menschen die Welt zu verstehen und die Natur zu bearbeiten versucht. Früh wurden sie sich der kosmischen Bedingungen ihrer Existenz bewusst. Die faszinierende Vielfalt praktischer Lebensbemeisterungen stand allerdings stets in Konflikt mit der schlichten Einfalt theoretischer Sinndeutungen und Welterklärungen. Erst die Wissenschaft disziplinierte das Mundwerk in gleicher Weise wie das immer schon erfolgskontrollierte Handwerk. Die im Einklang mit dem technischen Fortschritt stehende Wissenschaftskritik an den Weltbildern, Heilserwartungen und Ideologien rationalisierte die Mythen, Religionen und Philosophien und schuf eine wissenschaftliche Kosmologie, die im 3. Jahrtausend allen Menschen auf der Erde Orientierung und Sinnstiftung böte. In Albert Einstein überschnitten sich dabei die Tendenzen der Dezentrierung und Reflexion, die im Zuge der westlichen Zivilisation Person, Gesellschaft und Kosmos rationalisierten. Aufgabe kritischer Wissenschaft sollte es sein, den gegenwärtig geführten Krieg zwischen militärisch-industriellem Komplex und Modernisierungsverweigerern in einen friedlichen Konflikt um die Verfassung einer Kosmologie zu überführen, die Grundlage aller menschlichen Gesellschaften auf der Erde sein könnte. Auf dem Weg in das Sonnenzeitalter nachhaltiger Lebensweisen und Technologien sind Gesellschaftstheorien zu formulieren, die sich am Forschungsprogramm der Einsteinschen Invariantentheorien orientieren. Die nach Einsteins Vorbild eingeübte intellektuelle Redlichkeit könnte dabei jedem Einzelnen immer wieder als Richtschnur zur Persönlichkeitsbildung durch kritische Praxis dienen.
Der im dritten Jahrtausend wieder anhebende Religionswahn gibt Anlass zu einer Rückbesinnung auf die Enstehungsbedingungen der Zivilisation. Der Islamismus könnte sich als die letzte Bastion des Patriarchats im Kampf gegen die menschliche Natur erweisen. Seit dem Urputsch der Männer im Neolithikum lassen sich mit dem Sesshaftwerden der Menschen die Kulturkämpfe bis in die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen westlicher Zivilisation und Islamo-Faschismus verfolgen. In Anknüpfung an das naturverbundene Weltverständnis aus dem Zusammenhang von Himmelsbeobachtung und Bodenbearbeitung, läßt sich im Rahmen der vereinheitlichten physikalischen Feldtheorie ein sozialer Humanismus erahnen, der zur Grundlage des postpatriarchalen Zusammenlebens aller Menschen auf der Erde werden könnte.
Albert Einstein und Thomas Mann gelten als die Repräsentanten der Physik und Literatur in der ersten Hälfte des 20. Jahrunderts. Im Anschluß an biographische Skizzen ihrer Persönlichkeitsentwicklungen werden vergleichende Betrachtungen ihrer Erkenntnisweisen versucht. Dabei zeigt sich, daß beider Leben bestimmt war durch eine Flucht aus dem Nur-Persönlichen ins Platonisch-Ideale der Physik bzw. Literatur. Dem Entsagungs- und Einsamkeitsmotiv folgend, gingen ihre Biographien im Werk auf. Einsteins menschheits-invariante Persönlichkeit sensibilisierte ihn für das Erschauen der Naturinvarianten und Manns Talent zu fabulieren, ließ ihn die symbolische Existenzform des Künstlers wählen. Die jeweilige Schicksalsfähigkeit ihres Talents bewährte sich in einer Entwicklung zur Klassik. Den abgeschlossenen Theorien der Physik entsprechen dabei die episch gebundenen Ideenkompositionen der Literatur. Einsteins Invariantentheorien korrespondieren mit der Mannschen Orientierung an der Kompositionskunst des strengen Satzes. Ist Einsteins Vollkommenheitsanspruch in der Physik bis heute leitend geblieben, fehlt es dagegen in der Literatur an Nachfolgern Thomas Manns. Aber nur aus einer Wiederbelebung der Vollkommenheitsansprüche der Erkenntnis-Künstler Einstein und Mann heraus, scheint es mir möglich zu sein, die nach wie vor drängende Aufgabe einer Universalisierung des Humanismus aus dem Geiste der Zivilisation einer Lösung näherzubringen. Der Weg in die Weltgesellschaft ist unvermeidbar und nur aus einer Verbindung der beiden Kulturen, dem literarischen Geist und der physikalischen Theorie, denkbar. Nur so werden die großen Erzählungen vom Raumschiff Erde, der europäischen Zivilisation und dem amerikanischen Experiment in Einklang gebracht werden können.
Auch hundert Jahre nach Entdeckung des Wirkungsquantums werden die Grundlagen der Quantentheorie immer noch intensiv diskutiert. In letzter Zeit mehren sich aber die Anzeichen für ein Verständnis der Quantentheorie aus klassischen Prinzipien. Beispiele dafür sind insbesondere die Ausarbeitungen der Bohmschen Mechanik zur statistischen Mechanik der Quantendynamik sowie eine Grundlegung der Quantentheorie durch stochastische Prozesse in der stochastischen Elektrodynamik . Zudem ist das Einsteinsche Forschungsprogramm zur Vervollständigung der Quantenmechanik durch Rückführung ihres Zufallscharakters auf eine unterliegende Ebene deterministischer Vorgänge wiederbelebt worden.
Im Vergleich mit den Naturwissenschaften gerät die Philosophie zunehmend ins Hintertreffen. Angesichts der desolaten Lage der Menschheit scheint eine Erneuerung der Philosophie unabdingbar. Aus der quantitativen Verbindung von Theorie und Praxis wird eine Philosophie denkbar, die es sich zur Aufgabe machen sollte, an der Lösung der globalen Menschheitsprobleme mitzuwirken. Philosophie könnte so als umfassende Kulturkritik verstanden werden und einen Beitrag zu einem weltumspannenden Humanismus leisten.
In der durch Wissenschaft und Technik bestimmten Zivilisation sollte der Philosophie die Aufgabe zufallen, die Anfänge, Zusammenhänge und Fortführungen der Wissenschaften und der Technik zu bedenken. Der immer noch in der Philosophie vorherrschende Personenkult und das Lagerdenken könnten nach dem Vorbild der Natur- und Ingenieurwissenschaften überwunden werden. Durch die Zusammenlegung einiger philosophischer Lager wird vorgeführt, wie wissenschaftsnahes Denken zu einer Vereinheitlichung der Philosophie beitragen könnte.
Die Kritiken der Frankfurter- und Kopenhagener Schule am Szientismus der traditionellen Theorie bzw. klassischen Physik werden verglichen. Es zeigt sich, daß sowohl die Frankfurter Dialektiker als auch die Kopenhagener Komplementaristen insistieren auf der Individualität und Totalität des Gesellschafts- wie des Naturgeschehens. Der Formalismus der Quantenmechanik könnte sich als konstitutiv für eine allgemeine Theorie der Erfahrung erweisen.
Das Bohr'sche Atommodell wird vorgestellt und Heisenbergs Weg in die Quantenmechanik skizziert. Anhand dreier Interpretationen wird die philosophische Tragweite der Quantenmechanik plausibel gemacht.
Die Lösungen der Welträtsel begannen mit der griechischen Aufklärung vor über 2500 Jahren. Das Nachdenken über die Paradoxie des Zeno aus Elea regte die mathematische Behandlung des Unendlichen an. Epimenides aus Kreta stürzte mit seiner Paradoxie der Selbstbezüglichkeit die Mathematik in eine Grundlagenkrise. Die Begeisterung des Pythagoras für die Zahlen ist im Anspruch des Computerzeitalters auf Berechenbarkeit der Welt noch immer wirksam. In den Elementen Euklids wurde mit dem Dreierschema aus Definition, Satz, Beweis eine Darstellung mathematischen Wissens vorgeführt, die bis heute als Vorbild exakter Wissenschaft gilt. Und die Physiker der Gegenwart suchen nach den ewigen, unveränderlichen Bausteinen der Welt. Orientierung boten ihnen die Atome Demokrits und die Ideen Platos.
Die Gedanken zur Situation der Zeit nehmen die Handlung in SOFIES WELT von Jostein Gaarder auf. Der UN-Major Albert Knag schreibt darin einen Philosophiekurs für seine Tochter Hilde. Als Lehrer läßt er Alberto Knox auftreten. Die ersten Kapitel des Kurses wirft Alberto der Schülerin Sofie Amundsen in den Briefkasten. Jostein verbindet in seinem Roman die Philosophiegeschichte mit den Handlungsebenen der Lebenswelten Hildes und Sofies. In den Gedanken zur Situation der Zeit wird SOFIES WELT in der analytischen Philosophie aufgelöst. Die Bewältigung der Grundlagenkrise in Mathematik und Physik um die letzte Jahrhundertwende hat zu einer Wiedervereinigung von Philosophie und Wissenschaft geführt. Albert Einstein und Bertrand Russell haben ihre Erkenntnisfortschritte nur aus einer innigen Verbindung fachwissenschaftlicher- und philosophischer Interessen zu Wege bringen können.
Die Bedeutung der Naturwissenschaft bei der Klärung philosophischer Fragen wurde bereits in den Dialogen Galileis über die zwei hauptsächlichen Weltsysteme von 1632 deutlich. Um der Verfolgung durch die Inquisition zu entgehen, verteilte Galilei die Diskussion der Weltsysteme auf die Gesprächspartner Sagredo, Salviati und Simplicio. Der Physiker Josef Jauch ließ die drei 1973 in Genf über die Wirklichkeit der Quanten diskutieren. Gegenwärtig sind Hilde und Sofie mit Sagredo, Salviati und Simplicio in Gesprächen über die Rätsel der Welt vertieft. Wie es dazu kam, werdet Ihr gleich erfahren. Nach ihrer Flucht aus dem Unterbewußtsein des Majors sind Alberto und Sofie im Garten der Knags aufgetaucht. Sie haben Lust auf eine Bootsfahrt. Aber wie sollen sie das Boot losbekommen ...