Projektbeschreibung:
Im Frühjahr '95 brach das Leitsystem des Bahnhofs Hamburg-Altona kurz nach seiner
Inbetriebnahme zusammen und verursachte im norddeutschen Raum ein tagelanges
Verkehrschaos, das trotz relativ rascher Beseitigung des unmittelbaren Softwarefehlers
erst nach mehreren Wochen unter Kontrolle gebracht werden konnte. Dieser Störfall ist
wegen der hohen Komplexität und der zeitkritischen Engkopplungen solcher Systeme
von exemplarischer Bedeutung. Er ist typisch für die noch weitgehend unerforschten
Vernetzungsrisiken, die mit der rapiden Ausbreitung der informations- und kommunikations-
technischen Netzwerke in Wirtschaft und Gesellschaft einhergehen. Ziel des Projekts
ist es, den "Störfall Altona" in der Perspektive der neuartigen Vernetzungsrisiken um-
fassend zu rekonstruieren. Das schließt den Rückgriff auf jene Geneseprozesse (F&E,
Projektierung, Entwicklungsleitbilder), die dem praktischen Einsatz des Leitsystems
vorausgegangen sind, selbstverständlich mit ein, weil sich erst dann die Frage nach den
realistischen Gestaltungsalternativen sinnvoll stellen läßt. Es sind Exkursionen und
empirische Erhebungen geplant, die den beteiligten Studenten nicht nur einen anschau-
lichen Einblick in die praktische soziotechnische Funktionsweise des Leitsystems vor Ort,
sondern vor allem in die Arbeitsweise und Methoden der Technikbewertung geben sollen.
Dabei sind folgende Fragenkomplexe zu erforschen:
- Ursachen, Verlauf und Bewältigung des "Störfalls Altona"; Folgen für Fern-, Nah- und
Regionalverkehr; Auswirkungen auf Pendlerströme und Straßenverkehr; Medienecho
und Öffentlichkeit