Überblick über die Forschung an der Technischen Universität Hamburg-Harburg

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Grabe
Die 1978 im Süden Hamburgs gegründete TUHH ist eine der jüngsten Technischen Universitäten in Deutschland und wurde als eigenständige, auf den Kern der „klassischen” Ingenieurwissenschaften konzentrierte und spezialisierte Universität gegründet. Die wesentlichen Aufgaben und Ziele der TUHH sind durch eine erstklassige Lehre, exzellente Forschung auf einem auch international hohen Niveau sowie einem intensiven Wissens– und Technologietransfer im Aufgabenfeld der Ingenieurwissenschaften charakterisiert.
In 2005 ist eine umfassende zukunfts- und wettbewerbsorientierte Forschungsinitiative auf dem Campus der TUHH gestartet worden mit dem Ziel, Forschungsaktivitäten in allen Instituten zu intensivieren und institutsübergreifend zu entwickeln. Jährlich schließen ca. 90 junge Menschen ihre wissenschaftliche Arbeit mit einer Promotion an der TUHH erfolgreich ab.
Forschung muss über die Institutsgrenzen hinaus in kooperativer Form betrieben werden. An den Universitäten geht es um den Wettbewerb origineller und guter Ideen und natürlich auch um die Akquisition von Drittmitteln: Das Renommee einer Technischen Universität wird ganz wesentlich durch Forschungsverbünde, beispielsweise durch die Sonderforschungsbereiche der DFG und die von der EU oder dem BMBF finanzierten Forschungsprojekte geprägt.
An der TUHH wurden deshalb „bottom up“ institutsübergreifende Forschungsschwerpunkte (FSP) entwickelt. Die gegründeten FSP sind in einer matrixähnlichen Struktur organisiert und werden jeweils von 10 – 15 Professorinnen und Professoren getragen sowie von zwei Kollegen geleitet. Die Beteiligung an einem FSP geschieht freiwillig; die Professorinnen und Professoren können sich an einem oder auch mehreren FSP beteiligen.
Jeder FSP verpflichtet sich, innerhalb der Projektlaufzeit von vier Jahren eine bestimmte Leistung mit überprüfbaren Kriterien zu erbringen. Der Antrag wird vom Präsidium beraten und dem Akademischen Senat zur endgültigen Einsetzung eines FSP vorgelegt. Jeder FSP berichtet dem Akademischen Senat regelmäßig über die erreichten Ergebnisse.
Folgende acht FSP wurden aufgebaut und zwischenzeitlich unter externer Beteiligung evaluiert und verlängert:
Integrierte Biotechnologie und Prozesstechnik
(Andreas Liese, Michael Schlüter)Regeneration, Implantate und Medizintechnik
(Wolfgang Krautschneider, Ralf Pörtner)Selbstorganisierende mobile Sensor– und Datenfunknetze
(Volker Turau, Hermann Rohling)Bauwerke im und am Wasser
(Frank Schmidt-Döhl, Viktor Sigrist)Maritime Systeme
(Stefan Krüger, Moustafa Abdel-Maksoud)Klimaschonende Energie– und Umwelttechnik
(Ralf Otterpohl, Gerhard Schmitz)Luftfahrttechnik
(Otto von Estorff, Frank Thielecke)Produktorientierte Werkstoffentwicklung
(Gerold Schneider, Karl Schulte)
Die TUHH baut mit den erfolgreichen Forschungsschwerpunkten die heutige bereits sehr gute Position im Wettbewerb mit anderen Universitäten aus. Die in den Instituten vorliegenden umfangreichen Erfahrungen und vorhandenen Kräfte werden zukunftsorientiert gebündelt, um aus der eigenen Stärke heraus die TUHH in wichtigen Forschungsthemen deutlich zu profilieren. In einem weiteren Schritt gilt es nun, die vorhandenen Forschungskompetenzen der FSP und der Institute in Kompetenzfeldern zu den Themen Green Technologies, Life Science Technologies und Transportation Technologies and Logistics noch sichtbarer zu gestalten.
Mehr Wettbewerb führt zu einem veränderten Verhalten. Die Vision besteht darin, die in ihren wissenschaftlichen Forschungsfeldern ausgewiesene TUHH als kleine Universität im Konzert der anderen Technischen Universitäten in Deutschland durch gezielte Schwerpunktsetzungen zu positionieren.
Die TUHH ist in den unterschiedlichen Forschungsgebieten sowohl grundlagen- als auch anwendungsbezogen aktiv und arbeitet dabei eng mit den Unternehmen der Metropolregion zusammen. Beispielhaft hierfür sind die Kooperation im Bereich der Luftfahrtforschung im Technologiezentrum Hamburg–Finkenwerder mit AIRBUS oder die Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht für Material- und Küstenforschung, mit dem Deutschen Zentrum für Luft– und Raumfahrt (DLR) oder dem Deutschen Elektronen–Synchrotron (DESY).
Die Gründungsprinzipien der TUHH – Forschungspriorität, Interdisziplinarität, Innovation, Regionalität und Internationalität – sind auch weiterhin verpflichtende Grundlagen für die künftige Entwicklung der TUHH.
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Grabe
– Vizepräsident Forschung –
