| Einschätzungen zur Zukunft der Sicherheit in der Kommunikationstechnik |
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| Von Michael Florian, Rolf Lührs und Malte Lehmann-Jessen (1) |
| Inhalt |
| Zusammenfassung |
| 1 | Die Delphi-Methode |
| 2 | Besonderheiten des Ladenburger TeleDelphis |
| 3 | Ergebnisse der Befragung |
| 3.1 | Experteneinschätzungen zur Sicherheit in der Telekommunikation |
| 3.1.1 | Der gegenwärtige Stand und die zukünftige Entwicklung der Risiken im Bereich der Telekommunikation |
| 3.1.2 | Die Bedeutung von Schutzzielen und Sicherheitsanforderungen bei den Nutzern von Kommunikationstechnik |
| 3.1.3 | Die Bedeutung der "Mehrseitigkeit" der Sicherheit in der Kommunikationstechnik |
| 3.1.4 | Dienste für eine sichere Telekommunikation |
| 3.2 | Rahmenbedingungen für die Realisierung sicherer Telekommunikation |
| 3.2.1 | Die wirtschaftliche Bedeutung der Sicherheit und die ökonomischen Rahmenbedingungen sicherer Telekommunikationstechnik |
| 3.2.2 | Die rechtlichen, normativen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen |
| 4 | Zusammenfassung und Ausblick |
| Anmerkungen |
| Literatur |
| 1 Die Delphi-Methode
Es gehört wohl zu den ältesten Träumen der Menschheit, Entwicklungen in der Zukunft bereits vor ihrem Eintreffen zu kennen, um sich frühzeitig auf sie einzustellen oder sie möglicherweise sogar noch aktiv beeinflussen zu können. Schon im antiken Griechenland war es vor allem der Wunsch der Mächtigen, ihre Zukunft vorher zu sehen. Der Tempel Apollos, des Gottes der Weissagung und der musischen Künste, in Delphi, nördlich des Golfs von Korinth gelegen, wurde in der Antike als eine Orakelstätte berühmt. Pythia, die Hohe Priesterin Apollos, war für ihre Weissagungen bekannt. Im sakralen Bereich des Tempels von Delphi saß sie auf einem Dreifuß über einer Erdspalte, aus der heilige Dämpfe aufstiegen, die sie in eine Art von Trance versetzten. Ihre dunklen und geheimnisvollen, nur schwer verständlichen Weissagungen, die ihr der Sage nach im Zustand der Trance durch Apollo selbst übermittelt wurden, mußten von Priestern erst interpretiert und für die Ratsuchenden übersetzt werden, um ihren meist mehrdeutigen Sinn zu offenbaren. So wurde dem Lyderkönig Krösus, der einen Krieg gegen den Perserkönig Cyrus plante, geweissagt, daß er ein großes Reich zerstören werde, sobald er den Grenzfluß überschreite - nämlich sein eigenes! Und den Eltern des Ödipus wurde prophezeit, daß ihr Sohn einst seinen Vater erschlagen und seine Mutter lieben werde. Wie wir aus der Legende wissen, erfüllte sich die Weissagung nach Art einer self-fulfilling prophecy, und zwar obwohl - oder besser: weil - die Eltern alles versuchten, um das Schicksal ihres Sohnes zu durchkreuzen. Das antike Orakel von Delphi produzierte somit keine im modernen Sinne "naturwissenschaftlichen" Aussagen über künftige objektive Ereignisse, sondern rätselhafte Andeutungen über subjektive, auf menschliche Handlungen bezogene Vorgänge. Es vermittelte keine eindeutigen Verhaltensanweisungen, sondern ein mehrdeutiges Orientierungs- und Handlungswissen, das erst einer interpretierenden Auslegung durch Fachleute (Priester) bedurfte. Und die Vorhersage verfügte über eine Eigendynamik, die bei allen Versuchen, die Entwicklung zukünftiger Ereignisse noch rechtzeitig zu korrigieren, mitberücksichtigt werden mußte. Die griechische Götterwelt samt Apollo ist inzwischen im Hades antiker Mythologie versunken, das menschliche Bedürfnis, die Zukunft vorherzusehen, ist aber geblieben. Und wie wir sehen werden, spielen die Merkmale des klassischen Orakels - Orientierungsfunktion und Subjektbezogenheit, Mehrdeutigkeit und Eigendynamik des Wissens - auch bei den zeitgenössischen Verfahren, die Zukunft vorherzusagen, immer noch eine tragende Rolle. So steht heute das klassische Orakel von Delphi bei der Benennung eines wissenschaftlichen Verfahrens Pate, mit dem zukünftige Ereignisse und Entwicklungstrends durch die systematische Erhebung von Expertenmeinungen vorausgesagt werden sollen: die Delphi-Methode. Die Delphi-Methode wurde zu Beginn der fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts in den USA in der RAND Corporation entwickelt und bei einer Reihe von Projekten sowie bei zahlreichen Experimenten eingesetzt. In der ersten Delphi-Erhebung ("Project DELPHI") (2) für die U.S. Air Force wurde versucht, die Zuverlässigkeit von Voraussagen potentieller Angriffsziele in den USA für die sowjetischen Atomstreitkräfte dadurch zu verbessern, daß die subjektiven Einschätzungen ausgewählter Experten im Verlauf eines mehrstufigen Verfahrens den Befragten anonym zurückgemeldet wurden, damit sie ihre persönlichen Auffassungen im Lichte einer durch die Ermittlung eines Mittelwertes (Median) aller Aussagen statistisch erzeugten "Gruppenmeinung" gegebenenfalls revidieren konnten. Dem auf diese Weise synthetisch gebildeten "Meinungskonsens" in der Expertengruppe wurde dabei ein höherer Grad an Verläßlichkeit zugetraut als den einzelnen Expertenmeinungen. Als Methode für die wissenschaftliche Vorausschau ist die Delphi-Technik aber erst seit Mitte der sechziger Jahre bekannt geworden, und zwar durch eine Studie von Helmer und Gordon [HelGor67], ebenfalls für die RAND Corporation, in der eine langfristige, auf fünf Jahrzehnte hin ausgelegte Vorhersage von Zukunftstrends insbesondere auf den Gebieten Wissenschaft und Technologie sowie deren gesellschaftliche Folgen gewagt worden ist. Seitdem ist das Delphi-Verfahren sowohl in seiner konventionellen Form als Prognosemethode als auch in abgewandelten Varianten als Ideenfindungs- und Problemlösungsmethode in zahlreichen Anwendungs- und Themenfeldern eingesetzt worden (3). In Deutschland hat es bei der Rezeption der Delphi-Methode grob betrachtet zwei Phasen gegeben. Angestoßen durch Aufsätze von Albach [Albach70] in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft und von Schöllhammer [Schöll70] in der Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung wurde die Delphi-Methode zunächst in den siebziger Jahren als ein Prognose- und Planungsinstrument in der Betriebswirtschaftslehre rezipiert (4). Nach einigen Monographien und Dissertationen sowie einer kontroversen Diskussion über den möglichen Nutzen dieser Methode bei der betrieblichen Planung und Entscheidungsfindung flaute das Interesse aber zunächst wieder ab. Erst in den neunziger Jahren gelang der Delphi-Methode in Deutschland ein Durchbruch, was vor allem den Delphi-Studien des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) zu verdanken ist, die durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) und durch das nachfolgende Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) gefördert wurden (5). Während der wissenschaftliche (und besonders der methodenkritische) Diskurs über die Delphi-Methode in den USA vor allem in der (experimentellen) (Sozial-)Psychologie ausgefochten wurde, ist die Diskussion in Deutschland zuerst in den siebziger Jahren von der Betriebswirtschaftslehre aufgegriffen und dann gegen Ende der achtziger Jahre in der Technikbewertung weitergeführt worden (vgl. z.B. [VDI91]). Dagegen spielten Delphi-Expertenbefragungen in den deutschsprachigen Sozialwissenschaften bis Mitte der neunziger Jahre so gut wie keine Rolle (6). Dies ist insofern überraschend, als Expertenbefragungen zum Standardrepertoire empirischer Sozialforschung gehören. Zu vermuten ist, daß es vor allem auf die Skepsis vieler Soziologen gegenüber Prognosen zurückzuführen ist, daß die Delphi-Methode in Deutschland nicht weiter beachtet worden ist. Nach den jüngsten Delphi-Studien des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung über die künftige Entwicklung von Wissenschaft und Technik ist aber zu erwarten, daß die Delphi-Technik in den nächsten Jahren auch in den Sozialwissenschaften eine stärkere Aufmerksamkeit finden wird. Die Vorhersage zukünftiger Ereignisse und Entwicklungstrends ist ein schwieriges und umstrittenes Feld wissenschaftlicher Betätigung. Zukünftige Ereignisse und Entwicklungen lassen sich nicht zuverlässig prognostizieren (im Sinne der prò-gnosis, dem "Vorherwissen"). Alle Aussagen über die Zukunft sind mit Ungewißheiten und dem Problem der Zuverlässigkeit belastet. Die wissenschaftliche und technologische Vorausschau muß mit der hohen Komplexität und einer großen Anzahl von Einflußfaktoren rechnen, deren mögliche Wechselwirkungen zudem vorab meist undurchschaubar bleiben. Häufig werden externe Einflüsse im Umfeld wissenschaftlicher und technologischer Entwicklungen ebenso wie unerwartet auftretende Störereignisse bei der Prognose nicht genügend berücksichtigt. Die hohe Eigendynamik und mögliche Lerneffekte sozialer Systeme (z.B. in Form von sich selbst erfüllenden Prophezeiungen) erschweren zusätzlich die Vorhersage künftiger Ereignisse und Entwicklungen, die von menschlichen Handlungsweisen beeinflußt werden. Angesichts dieses Prognose-Dilemmas können wir einerseits grundsätzlich jede Art von Vorausschau als spekulativ und unwissenschaftlich abtun. Wir können aber andererseits auch versuchen, die Unsicherheit der Aussagen über die Zukunft zumindest ein Stück weit zu reduzieren, um das bestehende Wissen über mögliche Alternativen wissenschaftlicher und technologischer Entwicklungen schon frühzeitig zu verbessern und für den Diskurs und die Entscheidung darüber öffentlich zugänglich zu machen, welche Art von Zukunft überhaupt erwünscht ist und welche unbeabsichtigten Folgen möglicherweise auftreten können. Wir haben uns für die letztere Vorgehensweise entschieden. Eingedenk der grundsätzlichen Ungewißheiten über die Zukunft der Kommunikationstechnik haben wir versucht, die Unsicherheiten der wissenschaftlichen und technologischen Vorausschau durch ein Verfahren zu reduzieren, daß den subjektiven Einschätzungen von Experten einen hohen Stellenwert bei der Beurteilung zukünftiger Ereignisse einräumt: die Delphi-Expertenbefragung. Eine allgemeingültige, von allen akzeptierte Auffassung darüber, was unter der Delphi-Methode zu verstehen ist, gibt es bislang ebensowenig, wie sich die unterschiedlichen Varianten und Einsatzweisen des Delphi-Verfahrens in den zahlreichen Projekten auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Allerdings gibt es eine allgemeine Definition, die Linstone und Turoff (vgl. [LinTur75], S. 3) als Quintessenz des von ihnen herausgegebenen Standardwerkes zur Delphi-Methode anbieten, eine Definition, die von vielen geteilt und immer wieder zitiert wird und der auch wir uns anschließen möchten: "Delphi may be characterized as a method for structuring a group communication process so that the process is effective in allowing a group of individuals, as a whole, to deal with a complex problem." Die Kennzeichen der konventionellen Delphi-Methode sind:
In der Geschichte der Delphi-Methode hat es viele Variationen gegeben, die sich zum Teil erheblich von der klassischen Vorgehensweise der RAND Corporation unterscheiden (8). Neben der klassischen Form konventioneller Expertenbefragungen wurde das Delphi-Verfahren zu einer universellen Ideenfindungs- und Problemlösungsmethode weiterentwickelt (9). Inzwischen wird die Delphi-Methode auch als Steuerungsinstrument für die mittel- und langfristige Innovationspolitik des BMBF entwickelt, um das erforderliche Orientierungswissen zu liefern, die Informationsgrundlagen für die Entscheidungsfindung bereitzustellen und durch ihren diskursfördernden Charakter eine Verständigung über gemeinsame Ziele zu ermöglichen (vgl. [BMBF98]. Zusammenfassend kann (im Anschluß an [HädHäd94], S. 13) gefolgert werden, daß die Delphi-Methode immer vor allem dann Anwendung findet, "wenn es um die Schätzung von Sachverhalten geht, die nicht direkt abgebildet werden können, da sie nicht aktuell präsent bzw. real existent sind (z.B. weil sie in der Zukunft oder Vergangenheit liegen) und von daher kreative Leistungen der Experten gefragt sind." Die Delphi-Methode ist "wegen ihrer Betonung der individuellen Intuition überwiegend geeignet für die Lösung schwieriger, mehrdeutiger und unstrukturierter - also nicht operationaler - Probleme" ([Becker74], S. 40). |
| 2 Besonderheiten des
Ladenburger TeleDelphis
Ende 1996 wurde im Rahmen des Ladenburger Kollegs "Sicherheit in der
Kommunikationstechnik" (10) der Gottlieb Daimler-
und Karl Benz-Stiftung mit der Durchführung einer Delphi-Expertenbefragung
begonnen. Die Ladenburger "TeleDelphi"-Befragung weicht in einigen Punkten
von dem Standardmodell der konventionellen Delphi-Methode ab und versucht,
die Vorzüge der Delphi-Technik bei der Meinungsbildung und Ideenfindung
nutzbar zu machen.
Der wohl markanteste Unterschied zum klassischen Verfahren ist die telekommunikativ gestützte Durchführung der Expertenbefragung als "TeleDelphi", bei dem der Fragebogen online im World Wide Web des Internet bereitgestellt wurde, jederzeit per Mausklick heruntergeladen und nach dem Ausfüllen einfach per eMail für die Auswertung versendet werden konnte (11). Des weiteren ging es bei der TeleDelphi-Befragung nicht vorrangig darum, den potentiellen Zeitpunkt der Verbreitung von wissenschaftlichen Innovationen, neuen Technologien oder künftigen Ereignisse möglichst präzise vorherzusagen. Neben Fragen nach der Einschätzung der künftigen Entwicklung der Risiken in der Kommunikationstechnik bezog sich der inhaltliche Schwerpunkt der Befragung darauf, einzuschätzen, was die potentiellen Nutzer im Bereich der Sicherheit der Kommunikationstechnik für wie wichtig halten, warum dies so sein könnte, wie unterschiedliche Rahmenbedingungen für die Realisierung sicherer Telekommunikation zu bewerten sind, welche Hemmnisse dabei für wie relevant gehalten werden und welche Bedingungen für eine erfolgreiche Realisierung der Sicherheit als relevant erachtet werden. Dabei konzentrierte sich die Ladenburger TeleDelphi-Befragung auf folgende thematische Schwerpunkte:
Der Ablauf des Ladenburger TeleDelphis orientierte sich an der für
Delphi-Befragungen üblichen iterativen Vorgehensweise (vgl. Abbildung
2). Die anonyme Rückmeldung der Ergebnisse der ersten Befragungsrunde
durch Kennzeichnung des Medians sowie des oberen und unteren Quartils in
der Wiederholung der TeleDelphi-Befragung in einer zweiten Runde diente
dazu, die Herausbildung einer möglichst homogenen Gruppenmeinung (Konsensbildung)
zu fördern und noch bestehende Meinungsverschiedenheiten deutlich
zu kennzeichnen (13). Anders als bei Gruppendiskussionen
oder beim "Brainstorming" blieben die einzelnen Fachleute dabei aber untereinander
anonym und bei der Beantwortung des Fragebogens voneinander isoliert. Unter
Kenntnisnahme der anderen Fachmeinungen in Form eines synthetischen "Gruppenurteils",
das durch den Median und den Bereich zwischen dem unteren und oberen Quartil
("Quartilbereich") repräsentiert wird, konnten die Einschätzungen
und Bewertungen der ersten Befragungsrunde von den Experten überprüft
und gegebenenfalls geändert werden.
Ergänzend zu den standardisierten Fragen hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, ihre Einschätzungen ausführlich zu begründen sowie Textantworten und Statements zu formulieren. Dabei lassen sich zwei verschiedene Typen "offener Fragen" unterscheiden: 1) Die meisten offenen Fragen dienten der Begründung einer zuvor gewählten Antwort auf eine standardisierte Frage. Häufig lag diese in Form einer sechs- oder vierstufigen Lickert-Skala (14) vor, die ein Kontinuum zwischen zwei sich widersprechenden Alternativen darstellt (z.B. relevant vs. unrelevant, zunehmend vs. abnehmend etc.). 2) Es gab aber auch offene Fragen im engeren Sinne, die keinen Zusammenhang
zu standardisierten Fragen aufwiesen. Die Textantworten auf die offenen
Fragen wurden in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
[Mayrin89] ausgewertet und zusammen mit den Antworten
auf die standardisierten Fragen interpretiert (15).
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| 3 Ergebnisse
der Befragung
Für eine Teilnahme an der TeleDelphi-Befragung wurden weit über 100 Experten (16) angeschrieben, die allesamt im Bereich Sicherheit und Telekommunikation als Fachleute ausgewiesen waren. An der TeleDelphi-Befragung haben dann insgesamt 35 Experten teilgenommen, und zwar 19 Fachleute, die in irgendeiner Form innerhalb des Ladenburger Kollegs "Sicherheit in der Kommunikationstechnik" mitgearbeitet haben (der Anteil der kolleginternen Experten entsprich 54,3%) und 16 "kollegexterne" Experten (das entsprich 45,7%). Dies zeigt, daß wir eine relativ gleichgewichtige Stichprobe erhalten haben, was das Verhältnis zwischen den internen und externen Experten betrifft. Von den insgesamt 35 Teilnehmern haben sich 25 auch an der zweiten Runde der Befragung beteiligt (was einem relativ hohen Beteiligungsgrad von 71,4% entspricht). Das Verhältnis zwischen internen und externen Experten blieb in der zweiten Befragungsrunde nahezu gleich: Die 25 Teilnehmer setzten sich aus 13 kolleginternen (52 %) und 12 kollegexternen (48 %) Experten zusammen. Bei den befragten Experten dominierten männliche Teilnehmer (78,8%), während die Frauen (21,2%) deutlich unterrepräsentiert waren. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmer betrug 37,6 Jahre (bei einer Altersspanne zwischen 26 und 68 Jahren), was als ein Indiz für den Expertenstatus der Stichprobe gewertet werden kann. Bei drei der Befragten handelte es sich um Experten aus dem europäischen Ausland (aus Österreich, Schweden und der Schweiz). In Bezug auf ihre Tätigkeitsbereiche lassen sich die Befragten in drei Gruppen unterteilen:
Insgesamt hat sich durch die Befragung ein sehr deutliches und weitgehend einheitliches Bild der Expertenurteile ergeben. Bei den wenigen Fragen, bei denen sich die Experten nicht auf eine einheitliche Antworttendenz festlegen wollten (z.B. bei der Frage nach der zukünftigen Entwicklung der Risiken), hat die Auswertung der offenen Statements gezeigt, daß die konträren Ansichten wohlbegründet sind und daß der bestehende Dissens als ein wichtiges Endergebnis festgehalten werden kann (vgl. Kapitel 3.1.1). Was die Homogenität der Antworten betraf, zeichneten sich bei einigen Fragen bereits in der ersten Befragungsrunde recht klare Ergebnisse ab. Die zweite Befragungsrunde hat aber im allgemeinen noch einmal erhebliche Verbesserungen bezüglich der Einheitlichkeit der Einschätzungen ("Gruppenkonsens") erbracht, vor allem bei den Fragen, bei denen die Antworten in der ersten Befragungsrunde noch breiter streuten. Eine weitere Befragungsrunde war aufgrund des relativ hohen Grades an Homogenität der Einschätzungen nicht mehr notwendig. Im folgenden möchten wir detaillierter auf die Ergebnisse der Befragung eingehen, wobei wir uns auf einige wesentliche Punkte konzentrieren möchten, da eine ausführliche Darlegung aller Resultate den Umfang dieses Beitrages sprengen würde. |
| 3.1.2 | Die Bedeutung von Schutzzielen und Sicherheitsanforderungen
bei den Nutzern von Kommunikationstechnik
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| Die Sicherheit in der Telekommunikation ist durch unterschiedliche
Bedrohungen gefährdet. Von den Experten wollten wir deshalb wissen,
wie sie die Sicherheitsbedürfnisse und die Anforderungen der Nutzer
von Telekommunikationsdiensten an die Sicherheit der Kommunikationstechnik
einschätzen. Bei der Frage "Was meinen Sie: Für wie wichtig halten
die Nutzer derzeit die Berücksichtigung ihrer Sicherheitsbedürfnisse?"
konnte wieder unter sechs in Form einer Likert-Skala angeordneten Antwortvorgaben
gewählt werden ("sehr wichtig", "wichtig", "eher wichtig", "eher unwichtig",
"unwichtig" und "völlig unwichtig"). Der Quartilbereich der Antworten
verdichtete sich in der zweiten Befragungsrunde auf die beiden Kategorien
"eher wichtig" und "eher unwichtig". Der Median lag in beiden Befragungsrunden
auf der Kategorie "eher unwichtig". Dieses Ergebnis zeigt, daß die
Experten hier keine eindeutige Aussage treffen können, insgesamt aber
eher skeptisch sind, was die Relevanz der Sicherheitsbedürfnisse für
die Nutzer angeht.
Die folgenden Fragen, die die Anforderungen der Nutzer an die Sicherheit in der Telekommunikation etwas differenzierter abfragten, zeichnen ebenfalls ein zwiespältiges Bild. So sind die Experten anscheinend nicht der Meinung, daß für die Nutzer alle sicherheitsrelevanten Aspekte gleichermaßen eher unrelevant sind. Insgesamt hat sich bei dieser im Vergleich zur vorangehenden Frage sehr viel detaillierteren Darstellung möglicher Anforderungen der Nutzer an die Sicherheit in der Telekommunikation sogar eine positivere Einschätzung der Sicherheitsbedürfnisse der Nutzer ergeben. Gefragt wurde, für wie relevant die Nutzer – wiederum nach Meinung der Experten – die Schutzziele "Vertraulichkeit der Kommunikation", "Integrität der Informationen", "Verfügbarkeit von Diensten", "Zurechenbarkeit" und "Verbindlichkeit der Kommunikation" halten. Die Antwortmöglichkeiten erstreckten sich über eine sechsstufige Likert-Skala von "sehr relevant" bis "völlig unrelevant". Das zuerst genannte Schutzziel (Vertraulichkeit) wurde nicht direkt abgefragt sondern in die fünf Indikatoren "Zugriffskontrolle", "Anonymität", "Pseudonymität", "Unbeobachtbarkeit" und "Unverkettbarkeit" untergegliedert. Sowohl diese Indikatoren als auch die drei anderen Schutzziele wurden jeweils durch einen Begleittext erläutert. Was läßt sich nun aus Expertensicht zur Relevanz dieser Schutzziele für die Telekommunikationsnutzer sagen? Beginnen wir mit dem Ziel Vertraulichkeit, welches über die fünf genannten Teilindikatoren erhoben werden sollte. Der erste dieser Indikatoren, die Zugriffskontrolle (d.h. die Gewährleistung eines ausschließlich autorisierten Datenzugriffs) setzt sich deutlich von den anderen Indikatoren ab. Die Experten waren der Meinung, daß dieser Aspekt für die Nutzer die stärkste Relevanz besitzt. Das Spektrum der Antworten lag in der zweiten Befragungsrunde nur im positiven Bereich. Der Median fiel hier auf die Kategorie "relevant", und weil 44% der Befragten die Zugriffskontrolle für die Nutzer sogar für "sehr relevant" hielten, lag das untere Quartil auf dieser höchsten Relevanzstufe. Die Unbeobachtbarkeit der Kommunikation ist für die Nutzer nach Ansicht der Experten ebenfalls "relevant". Allerdings ging bei diesem Indikator auch eine etwas größere Gruppe von Experten davon aus, daß die Nutzer ihn nur für "eher relevant" oder sogar für "(eher) unrelevant" halten. Die drei übrigen Indikatoren der Pseudonymität, Anonymität und Unverkettbarkeit der Informationen besitzen nach Meinung der Fachleute für die Nutzer die im Verhältnis niedrigste Relevanz. Der Median lag bei diesen drei Indikatoren auf der Kategorie "eher relevant", wobei hier auch jeweils eine größere Streuung der Antworten als bei den beiden positiver bewerteten Indikatoren vorlag. Zusammenfassend kann aber gesagt werden, daß die Experten davon ausgehen, daß die "Vertraulichkeit der Kommunikation" ein für die Nutzer durchaus relevantes Schutzziel darstellt. Deutlicher fielen die Ergebnisse bei den drei anderen Schutzzielen "Integrität
der Informationen", "Verfügbarkeit von Diensten" und "Zurechenbarkeit
der Kommunikation" aus. Insbesondere der Integrität der Informationen
messen die Nutzer nach Ansicht der Experten eine sehr hohe Relevanz bei.
Der Median lag bei diesem Schutzziel auf der höchsten Kategorie der
Skala. Fast zwei Drittel der Experten war der Meinung, daß dieses
Ziel für und aus der Sicht der Nutzer "sehr relevant" sei. Bei den
Schutzzielen "Verfügbarkeit von Diensten" und "Zurechenbarkeit
der Kommunikation" liegt der Median jeweils immerhin noch auf der Kategorie
"relevant". Im Vergleich der genannten Schutzziele läßt sich
zusammenfassend sagen, daß die Integrität der Informationen
aus Expertensicht für die Nutzer die höchste Relevanz besitzt,
gefolgt von der Zugriffskontrolle und der Verfügbarkeit von Diensten
sowie der Zurechenbarkeit von Kommunikation und der Unbeobachtbarkeit.
Die Pseudonymität, die Anonymität und die Unverkettbarkeit wurden
dagegen recht zwiespältiger bewertet, weshalb sie auf den hinteren
Rängen der Relevanzskala zu finden sind (Median: "eher relevant" mit
einem oberen Quartil von "eher unrelevant").
Damit ergibt sich insgesamt ein ambivalenter Eindruck. Waren die Experten doch überwiegend der Meinung, daß den Nutzern das Thema Sicherheit im allgemeinen nicht so wichtig sei, schätzen sie die Lage im Hinblick auf unterschiedliche Bedrohungen und Schutzziele sicherer Telekommunikation ganz anders ein. Fast alle genannten Schutzziele sind hier nach Expertenmeinung aus der Sicht der Nutzer relevant. Ein Grund für diese Widersprüchlichkeit liegt sicherlich in der - von einigen Befragten auch explizit geäußerten - grundsätzlichen Unsicherheit, die Bedürfnisse der (potentiellen) Nutzer einzuschätzen. Offenbar fühlten sich die Experten bei der Abschätzung von Nutzerbedürfnissen weniger kompetent als beispielsweise bei der (nicht weniger unsicheren) Beurteilung zukünftiger Marktentwicklungen, die zu einem nicht unwesentlichen Teil aus den kollektiven Wirkungen der künftigen Verhaltensweisen der Nutzer resultieren. Auch wenn die "Nutzer-Szenarien" der Experten unter Prognoseaspekten vielleicht nur mit Vorsicht zu genießen sind, ist ihr Informationsgehalt aus der Perspektive möglicher "Leitbilder" für die Entwicklung sicherer Kommunikationstechnik dennoch als hoch zu bewerten. Nach der Begründung für ihre Einschätzungen gefragt, warum die Nutzer die Berücksichtigung ihrer Sicherheitsbedürfnisse für (weniger) wichtig halten, äußerten die Fachleute unterschiedliche Argumente. So wird das Sicherheitsbewußtsein der Nutzer als sehr heterogen eingeschätzt. Bei wirtschaftsnahen Anwendungen wird mit der zunehmenden potentiellen Schadenshöhe ein steigendes Sicherheitsbedürfnis auf seiten der Nutzer erwartet. Neben dieser eher auf finanzielle Risiken zielenden Ansicht wurde auch die wachsende Intransparenz der Telekommunikationsnetze als Ursache für ein zunehmendes Sicherheitsbedürfnis der Nutzer genannt. Allerdings wird eingeräumt, daß die Sensibilität der Nutzer gegenüber drohenden Gefahren nicht so groß ist, wie sie angesichts bestehender Risiken eigentlich sein sollte. Für die relativ geringe Sensibilität und das noch unterentwickelte Sicherheitsbewußtsein wurden unterschiedliche Aspekte verantwortlich gemacht (z.B. die bislang noch geringe Anzahl medienwirksamer "Sicherheitsunfälle"; die Abstraktheit der Sicherheitsrisiken in der Telekommunikation, die nur schwer wahrzunehmen sind; die Diskrepanz zwischen den subjektiven Risikoeinschätzungen der Nutzer und den objektiv existierenden Risiken; die Vorrangigkeit anderer Aspekte der Techniknutzung wie Preisgestaltung, Bedienbarkeit, Tempo und Prestige gegenüber der Sicherheit etc.). Weiterhin wäre es denkbar, daß die Experten davon ausgehen, daß das Thema "Sicherheit" – insbesondere in seiner Vielschichtigkeit – den Nutzern zwar gegenwärtig nicht präsent ist, daß sie dieser Problematik aber eine höhere Relevanz zumessen werden, sobald sie für die einzelnen sicherheitsrelevanten Aspekte genügend sensibilisiert worden sind. |
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| 3.1.3 | Die Bedeutung der "Mehrseitigkeit"
der Sicherheit in der Kommunikationstechnik
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| Unter Mehrseitigkeit der Sicherheit verstehen wir, daß
den einzelnen Kommunikationsteilnehmern ein selbstbestimmter Umgang mit
sicherheitstechnischen Funktionen ermöglicht wird, daß eine
Aushandlung von Sicherheitsanforderungen zwischen allen Beteiligten möglich
ist und dadurch Konflikte um widersprüchliche Anforderungen gelöst
oder zumindest entschärft werden können.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Aspekt der Mehrseitigkeit von Sicherheit in beiden Befragungsrunden eine äußerst hohe Bewertung erreicht hat: 70,8% der Befragten hielten die Mehrseitigkeit für "sehr wichtig" und 25% für "wichtig". Der Median lag auf der obersten Kategorie "sehr wichtig", der Quartilbereich schloß auch noch die Kategorie "wichtig" mit ein. Ein Vergleich zwischen den kolleginternen und den externen Experten zeigt, daß der Aspekt der Mehrseitigkeit von den kolleginternen Befragten signifikant als wichtiger eingestuft wird als es bei den kollegexternen Befragten der Fall ist (17). Betrachtet man nur die kollegexternen Befragten, so liegt der Median bei ihnen auf der Antwortkategorie "wichtig". Der Quartilbereich schließt bei ihnen neben der Kategorie "sehr wichtig" auch die Kategorie "eher wichtig" mit ein. Mehrseitigkeit wird zwar auch von kollegexternen Experten noch für bedeutend gehalten, sie erreicht aber nicht die herausgehobene Position, die die Mehrseitigkeit für die Kollegexperten hat. Dennoch können wir davon ausgehen, daß auch die externen Experten der Mehrseitigkeit eine hohe Bedeutung zumessen, die die Orientierung des Ladenburger Kollegs auf den Aspekt der Mehrseitigkeit noch einmal grundsätzlich bestätigt. Es kann selbstverständlich nicht davon ausgegangen werden, daß die Mehrseitigkeit für die externen Experten die gleiche hohe Bedeutung aufweist wie für die internen, die sich seit Jahren intensiv mit diesem Aspekt beschäftigen und identifizieren.
In einem weiteren Frageblock wurde um eine Bewertung der Leistungsfähigkeit von Institutionen gebeten, die in der Lage wären, die Mehrseitigkeit der Sicherheit zu gewährleisten. Es wurden im Fragebogen zwölf Institutionen aufgeführt, die anhand einer Likert–Skala mit vier Ausprägungen bewertet werden konnten (von "sehr leistungsfähig" bis "überhaupt nicht leistungsfähig"). Die Leistungsfähigkeit der vorgegebenen Institutionen wird höchst unterschiedlich bewertet. Unangefochten an der Spitze stehen "Sicherheitsdienste vertrauenswürdiger Dritter", bei denen der Median in beiden Befragungsrunden auf der höchsten Kategorie ("sehr leistungsfähig") lag. Danach folgen dem Rang nach die "Hersteller von Telekommunikationsgeräten" und "Normungsgremien (z.B. ISO)", die "Betreiber von Telekommunikations-Netzen", "Verbraucherzentralen" und schließlich "Datenschutzbeauftragte", die allesamt als "eher leistungsfähig" eingeschätzt wurden. "Alternative Gruppierungen (z.B. Chaos Computer Club)", "Anbieter von Online-Diensten", "Anbieter von Teleshopping-Dienstleistungen", das "Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik", "Einrichtungen zur Selbsthilfe (z.B. Newsgruppen)" und "Gerichte" wurden von den Fachleuten als "eher nicht leistungsfähig" bewertet, um Mehrseitigkeit zu ermöglichen.
Insgesamt entsteht der Eindruck einer gewissen Unschlüssigkeit der Befragten diesem Fragekomplex gegenüber: Zwar ist man sich einig, daß Mehrseitigkeit in der Sicherheit wichtig ist, aber wie diese hergestellt bzw. durch welche Institutionen diese gewährleistet werden könnte, bleibt, mit Ausnahme der Kategorie "vertrauenswürdige Dritte", offen. In diesem Ergebnis spiegeln sich die Debatten der letzten Jahre wider, in denen den vertrauenswürdigen Dritten ebenfalls, im Vergleich zu anderen Institutionen, ein vergleichsweise hoher Vertrauensvorschuß bei der Gewährleistung der Sicherheit zugebilligt wird. Untersucht man diesen Frageblock auf unterschiedliche Bewertungen von kolleginternen und kollegexternen Befragten hin, so zeigen sich einige Unterschiede: Bei den kolleginternen Befragten äußert sich eine positivere Bewertung von Gerichten und Verbraucherzentralen, aber auch von Datenschutzbeauftragten, von Einrichtungen zur Selbsthilfe und alternativen Gruppierungen. Auf die Frage, ob denn neue Institutionen in diesem Zusammenhang notwendig seien, antworteten 35,7% der Befragten in der ersten Runde mit "Ja" und 64,3% mit "Nein". Diejenigen, die diese Frage bejahten, wurden anschließend gebeten, die entsprechenden Institutionen zu nennen. Die Auswertung ergab folgendes Ergebnis:
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| 3.1.4 | Dienste für eine sichere
Telekommunikation
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| In diesem Untersuchungsabschnitt sollten die Befragten
eine Reihe von Diensten im Hinblick auf deren Wichtigkeit beurteilen und
zwar zunächst aus der eigenen Sicht und nachfolgend aus der Sicht
der Nutzer. Als Dienste waren aufgeführt: "Unbeobachtbare Telefonate",
"Unbeobachtbares Standby", "Anonymes Anrufen", "Authentifizierung", "Filterung
von Anrufen (Erreichbarkeitsmanagement)" und "Anonymes Bezahlen". Die Wichtigkeit
der Dienste konnte jeweils anhand einer sechsstufigen Likert–Skala (von
"sehr wichtig" bis "völlig unwichtig") bewertet werden.
Bei der Beurteilung der Dienste durch die Experten hat schon die erste
Befragungsrunde sehr deutliche Ergebnisse erbracht. Bei allen angeführten
Diensten erstreckte sich der Quartilbereich über nur zwei Antwortkategorien,
so daß man schon von einer allgemein sehr großen Einigkeit
bezüglich der Beurteilung der Wichtigkeit der Dienste ausgehen kann.
Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß es in der zweiten Befragungsrunde
nur zu geringen weiteren Akzentuierungen gekommen ist. In der Gesamtschau
ist auffällig, daß der "Authentifizierung" von den Befragten
die höchste Wichtigkeit eingeräumt wird. In der ersten Befragungsrunde
lag der Median bei diesem Dienst auf der obersten Kategorie "sehr wichtig",
der Quartilbereich schloß auch noch die Kategorie "wichtig" mit ein.
In der zweiten Befragungsrunde verengte sich auch der Quartilbereich auf
die Kategorie "sehr wichtig". Dieser Dienst erreicht somit im Urteil der
Befragten einen nicht überbietbaren Spitzenwert. Die Dienste "Unbeobachtbare
Telefonate", "Unbeobachtbares Standby" und "Anonymes Bezahlen" wurden allgemein
als "wichtig" bis "sehr wichtig" eingestuft, die Dienste "Anonymes Anrufen"
und "Filterung von Anrufen" als "eher wichtig" bis "wichtig". Es ist also
durchaus eine klare Abstufung in der Wichtigkeit der verschiedenen Dienste
zu erkennen. Den Nutzern trauen die Experten dagegen nicht zu, die Relevanz
dieser Dienste in gleicher Weise zu bewerten. So gehen sie davon aus, daß
die Nutzer alle sechs Dienste unterschiedslos nur für "eher wichtig"
halten. Es liegen hier nur leichte Unterschiede in der Tendenz der Bewertung
vor. Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß die Experten
die genannten Dienste für eine sichere Telekomunikation fast durchgängig
für wichtiger halten als sie dies auf seiten der Nutzer erwarten.
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| 3.2 | Rahmenbedingungen für die
Realisierung sicherer Telekommunikation
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| Zunächst wurden die Experten gebeten, die Wichtigkeit
von Rahmenbedingungen für die Realisierung mehrseitiger Sicherheit
einzuschätzen. Aufgeführt wurden wirtschaftliche, rechtliche,
soziale und technische Rahmenbedingungen. Die Bewertung erfolgte anhand
einer Likert–Skala mit sechs Ausprägungen (von "sehr wichtig" bis
"sehr unwichtig"). Die Ergebnisse sind überraschend deutlich:
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (z.B. Marktnachfrage) werden von gleich vielen Befragten (jeweils 48%) für "sehr wichtig" und für "wichtig" gehalten und erreichen damit die höchste Bewertung. Es lassen sich aber Unterschiede zwischen den kolleginternen und den kollegexternen Befragten erkennen. Letztere schätzen die wirtschaftlichen Rahmenbedingung signifikant als wichtiger ein. Bei den kolleginternen Befragten erreichen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Einstufung als "wichtig". Rechtliche Bedingungen (z.B. gesetzliche Rahmensetzung, nationale und internationale Standards) ebenso wie technische Bedingungen (z.B. die vorhandene Infrastruktur in Forschung und Entwicklung zur Lösung technischer Probleme) werden von allen Befragten einhellig als "wichtig" eingestuft. Die zweite Befragungsrunde hat dabei zu deutlichen Stabilisierungen der Bewertungen geführt. Alle drei Maßzahlen (Median und Quartile) liegen auf der Kategorie "wichtig", so daß von einer sehr großen Übereinstimmung unter den Befragten gesprochen werden kann. Im Gegensatz zu den drei anderen Rahmenbedingungen erreicht die Einschätzung der Wichtigkeit der sozialen Rahmenbedingungen (z.B. die Technikakzeptanz auf seiten der Nutzer) bei den Befragten einen etwas geringeren Wert: Der Median liegt hier auf der Kategorie "eher wichtig", wobei 20% der Befragten soziale Bedingungen sogar als eher unwichtig beurteilten. Neben den verschiedenen Rahmenbedingungen, die eine Realisierung sicherer Telekommunikation ermöglichen, gibt es auch Hemmnisse die der zukünftigen Verbreitung und Nutzer der Telekommunikationstechnik entgegenwirken können. Den Befragten wurde eine Liste mit insgesamt zwölf potentiellen Hemmnisfaktoren vorgelegt, deren Einfluß beurteilt werden sollte. Die Antworten wurden mittels einer vierstufigen Likert–Skala erhoben ("sehr großer Einfluß", "eher großer Einfluß", "eher geringer Einfluß" und "sehr geringer Einfluß"). Von einem großen bis sehr großen Einfluß gehen die
Experten bei vier der zwölf Hemmnisfaktoren aus. Deutlich hervorzuheben
sind dabei die beiden Hemmnisfaktoren "Mangelnde Nutzerfreundlichkeit des
Endgerätes" sowie "Hohe Kosten des Endgerätes", die an der Spitze
der Einflußfaktoren gesetzt wurden, gefolgt von den Faktoren "Mangelndes
Angebotsspektrum geeigneter Anwendungen" und "Unklarheit über den
Nutzen der Technik", die ebenfalls noch als wesentliche Einflußgrößen
auf die Verbreitung und Nutzung der Telekommunikationstechnik betrachtet
werden. Ein im Vergleich "eher großer Einfluß" wird in folgenden
Hemmnisfaktoren gesehen: "Mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz" und "Mangelhaftes
Marketing", gefolgt von "Mangelhaften technischen Standards/Normen" sowie
schließlich "Zu geringer gesellschaftlicher Bedarf" und "Mangelhaftes
Design des Endgerätes". Nur ein "eher geringer Einfluß" wurde
den restlichen Faktoren zugebilligt ("Mangelndes Vertrauen in die Datensicherheit",
"Mangelnde rechtliche Regulierung" und "Mangelnde Verfügbarkeit geeigneter
Sicherheitstechnik"). Deutlich wird, daß hier vor allem die auf Nutzer
und Anwendung bezogenen Aspekte aus Expertensicht als die entscheidenden
potentiellen Hemmnisfaktoren identifiziert werden.
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| 3.2.1 | Die wirtschaftliche Bedeutung
der Sicherheit und die ökonomischen Rahmenbedingungen sicherer Telekommunikationstechnik
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In diesem Fragebogenabschnitt sollte zunächst mit
Hilfe einer sechsstufigen Likert-Skala eine Einschätzung der Vermarktungschancen
sicherer Kommunikationsdienste im Jahre 2007 vorgenommen werden. Die Antwortvorgaben
reichten von "sehr groß" bis "sehr gering". Es bestand unter den
Befragten großer Konsens darüber, daß die Chancen hierfür
als groß anzusehen sind (80% sehen "große", 16% "sehr große"
Vermarktungschancen). Auch die künftige Entwicklung der wirtschaftlichen
Wertschöpfung wird im Bereich sicherer Kommunikationsdienste sehr
positiv eingeschätzt: 56% der Befragten gehen von einer Zunahme der
Wertschöpfung aus, 44% sogar von einer starken Zunahme (auch bei dieser
Frage wurde eine Likert-Skala mit sechs Antwortmöglichkeiten von "nimmt
stark zu" bis "nimmt stark ab" verwendet).
Eine für Ökonomen wie für Hersteller von Endgeräten zentrale Frage ist die, wieviel die Sicherheit kosten darf, damit sie von den potentiellen Nutzern von Telekommunikationstechnik akzeptiert wird. Zum Thema "Sicherheitskosten" haben wir von den Befragten einige interessante Statements erhalten, die im folgenden vorgestellt werden sollen:
Besonders interessant sind nun die Argumente, mit denen der jeweilige Anteil der Sicherheitskosten am Endpreis begründet wird. Für einen vergleichsweise eher niedrigen Anteil der Sicherheitskosten (bis maximal 10,- DM) wurden folgende Argumente genannt:
Die entsprechenden Begründungen, die in einer offenen Frage erbeten wurden, werden nachfolgend aufgeführt:
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| 3.2.2 | Die rechtlichen, normativen und
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
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In diesem Abschnitt sollte zunächst erhoben werden,
für wie wahrscheinlich es die Experten halten, daß sich die
Staaten der EU in Zukunft zumindest in Teilbereichen auf ein gemeinsames
Sicherheitskonzept einigen. Trotz einer positiven Grundeinschätzung
ist die Skepsis der Experten unübersehbar: Auf der vorgegebenen sechsstufigen
Likert-Skala (es standen Antwortmöglichkeiten von "sehr wahrscheinlich"
bis "völlig unwahrscheinlich" zur Verfügung) wurde in großer
Übereinstimmung die Antwortkategorie "eher wahrscheinlich" gewählt.
Die zweite Befragungsrunde hatte bei dieser Frage zu einer starken Homogenisierung
der Antworten geführt. Befragt nach dem Zeitpunkt, zu dem eine Einigung
wahrscheinlich realisiert werden könnte (Neben der Antwort "gar nicht"
konnten in groben Stufen Jahresangaben von "1997-1999" bis "nach 2008"
gewählt werden), gaben die Befragten überwiegend den Zeitraum
von 2000 bis 2005 an.
Sehr ambivalent und von der Tendenz her noch etwas skeptischer wird die Wirkung der derzeitigen rechtlichen Maßnahmen beurteilt. Auf die Frage "Wie wirkungsvoll sind derzeit rechtliche Maßnahmen (z.B. das 'Informations- und Kommunikationsdienste-Gesetz' IUKDG) für die Gewährleistung der Sicherheit einzuschätzen?" konnte unter sechs Antwortvorgaben von "sehr wirkungsvoll" bis "völlig wirkungslos" gewählt werden. Die Antworten der Befragten lagen nach der zweiten Befragungsrunde in dem Bereich um den Nullpunkt der Skala, der durch die beiden Antwortvorgaben "eher wirkungsvoll" und "eher wirkungsarm" repräsentiert wird, wobei aber eine Betonung der positiven Kategorie "eher wirkungsvoll" vorlag.
Wiederum wurden die Befragten gebeten, ihre Antwort zu erläutern. Mit folgenden Argumenten wurde dabei die Einschätzung begründet, daß die bestehenden rechtlichen Maßnahmen - mehr oder weniger - wirkungsvoll sind:
Für diese Einschätzung sollten wiederum in einer offenen Frage Gründe angegeben werden, die nachfolgend zusammengefaßt worden sind:
Am Ende diese Abschnitts ging es noch um die Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz der Telekommunikationstechnik und des Vertrauens in die Telekommunikationstechnik. Akzeptanz sollte nach unserer Definition dann vorliegen, wenn der Nutzen der Telekommunikation höher bewertet wird als die damit verbundenen Nachteile. Soweit diese Akzeptanz nicht auf Anpassungszwänge zurückzuführen ist, sollte sie darüber hinaus auf Vertrauen basieren. Die Befragten wurden gebeten, den Akzeptanzgrad der Kommunikationstechnik
in der Bevölkerung bzw. das Vertrauen der Bevölkerung in die
Telekommunikation prozentual einzuschätzen, wobei sechs Antwortvorgaben
in Schritten von 20% zur Verfügung standen. Obwohl die Befragten sich
bei der Beantwortung dieser Fragen im wesentlichen nur auf ihr allgemeines
Empfinden beziehen konnten, sind die Angaben auch hier recht homogen. Der
Akzeptanzgrad wird von den Befragten auf ca. 80% geschätzt (Median
ca. 80%, Quartilbereich ca. 60-80%). Die Beurteilung des Vertrauens in
die Telekommunikation liegt dem gegenüber etwas niedriger. Hier gingen
fast drei Viertel der Befragten von einem Vertrauensgrad von ca. 60% aus.
Da Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Technologien fehlen, ist es
schwierig, diese Einschätzungen eindeutig zu bewerten.
Als Fazit läßt sich festhalten, daß die Experten der Telekommunikationstechnik zwar grundsätzlich eine gesellschaftliche Akzeptanz attestieren, daß diese aber nicht so hoch eingeschätzt wird, als daß sie nicht durch kritische Ereignisse wieder verspielt werden könnte. Die künftige Entwicklung der Sicherheit und der Risiken im Bereich der Telekommunikation darf dabei in diesem Zusammenhang nicht aus den Augen verloren werden. |
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| 4 Zusammenfassung und
Ausblick
Welche zukunftigen Entwickungstrends lassen sich in Telekommunikation und Kommunikationstechnik ausmachen? Die im Ladenburger TeleDelphi befragten Experten sagen mit sehr großer Übereinstimmung eine Zunahme der Risiken im Bereich der Telekommunikation voraus. In den nächsten Jahren wird sich entscheiden, ob die rasante technologische Entwicklung den Sicherheitsmaßnahmen davonrennen wird oder ob es gelingt, die bereits bestehenden Ansatzpunkte für eine Bewältigung der Risiken zu nutzen und wirksam weiterzuentwickeln. Einen heute nur schwer kalkulierbaren strategischen Stellenwert gewinnen dabei die künftigen Nutzer der Telekommunikationstechnik. Die Mehrseitigkeit der Sicherheit - das Motto des Ladenburger Kollegs, mit dem die Nutzer gestärkt und Anwendungen möglich gemacht werden sollen - wird mehrheitlich sowohl von den im Kolleg mitarbeitenden als auch von den unabhängigen externen Experten für einen sehr wichtigen Aspekt gehalten. Die Richtigkeit der vergleichsweise frühen, aber konsequent verfolgten Orientierung des Ladenburger Kollegs an der Mehrseitigkeit von Sicherheit findet hier noch einmal durch die externen Fachleute eine deutliche Bestätigung. Allerdings wird die Realisierbarkeit mehrseitiger Sicherheit in der Telekommunikation von den befragten Experten mit einiger Skepsis betrachtet. Bestehende Institutionen, die Mehrseitigkeit gewährleisten könnten, schneiden in der Bewertung ihrer Leistungsfähigkeit zum Teil nicht gerade überzeugend ab. In den "vertrauenswürdigen Dritten" wird aber von den Fachleuten eine sehr leistungsfähige Einrichtung gesehen, die am geeignetsten erscheint, die Anforderungen an die Mehrseitigkeit zu verwirklichen. Noch ambivalenter zeigt sich die Einschätzung der Sicherheitsbedürfnisse der Nutzer durch die befragten Experten. Im allgemeinen wird die Sensibilität der Nutzer für die Sicherheit der Kommunikationstechnik aus Expertensicht mit großer Skepsis betrachtet. Wird allerdings differenzierter nachgefragt, so können sich die Fachleute schon eher vorstellen, daß bestimmte Sicherheitsprobleme, Schutzziele und Dienstleistungen für eine sichere Telekommunikation für die Nutzer durchaus relevant sind oder es zumindest werden können. Bei der Beurteilung der Rahmenbedingungen für die Realisierung sicherer Telekommunikation waren sich die Befragten weitgehend einig: Wirtschaftliche Bedingungen rangieren hier an erster Stelle, gefolgt von rechtlichen und technischen sowie sozialen Rahmenbedingungen. Nach den potentiellen Hemmnisfaktoren gefragt, die eine künftige Verbreitung und Nutzung der Telekommunikationstechnik behindern könnten, wurden von den Experten vor allem die auf Nutzer und Anwendung bezogenen Aspekte als die entscheidenden Hemmnisfaktoren identifiziert (mangelnde Nutzerfreundlichkeit, hohe Kosten, mangelndes Angebotsspektrum geeigneter Anwendungen, Unklarheiten über den Nutzen der Technik, mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz, mangelhaftes Marketing, mangelhafte technische Standards/Normen, geringer gesellschaftlicher Bedarf sowie mangelhaftes Design des Endgerätes). Trotz möglicher Hemmnisse werden die Vermarktungschancen sicherer Kommunikationsdienste für das Jahr 2007 und später als groß eingeschätzt, und die befragten Experten waren sich weitgehend einig darin, daß die wirtschaftliche Wertschöpfung im Bereich sicherer Kommunikationsdienste künftig noch zunehmen wird. Auch wenn wir an dieser Stelle nur einen kleinen Teil der Ergebnisse der Ladenburger TeleDelphi-Befragung präsentieren konnten, ist deutlich geworden, daß die Delphi-Methode als Instrument der wissenschaftlichen Vorausschau, der Meinungsbildung und Ideenfindung eine sinnvolle Bereicherung sozialwissenschaftlicher Methoden ist. Gerade die Verbindung zwischen standardisierter Erhebung und der Möglichkeit zu ausführlichen Statements halten wir für eine gelungene Kombination, um zu fundierten Einschätzungen über künftige Entwicklungstrends zu gelangen. Durch die Nutzung des Internets steht der Technikbewertung und -gestaltung mit dem TeleDelphi-Verfahren eine Erhebungstechnik zur Verfügung, die sich im globalen Maßstab durch eine schnelle Kommunikationsplattform gegenüber konventionellen Befragungsformen auszeichnet. Denkbar wäre es darüber hinaus, den interdisziplinären Diskurs zwischen den Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in Form eines TeleDelphis zu institutionalisieren, so daß ein fester Stamm von Fachleuten entweder ad hoc oder in regelmäßigen Abständen zu jeweils aktuellen Themenstellungen befragt werden kann. |
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| Anmerkungen |
| 1 | Die Autoren danken Carlos Mora und Jens Ullrich für ihre Mitarbeit im TeleDelphi-Projekt sowie Kai Rannenberg und Sönke Gold für ihre Unterstützung bei der Entwicklung des Fragebogens. |
| 2 | Wegen Geheimhaltungsverpflichtungen der Verteidigungsforschung wurden die Ergebnisse der Studie erst zehn Jahre später von [DalHel63] publiziert. |
| 3 | Vgl. hierzu vor allem die zahlreichen Beiträge in der Zeitschrift Technological Forecasting and Social Change (seit 1969) sowie den Sammelband zur Delphi-Methode von Harold A. Linstone und Murray Turoff [LinTur75]. Zur Kritik der Delphi-Methode vgl. besonders [Sackma75]. |
| 4 | Vgl. z.B. die Arbeiten von Becker [Becker74], Krüger [Krüger75] und Brockhoff [Brockh79] sowie den kritischen Beitrag von Wechsler in der ZfB [Wechsl78]. |
| 5 | Vgl. [Delphi93], [Cuhls95], [Delphi95], [Delphi98] und [BMBF98]. |
| 6 | Mit Ausnahme einer kurzen Abhandlung bei [Bortz84] und [Attesl84] findet die Delphi-Methode in den einschlägigen Lehrbüchern empirischer Sozialforschung nicht einmal eine Erwähnung (vgl. auch den Literaturbericht von [HädHäd94]). |
| 7 | Bei der Delphi-Befragung muß es sich nicht um eine "reale" Gruppe von Individuen handeln. Üblicherweise kennen sich die Befragten nicht einmal persönlich, sie bleiben einander anonym und treten in keinerlei sozialen Kontakt zueinander. Der "Gruppenkonsens" oder die "Gruppenmeinung" ist ein künstliches Produkt statistischer Berechnungen (Median, Quartile) das nicht durch einen direkten Diskurs aller Beteiligten erzeugt wird. Wenn im folgenden von einer "Gruppe" der Befragten die Rede ist, dann ist damit gemeint, daß alle Befragten statistisch zu einer Art synthetischen "Gruppe" zusammengefaßt werden. |
| 8 | Die wohl am weitesten verbreitete Form ist die konventionelle Delphi-Befragung, die in ihrer klassischen Form als Prognosemethode auf die systematische Erhebung von Zukunftseinschätzungen und Einsichten ausgewählter Experten zielt, deren individuelle Meinungen durch statistische Verfahren (Median, Quartile) zu einer synthetischen "Gruppenmeinung" zusammengefaßt werden, die dann in der nachfolgenden Befragungsrunde an die Beteiligten zurückgemeldet wird, damit diese gegebenenfalls abweichende Meinungen korrigieren können. Das Ziel ist die Vorhersage, ob, wann und in welcher Weise mögliche Ereignisse oder Entwicklungen in der Zukunft wirklich eintreten werden. Der Meinungskonsens der befragten Experten dient dazu, die Qualität und Güte der Vorausschau (accuracy, reliability) zu verbessern. |
| 9 | Vgl. z.B. das von Turoff [Turoff70] entwickelte Policy Delphi für den strukturierten Diskurs und Interessenausgleich unterschiedlicher gesellschaftlicher (Interessen)Gruppen, das von Rauch [Rauch79] entwickelte Decision Delphi als Verfahren zur systematischen Vorbereitung und Unterstützung der Entscheidungsfindung sowie das als Kreativitätstechnik eingesetzte "Ideen-Delphi" nach [Hentze90]. |
| 10 | Zum Ladenburger Kolleg "Sicherheit in der Kommunikationstechnik" vgl. den Anhang und die Beträge in [MülPfi97]. |
| 11 | Die Nutzung des Internet für die Durchführung einer Delphi-Befragung ist nach unserem Wissen mit dem Ladenburger TeleDelphi erstmalig versucht worden. In der Vergangenheit gab es zwar eine Reihe von Experimenten mit Delphi-Computerkonferenzen ("Delphi Conferencing Systems"), bei denen die Delphi-Erhebungen aber an lokal begrenzte Computernetze gebunden waren, für die erst geeignete Programme (z.B. in XBASIC) geschrieben werden mußten (vgl. z.B. [Turoff72], die Beiträge zum Kapitel "Computers and the Future of Delphi" in [LinTur75] sowie [Brockh79]). Unsere Erfahrungen mit dem Internet sind allerdings ambivalent und warnen vor einem überzogenen Optimismus: Auf der einen Seite ist dieses Kommunikationsmedium gerade wegen seiner globalen Verbreitung und Zugänglichkeit ideal für die Nutzung als eine Kommunikationsplattform für Expertenbefragungen, auf der anderen Seite gibt es aber immer noch technische Schwierigkeiten, die vor allem in der Interoperabilität und Verfügbarkeit geeigneter Soft- und Hardware liegen. Einigen der Befragten mußten wir eine Papierversion unseres Fragebogens zur Verfügung stellen, weil eine Bearbeitung und Versendung des HTML-Fragebogens mit den ihnen zur Verfügung stehenden technischen Konfigurationen nicht einwandfrei funktionierte. |
| 12 | Die "Mehrseitigkeit" der Sicherheit kann als das Motto des Ladenburger Kollegs verstanden werden. Zur inhaltlichen Bestimmung, was unter Mehrseitigkeit zu verstehen ist, vgl. [Rannen96] und [MülPfi97] sowie die Passagen zur Bedeutung der Mehrseitigkeit der Sicherheit in den Ergebnissen des TeleDelphis. |
| 13 | Der Median oder "Zentralwert", der die gegebenen Antworten in zwei gleich große Hälften teilt (d.h. jeweils 50% der geordneten Werte einer Verteilung liegen unter- und oberhalb des Medians), ist eine anschauliche statistische Maßzahl für rangskalierte Variablen, die zudem relativ unempfindlich ist gegenüber "Ausreißern". Das untere bzw. obere Quartil (d.h. 25% bzw. 75% der geordneten Werte einer Verteilung) zeigen anschaulich, wie breit die Antworten um den Zentralwert (50%) streuen. Eine geringe Spannweite des Bereiches zwischen dem unteren und oberen Quartil (Quartilbereich) dient dabei als ein Indiz dafür, wie homogen die Experteneinschätzungen jeweils ausgefallen sind. |
| 14 | Eine Likert-Skala zeichnet sich dadurch aus, daß die Antwortvorgaben zur einen Hälfte positiv und zur anderen Hälfte negativ formuliert sind, so daß sich in der Abfolge der Antworten auf der Skala eine Art Symmetrie ergibt. |
| 15 | Das Ziel der Inhaltsanalyse war es, die in den Textantworten genannten Einschätzungen, Bewertungen und Argumentationen in einer nicht-redundanten und generalisierten Form darzustellen. Die auf diesem Wege gewonnen Auswertungskategorien sind insofern generalisiert, als die Antworten, die den gleichen Sachverhalt betreffen und in vergleichbarer Weise argumentieren, paraphrasiert und in einer diesen Antworten gerecht werdenden Weise zusammengefaßt werden. |
| 16 | Aus sprachlich-stilistischen Gründen haben wir darauf verzichtet, die weibliche Form gesondert aufzuführen. |
| 17 | Der hier verwendete Mann-Whitney-U-Test eignet sich allgemein für den Vergleich zweier Stichproben (hier: interne vs. externe Experten), wenn die zu testende Variable (hier: Bedeutung der Mehrseitigkeit) ordinalskaliert ist. Es wird geprüft, ob sich die Unterschiede im Antwortverhalten der beiden Gruppen nicht nur zufällig ergeben haben. Der Test bezieht sich hier wie bei den weiter unten folgenden Fragen auf die Daten der ersten Befragungsrunde. Es wurde dabei jeweils ein 5%iges Signifikanzniveau zugrundegelegt. |
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| Literatur |
| [Albach70] | Albach, Horst: Informationsgewinnung durch strukturierte Gruppenbefragung - Die Delphi-Methode; Zeitschrift für Betriebswirtschaft 40 (1970), Ergänzungsheft, 11-26 |
| [Attesl84] | Atteslander, Peter: Methoden der empirischen Sozialforschung, Berlin, New York 1984 |
| [Becker74] | Becker, Dirk: Analyse der Delphi-Methode und Ansätze zu ihrer optimalen Gestaltung, Inaugural-Dissertation, Universität Mannheim (Wirtschaftshochschule) 1974 |
| [BMBF98] | Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF), Pressedokumentation vom 17.02.1998: Delphi - Größte Studie zur Zukunft Deutschlands, Rüttgers: Zukunft kann man möglich machen, (www.bmbf.de/archive/magazin/mag98/kw08/pm0217908.htm) |
| [Bortz84] | Bortz, Jürgen: Lehrbuch der empirischen Forschung für Sozialwissenschaftler, Berlin, Heidelberg, New York, Tokyo 1984 |
| [Brockh79] | Brockhoff, Klaus: Delphi-Prognosen im Computer-Dialog. Experimentelle Erprobung und Auswertung kurzfristiger Prognosen, Tübingen 1979 |
| [Cuhls95] | Cuhls, Kerstin; Breiner, Sibylle; Grupp, Hariolf: Delphi-Bericht 1995 zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik - Mini-Delphi, Endbericht an das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF), Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung, Karlsruhe 1995 |
| [DalHel63] | Dalkey, Norman; Helmer, Olaf: An Experimental Application of the Delphi Method to the Use of Experts; Management Science 9 (1963), 458-467 |
| [Delphi93] | Deutscher Delphi-Bericht zur Entwicklung von Wissensschaft und Technik im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT), Bonn 1993 [Projektleitung: Hariolf Grupp, Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI)] |
| [Delphi95] | Delphi-Bericht 1995 zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik- Mini-Delphi, hg. vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Bonn 1996 |
| [Delphi98] | Pressedokumentation "Delphi '98", erstellt vom Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung |
| [HädHäd94] | Häder, Michael; Häder, Sabine: Die Grundlagen der Delphi-Methode - Ein Literaturbericht, Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim, ZUMA-Arbeitsbericht Nr. 94/02, März 1994 |
| [HelGor67] | Helmer, Olaf unter Mitarbeit von Theodore Gordon: 50 Jahre Zukunft. Bericht über eine Langfrist-Vorhersage für die Welt der nächsten fünf Jahrzehnte, Hamburg 1967 (engl.: Helmer, Olaf: Social Technology. Report on a Long-Range Forecasting Study, 1966) |
| [Hentze90] | Hentze, Henner; Müller, Klaus-Dieter; Schlicksupp, Helmut: Praxis der Managementtechniken, München, Wien 1990, 76-86 |
| [Krüger75] | Krüger, Udo Michael: Die Antizipation und Verbreitung von Innovationen. Entwicklung und Anwendung eines kommunikativ-strategischen Konzeptes unter besonderer Berücksichtigung der Delphi-Technik, Inaugural-Dissertation, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Köln, 1975 |
| [Linsto78] | Linstone, Harold A.: The Delphi Technique; Handbook of Futures Research, edited by Jib Fowles, Westport/Connecticut, London 1978, 273-300 |
| [LinTur75] | Linstone, Harold A.; Turoff, Murray (Hrsg.): The Delphi Method. Techniques and Applications, Reading/Mass. 1975 |
| [Mayrin89] | Mayring, Philipp: Qualitative Inhaltsanalyse - Grundlagen und Techniken, Weinheim 1989 |
| [MülPfi97] | Müller, Günter; Pfitzmann, Andreas (Hrsg.): Mehrseitige Sicherheit in der Kommunikationstechnik. Verfahren, Komponenten, Integration. Bonn u.a.: Addison-Wesley-Longman Verlag 1997 |
| [Rannen96] | Rannenberg, Kai; Pfitzmann, Andreas; Müller, Günter: Sicherheit, insbesondere mehrseitige IT-Sicherheit. In: it+ti - Informationstechnik und Technische Informatik 38 (1996). Heft 4. S. 7-10 |
| [Rauch79] | Rauch, Wolf: The Decision Delphi; Technological Forecasting and Social Chamge 15 (1979), 159-169 |
| [Sackma75] | Sackman, Harold: Delphi Critique: Expert Opinion, Forecasting, and Group Process; Lexington/Mass, Toronto, London 1975 |
| [Schöll70] | Schöllhammer, Hans: Die Delphi-Methode als betriebliches Prognose- und Planungsverfahren; ZfbF Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung 22 (1970), Heft 2, 128-137 |
| [Turoff70] | Murray Turoff: The Design of a Policy Delphi; Technological Forecasting and Social Change 2 (1970), No. 2, 149-171 |
| [Turoff72] | Turoff, Murray: Delphi Conferencing: Computer-Based Conferencing with Anonymity; Technological Forecasting ans Social Change 3 (1972), 159-204 |
| [VDI91] | Verein Deutscher Ingenieure: VDI-Richtlinie 3780, Technikbewertung - Begriffe und Grundlagen, Düsseldorf, März 1991 |
| [Wechsl78] | Wechsler, Wolfgang: Zur Diskussion der relativen Prognosegenauigkeit der Delphi-Methode: Falsche Aussagen zum falschen Problem; Zeitschrift für Betriebswirtschaft 48 (1978), 596-601 |
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