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Studienabbruch von Frauen in den Ingenieurwissenschaften
Technische Universität Hamburg-Harburg


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Studienabbruch von Frauen in den Ingenieurwissenschaften
Eine Analyse Studienabbruch relevanter Studienerlebnisse zur Exploration von Ansatzpunkten zur Erhöhung der Bindungskräfte technischer Studiengänge

Projektleitung: Prof. Dr. Gabriele Winker
Projektdurchführung: Dipl.-Ing. Wibke Derboven und Dr. Andrea Wolffram
Projektfinanzierung:
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Die Studie wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom Dezember 2005 bis Dezember 2008 unter dem Förderkennzeichen 01FP0508 gefördert.
Veröffentlicht in: Derboven, Wibke u. Winker, Gabriele (2010): Ingenieurwissenschaftliche Studiengänge attraktiver gestalten. Vorschläge für Hochschulen. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag

Kurzfassung

Die Gestaltung ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge steht im Kreuzfeuer der Kritik. Ursache ist vor allem die hohe Anzahl von Studienabbrechenden. Da Hochschulen von der Politik verstärkt aufgefordert werden, Studienabbrüche zu senken, es aber kaum fachspezifische Untersuchungen zu den Ursachen von Studienabbrüchen gibt, stehen Hochschulen vor dem Problem, unter großem Handlungsdruck und gleichzeitiger Handlungsunsicherheit agieren zu müssen. Um die Handlungsunsicherheit abzubauen ist eine fachspezifische und auf Gestaltungsempfehlungen fokussierte Studie zum Studienabbruch mit besonderer Berücksichtigung der Studienabbrüche von Frauen in den Ingenieurwissenschaften notwendig. Auf diese Problematik reagiert unsere Studie. Insgesamt wurden 30 Studienabbrecherinnen sowie 10 Studienabbrecher der Ingenieurwissenschaften interviewt und knapp 700 Studienabbrechende beteiligten sich an einer Online-Befragung. Beteiligt haben sich Studienabbrechende aller T9-Universitäten und der Technischen Universität Hamburg-Harburg.
Die Studie ist angelegt als eine geschlechtersensitive Studie mit dem Ziel insbesondere die Ursachen von Studienabbrüchen von Frauen zu untersuchen. Da bei geschlechtersensitiven Studien ganz generell die Gefahr besteht, Geschlechterstereotype ungerechtfertigt zu reproduzieren, wählten wir einen neuen Weg mit der Kategorie Geschlecht zu arbeiten. Die Daten wurden deshalb nicht - wie üblich - einfach nach Frauen und Männern getrennt ausgewertet. Erst nach einer Typisierung der Studienabbrechenden entlang der zentralen Studienkonflikte wurde geschaut, wie die Geschlechterverteilung in diesen Typen aussieht und ob Männer bzw. Frauen signifikant höher vertreten sind. Ein weiteres Kennzeichen des methodischen Vorgehens ist die Verzahnung einer qualitativen und einer quantitativen Teilerhebung. Durch diese Methodenkombination konnte das Risiko einer Reproduktion des derzeitigen Erkenntnisstandes, das in quantitativen Studien generell gegeben ist, verringert werden. Durch die der Fragebogenentwicklung vorangestellten Interviewphase konnten im Fragebogen auch Studienkonflikte und Studienabbruchgründe thematisiert werden, die im herrschenden Diskurs noch nicht zu finden sind.
Die Studie ermöglicht einen detaillierten Blick auf die zentralen Studienkonflikte von Studienabbrechenden der Ingenieurwissenschaften und deren zentralen Studienabbruchgründe. Aber auch die positiven Studienerlebnisse werden deutlich. Darüber hinaus werden Studienabbruchtypen entlang der zentralen Studienkonflikte ermittelt und geschaut, inwieweit sich die Studierenden der verschiedenen Studienabbruchtypen in ihrer Technikhaltung, ihrer Schulleistung, ihrem fachlichen Zutrauen, ihrer Lernhaltung, ihrer Studienleistung und ihres weiteren Werdegangs unterscheiden. Auch wird untersucht, ob die Studienabbruchtypen eine ausgewogene Verteilung von Männern und Frauen aufweisen oder ob ein Geschlecht signifikant höher vertreten ist.
Ein grundlegendes Ergebnis des Forschungsprojektes ist, dass der überwiegende Anteil aller Studienabbrechenden grundsätzlich für ein Ingenieurstudium geeignet ist (ca. 80 Prozent); diese jedoch aus Gründen das Ingenieurstudium abbrechen, denen durch diverse Unterstützungsangebote und durch eine spezifische Gestaltung der Lernumgebung begegnet werden kann. Perspektivisch erscheint es somit durchaus möglich, die hohen Schwundquoten in den Ingenieurwissenschaften zu reduzieren. Dabei kommen Maßnahmen immer auch beiden Geschlechtern zugute, denn die überwiegende Mehrheit der Frauen bricht aus den gleichen vielfältigen Problemlagen wie Männer ein ingenieurwissenschaftliches Studium ab. Bei beiden Geschlechtern haben fachliche Konflikte im Mittel eine stärkere Wirkmächtigkeit als soziale Konflikte. Lediglich 14 Prozent der Studentinnen gehören einem Studienabbruchtyp an, in dem signifikant mehr Frauen als Männer vertreten sind. Bei diesem Typ stehen allerdings das Gefühl des Ausgegrenztseins und damit die sozialen Konflikte im Vordergrund.
Ausgehend von den Ergebnissen der Studie werden detaillierte Gestaltungsempfehlungen zur Verringerung des Studienabbruchs bzw. zur Erhöhung der Studierbarkeit ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge entwickelt. Dabei werden insbesondere drei zentrale Hochschulakteursgruppen berücksichtigt: Hochschulleitung/Hochschulcontrolling, Lehrkörper und Allgemeine Studienberatung.